ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax ringt mit 25.000-Punkte-Marke
Der noch zu Wochenbeginn robuste Dax
ist am Dienstag etwas unter Druck geraten. Dass der
Preis für die wichtige Rohölsorte Brent auf den höchsten Stand seit
einem Monat gestiegen ist, belastete die Stimmung. Eine halbe Stunde
nach Handelsbeginn sank der deutsche Leitindex um 0,47 Prozent auf
24.997 Punkte.
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor 0,65
Prozent auf 31.773 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um knapp 0,6 Prozent bergab.
Verantwortlich für die Ölpreis-Entwicklung ist die von US-Präsident
Donald Trump angekündigte Wiederaufnahme der Seeblockade gegen
iranische Häfen ansteuernde Schiffe. Zudem erklärte Trump, dass die
USA fortan für die sichere Durchfahrt der Meerenge von Hormus
Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich
beanspruchten.
Die Finanzmärkte seien zuletzt von der Einschätzung "fragiler
Arbeitsbeziehungen" zwischen den USA und dem Iran zu einer "heiklen
Konfrontation mit wenig Aussichten auf einen Kompromiss"
umgeschwenkt, kommentierte Marktexperte Stephen Innes. Der Ölpreis
beinhalte folglich eine geopolitische Risikoprämie.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank befürchtet, dass ein
Rutsch des Dax unter die umkämpfte 25.000-Punkte-Marke die Korrektur
noch beschleunigen könnte. Bisher sieht er allerdings eine eher
geordnete Entwicklung, da die Anleger "die Wechselhaftigkeit des
Iran-Konflikts kennen und auch eine plötzliche Wiederaufnahme der
Gespräche nicht für ausgeschlossen halten". Angesichts der jüngsten
Signale der US-Notenbank, dass eine Zinsanhebung notwendig sein
könnte, um die latenten Inflationsrisiken einzudämmen, dürften die
US-Verbraucherpreise am Nachmittag viel Aufmerksamkeit finden.
Am deutschen Markt steht zunächst aber eine Reihe von
Unternehmenszahlen im Fokus. Der Pharmawirkstoff-Entwickler Evotec
senkte wegen erwarteter Umsatzverschiebungen und
geringerer Erlöserwartungen seine Jahresziele deutlich. Diese liegen
nun klar unter den Analystenerwartungen, was die Aktien um fast ein
Drittel auf den tiefsten Stand seit rund zehn Jahren einbrechen
ließ.
Aktien aus der Reise- und Freizeitbranche litten besonders deutlich
unter der Entwicklung im Nahen Osten und dem Ölpreisanstieg. Die
Fraport -Titel, die am Montag dem negativen
Branchentrend noch getrotzt hatten, sackten um vier Prozent ab,
während Tui und Lufthansa zwei
beziehungsweise 1,8 Prozent verloren.
Dass Vossloh seinen Ausblick wegen der
wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten etwas nach unten
revidierte, bestraften die Anleger mit einem Kursrutsch von 8,4
Prozent. Die Experten von Deutsche Bank Research sprachen von einer
negativen Überraschung. Dass der Bahntechnikkonzern die Belastungen
als vorübergehend beziehungsweise einmalig ansieht und seine
Erwartungen an das kommende Geschäftsjahr bestätigte, konnte die
Aktionäre nicht milde stimmen.
Derweil blickt das Medizintechnik-Unternehmen Drägerwerk
nach einem guten zweiten Quartal etwas
zuversichtlicher als bisher auf das laufende Geschäftsjahr. Die
Aktien gewannen 1,4 Prozent.
Die Anteile von Salzgitter profitierten mit einem
Kurssprung von 5,5 sechs Prozent auf 54,25 Euro von einer Empfehlung
des Analysehauses Jefferies. Der Konzern sei einer der größten
Profiteure steigender Volumina und Preise im Zuge der
Protektionsmaßnahmen für die europäische Stahlbranche, schrieb Cole
Hathorn. Zudem sollte das deutsche Infrastrukturpaket ab 2027
durchschlagen. Daher schraubte der Experte das Kursziel von 55 auf
66 Euro hoch und rät nun zum Kauf./gl/mis