ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: US-Inflation hält Dax über 25.000 Punkten
US-Inflationsdaten haben dem Dax
am Dienstag etwas neuen Schwung gegeben. Die
Verbraucherpreise in den USA waren im Juni gegenüber dem Vorjahr
nicht so stark gestiegen wie erwartet. Das nimmt Druck von der
US-Notenbank Fed, ihre Zinsen im Kampf gegen die Teuerung anzuheben,
was vor allem als riskant geltende Wertpapiere wie Aktien
tendenziell belasten würde. Fed-Chef Kevin Warsh betonte allerdings
erneut, dass die Notenbank eine erhöhte Inflation nicht tolerieren
werde.
Der Dax ging letztlich 0,13 Prozent höher bei 25.147,03 Punkten aus
dem Handel und konnte sich so über der runden Marke von 25.000
Zählern halten. Zuvor hatten deutlich steigende Ölpreise im
Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt den deutschen Leitindex klar
darunter gedrückt. Der MDax der mittelgroßen
Unternehmen stieg um 0,37 Prozent auf 32.100,91 Punkte.
US-Präsident Donald Trump hatte die Wiederaufnahme der Seeblockade
iranischer Häfen angekündigt und will zudem Gebühren für die sichere
Durchfahrt der Straße von Hormus einfordern, die aber unter anderem
durch Handelsvereinbarungen ersetzt werden sollen. Gegenseitige
Attacken zwischen den USA und dem Iran gingen derweil weiter.
"Zwischen Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte und der Sorge
vor einer weiteren Eskalation bewegt sich die Börse derzeit wie auf
geopolitischem Glatteis", stellte Marktanalyst Timo Emden fest.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,15
Prozent auf 6.280,19 Punkte zu. Außerhalb der Eurozone schloss der
Leitindex in London ebenfalls moderat höher, in
Zürich ging es leicht abwärts. In New York stand der
Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss
0,2 Prozent im Minus.
Ein heftiger Kursrutsch beim IT-Unternehmen IBM um
mehr als 25 Prozent hinterließ auch am deutschen Aktienmarkt seine
Spuren. Der Softwarekonzern SAP büßte 2,8 Prozent
ein. IBM enttäuschte mit seiner Umsatzentwicklung und schürte mit
Aussagen zu einem veränderten Ausgabeverhalten von Kunden weitere
Sorgen in der ohnehin durch Künstliche Intelligenz (KI) belasteten
Softwarebranche.
Hierzulande erlebte Evotec ein Kursdebakel. Der
Pharmawirkstoff-Entwickler senkte wegen geringerer Umsatzerwartungen
seine Jahresziele deutlich. Diese liegen nun klar unter den
Analystenschätzungen, was die Aktien um 24,1 Prozent und zeitweise
auf den tiefsten Stand seit rund zehn Jahren einbrechen ließ.
Vossloh senkte seinen Ausblick wegen der
wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten etwas. Die Aktien
verloren 4,2 Prozent. Die Experten von Deutsche Bank Research
sprachen von einer bösen Überraschung - obwohl der
Bahntechnikkonzern seine Erwartungen ans kommende Geschäftsjahr
bestätigte.
Aktien aus der Reise- und Freizeitbranche litten unter der
Entwicklung im Nahen Osten und dem Ölpreisanstieg. Die Fraport
-Titel sackten nach robustem Wochenstart um 3,3
Prozent ab, während Tui 0,4 Prozent verloren.
Chemiekonzerne könnten dagegen von steigenden Ölpreisen profitieren,
was die Aktien von Brenntag und BASF
um 2,4 beziehungsweise 1,2 Prozent antrieb.
Aktien von Siemens Energy legten um 2,3 Prozent zu.
Der Energietechnikkonzern heißt künftig Omterra, womit
Lizenzgebühren für die Nutzung des Namens Siemens früher als gedacht
wegfallen. JPMorgan-Analyst Phil Buller rechnet daher auch mit einem
Anstieg der Marge zu einem früheren Zeitpunkt als erwartet.
Delivery Hero steht Kreisen zufolge kurz vor einer
Übernahme durch Uber . Der US-Fahrdienstleister sei in
fortgeschrittenen Gesprächen mit dem Essenslieferdienst, berichtete
die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache
vertraute Personen. Eine Einigung solle noch diese Woche erfolgen.
Die Delivery-Hero-Aktien stiegen um 5,8 Prozent.
Die Anteile von Salzgitter profitierten mit einem
Kurssprung von 7,1 Prozent von einer Jefferies-Empfehlung. Der
Konzern sei einer der größten Profiteure steigender Volumina und
Preise im Zuge der Protektionsmaßnahmen für die europäische
Stahlbranche, schrieb Experte Cole Hathorn. Zudem sollte das
deutsche Infrastrukturpaket ab 2027 durchschlagen./niw/he