Weiterer Google-Ausbau in Kronstorf könnte 4,4 TWh pro Jahr brauchen / SPÖ will UVP-Gesetz überarbeiten, Grüne dafür - Global 2000 und Ökobüro für UVP-Pflicht ab 50 MW - Wasserrechtliche Bewilligung für Gesamtprojekt liegt schon vor - Demo am Nachmittag
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Die geplante 2. Ausbaustufe des Google-Rechenzentrums in Kronstorf könnte einen weit höheren Stromverbrauch haben als bisher bekannt: Während die im Bau befindliche 1. Stufe einen Jahresverbrauch von maximal 1,3 Terawattstunden (TWh) haben dürfte, wären es bei der zweiten laut Netz OÖ bis zu 4,4 TWh. Zum Vergleich: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 laut Energiebericht 14 TWh. Die SPÖ will nun das UVP-Gesetz überarbeiten. Global 2000 legte dafür bereits einen Vorschlag vor.
Rechenzentren seien keine Vorhabenskategorie im UVP-Gesetz und da das Projekt die Schwellenwerte einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erreiche, sei es nicht UVP-pflichtig, kritisiert SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr. Sie will das Thema daher in die aktuell laufenden Verhandlungen über die Novelle des UVP-Gesetzes einbringen. "Es kann nicht sein, dass kleine Windkraftprojekte streng auf ihre Umweltwirkung geprüft werden, während riesige Server-Hallen auf der grünen Wiese ohne Überprüfung auskommen können", so Herr.
Diskussion um Auswirkungen von Abwasser
Die SPÖ-Umweltsprecherin befürchtet, dass täglich rund 5,8 Mio. Liter 30 Grad warmes Wasser in die Enns eingeleitet werden könnten und sieht massive Auswirkungen auf Umwelt, Boden-, Strom- und Wasserverbrauch. Google hielt dem am Freitag entgegen, dass die Auswirkung auf die Enns laut dem Gutachten, das der wasserrechtlichen Bewilligung zugrunde liege, so gering sei, "dass sie seitens der Amtssachverständigen als vernachlässigbar eingestuft wurde. Beispielsweise wird es beim Kraftwerk Mühlrading, das sich in unmittelbarer Nähe befindet, schon keinen messbaren Temperaturunterschied mehr geben", so Google und betont: "Der im Wasser-Bescheid genannte maximale Grenzwert wird im Regelbetrieb deutlich unterschritten."
Global mit Vorschlag für Schließung von Gesetzeslücke
Die Umweltorganisationen Global 2000, WWF und VIRUS kritisierten die fehlende UVP-Pflicht ebenfalls. Dadurch würden Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen weder Parteistellung noch Einsicht in die Projektunterlagen noch Beschwerdemöglichkeiten bei Verwaltungsgerichten haben. In einer Pressekonferenz am Freitag präsentierten Global 2000 und das Ökobüro eine Studie zu dem Thema. Es gelte eine Gesetzeslücke zu schließen, die darauf beruhe, dass es zur Zeit der Erstellung noch keine Rechenzentren in diesem Ausmaß gegeben habe. "Das ist, als ob man mit einem Kutschengesetz die Robotertaxis einfangen will", vergleicht es Studienautor und Ökobüro-Geschäftsführer Gregor Schamschula.
Sein Vorschlag lautet: Ab 50 Megawatt (MW) solle ein Rechenzentrum UVP-pflichtig sein; ebenso ab 20 MW, wenn zudem Kühlwasser aus Gewässern oder Grundwasser entnommen oder weniger als die Hälfte der Abwärme extern genutzt wird. Ein vereinfachtes Verfahren könnte es ab 10 MW geben, zudem wäre eine UVP in schutzwürdigen Gebieten sinnvoll. Erfolgen könne eine solche Regelung über den Bund - derzeit laufen ohnehin die Verhandlungen zu einer Novelle des UVP-Gesetzes - oder auch auf EU-Ebene, wo das laufende EU-Umweltomnibus-Verfahren ein strategisch günstiges Zeitfenster darstelle, so Schamschula. Global 2000 fordert ein Moratorium für die Errichtung von Rechenzentren, bis diese Fragen geklärt seien, und eine klare Strategie, was in Österreich gebaut werden darf.
Zweite Ausbaustufe könnte 4,4 TWh verbrauchen
Ende April war der Spatenstich für ein Datencenter in Kronstorf gesetzt worden. Die Maximalkapazität für den Strombedarf betrage 150 Megawatt, hieß es damals. Nun wurden aber weitere Pläne eingereicht, die das gesamte 50-Hektar-Areal umfassen und den Standort zu einem der größten innerhalb des Konzerns machen sollen. Ein etwaiger Endausbau hätte eine Maximalkapazität von 500 Megawatt, teilte Google auf Nachfrage mit. Zum erwarteten Jahresverbrauch äußerte sich der Konzern nicht.
Laut Netz Oberösterreich dürfte dieser in der ersten Ausbaustufe bei bis zu 1,31 TWh liegen, was dem Jahresstromverbrauch von 375.000 Haushalten entspreche. Würde die zweite Stufe mit 500 MW Spitzenleistung realisiert, würde der Verbrauch bis zu 4,4 TWh betragen. Das wäre fast ein Drittel des bisherigen Gesamtbedarfs (Haushalte, Industrie, Verkehr) des Bundeslandes: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 laut Oberösterreichischem Energiebericht 14 TWh. Die E-Control sieht auch im Endausbau kein Problem für die Stromversorgung. Auch das Ziel von bilanziell 100 Prozent Ökostrom bis 2030 sei laut Vorstand Alfons Haber nicht gefährdet.
Grüne Unterstützung für UVP-Pflicht
Unterstützung für das Anliegen einer UVP für Rechenzentren kommt von den Grünen. Sie kündigten an, einen Antrag zur Schließung der UVP-Lücke einzubringen. Es sei zwar "löblich", dass die SPÖ "nun endlich aufgewacht ist und eine Gesetzeslücke entdeckt hat, die die Regierung eigentlich schon längst hätte schließen können", so Umweltsprecher Lukas Hammer. "Aber statt ihrer nachträglichen Empörung erwarten wir uns die Zustimmung der SPÖ zu unserem kommenden Antrag." Der Grüne Umweltlandesrat Stefan Kaineder, der für die UVP-Behörde in Oberösterreich zuständig ist, betonte, dass dieser keine offiziellen Informationen zum Projekt vorliegen würden.
Wasserrechtliche Bewilligung für Gesamtprojekt liegt schon vor
Der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) will die Bedenken ernst nehmen, lobte das Projekt allerdings als "internationalen Vertrauensbeweis für Oberösterreich". Google habe weitere Ausbaustufen zur Genehmigung eingereicht, bestätigte er, dafür gebe es "intensive Prüf- und Genehmigungsverfahren". Eine wasserrechtliche Genehmigung für das Gesamtprojekt liege bereits vor. "Das Kühlwasser, das zurückgeleitet wird, wird die Enns um unter 0,005 Grad erwärmen und ist daher vernachlässigbar. Die Abwärme beträgt 30 Grad und wird laut Google am Standort selbst genutzt sowie benachbarten Betrieben zur Verfügung gestellt", so Achleitner. Er sieht in dem Projekt, das "historisch gesehen die größte Einzelinvestition in Oberösterreich" sei - kolportiert wird ein Milliardeninvestment -, einen Magneten für weitere Betriebsansiedlungen. "Ein lokales Datencenter reduziert die Latenzzeiten und stärkt den Digital- und KI-Standort Oberösterreich."
SPÖ-Landesparteichef Martin Winkler forderte angesichts der Google-Ansiedlung einen massiven Ausbau von Hybridkraftwerken - Windparks, Agri-PV-Anlagen und Batteriespeichern - sowie mehr Pumpspeicher. Achleitner verwies darauf, dass in Oberösterreich "64 Windkraftanlagen in verschiedenen Stufen der Genehmigungsverfahren" seien und in Ebensee ein Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 170 MW gebaut werde.
Demo am Nachmittag
Für Freitagnachmittag hat die "Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf" zu einer Kundgebung an der Baustelle aufgerufen. Sie fordert u. a. die "bedingungslose Offenlegung aller Verträge und Deals zwischen Politik und Tech-Konzernen ab dem ersten Tag sowie ehrliche Gesamtprüfungen zu Lärm, Verkehr und Netzsicherheit", zudem Schutz vor Lärm und negativen Auswirkungen auf das Mikroklima durch die Abwärme. Unterstützung kam im Vorfeld schon von Lobau Bleibt - die Initiative forderte via Aussendung "lebenswerte Regionen anstatt Profit für reiche Konzernchefs".
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0892-26) ver/stf/kre
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