ROUNDUP: Salzgitter hebt Prognosen dank besserer Geschäfte und Zukauf
Der Stahlhersteller Salzgitter
Branchenexperte Cole Hathorn vom Investmenthaus Jefferies geht davon aus, dass die Hälfte der Prognoseerhöhung auf die tatsächliche Geschäftsentwicklung zurückgeht und die andere Hälfte auf die HKM-Übernahme. Die Salzgitter-Aktie hatte nach der Mitteilung noch vor dem Wochenende um knapp 4 Prozent angezogen und knüpfte am Montag nach Handelsbeginn mit einem Plus von 1,6 Prozent daran an. Analysten hatten für das Gesamtjahr bisher beim operativen Gewinn weniger auf dem Zettel.
Beim Umsatz visiert der Stahlkocher nun rund 10,0 Milliarden Euro an, eine halbe Milliarde mehr als bisher. Der Zukauf steuert den Angaben zufolge einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag bei. Das Ziel für den bereinigten Vorsteuergewinn erhöhte das Unternehmen ebenfalls und peilt nun 325 bis 425 Millionen Euro an. Das sind jeweils 125 Millionen Euro mehr als zuletzt in der Planung.
Im ersten Halbjahr blieb der Außenumsatz mit 4,6 Milliarden Euro
leicht unter dem Vorjahreswert, wie es auf Basis vorläufiger Zahlen
hieß. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg hingegen deutlich von 117
auf 459 Millionen Euro. In den Ergebnissen sei auch ein gestiegener
Beitrag der Beteiligung Aurubis
Nach den Berechnungen von Analyst Dominic O'Kane von der US-Bank JPMorgan hat das Unternehmen im zweiten Quartal in seinem Kerngeschäft - Stahlproduktion, Handel und Technologie - einen operativen Gewinn in Höhe von 133 Millionen Euro erzielt und damit genauso viel wie im ersten Quartal. Die Erwartungen seiner Bank habe der Stahlkonzern damit deutlich übertroffen. Darin sei der Beitrag von Aurubis in Höhe von 47 Millionen Euro nicht enthalten. Auch für den Jefferies-Analyst Hathorn fiel das Ergebnis dank der starken Stahlproduktion höher aus als von ihm prognostiziert.
Derweil kritisierte Salzgitter-Chef Gunnar Groebler die Pläne der EU-Kommission zur Reform des Emissionshandels. Die Pläne gefährdeten Investitionen in den Klimaschutz und bestraften Unternehmen, die bereits mit dem Umbau begonnen hätten. "Eine Industriepolitik, die nachträglich die Spielregeln ändert, darf Vorreiterunternehmen nicht im Regen stehen lassen", schrieb Groebler auf der Plattform LinkedIn. EU-Parlament und Mitgliedsstaaten forderte er auf, im Gesetzgebungsprozess nachzubessern.
Sein Unternehmen habe bereits Milliarden in den Umstieg auf grünen Stahl investiert - "im Vertrauen auf einen stabilen und verlässlichen Rechtsrahmen". Das dürfe nicht durch Lockerungen beim Emissionshandels entwertet werden. "Wer im Vertrauen auf die europäische Gesetzgebung investiert oder so wie wir bereits investiert hat, darf am Ende nicht bestraft werden", so Groebler.
Der niedersächsische Stahlkonzern hat Ende 2023 mit der Umrüstung seines Stahlwerks in Salzgitter begonnen. Bund und Land fördern den Umbau mit gut 1,3 Milliarden Euro. Die erste Anlage für grünen Stahl soll 2027 in Betrieb gehen. Statt im kohlebefeuerten Hochofen soll der Stahl dann in einer neuen Anlage entstehen, die zunächst mit Erdgas und später mit grünem Wasserstoff laufen kann.
Unter Druck von Wirtschaft und Mitgliedsstaaten schlägt die EU-Kommission eine Abschwächung eines zentralen Klimaschutzinstruments vor. So will die Brüsseler Behörde, dass die Gesamtzahl verfügbarer Rechte für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) langsamer abnimmt als bevor. Außerdem soll es in bestimmten Bereichen mehr kostenlose Zertifikate geben. /men/fjo/mne/men/nas
ISIN DE0006766504 DE0006202005
AXC0078 2026-07-20/09:53
Relevante Links: Salzgitter AG, Aurubis AG