Aktien Frankfurt/Waffenruhe im Iran wohl vorbei: Dax kurz unter 25.000 Punkten
Die aus Sicht von US-Präsident Donald Trump
beendete Waffenruhe im Iran-Krieg hat den Dax am
Mittwoch unter Druck gebracht. Nachdem die Rekordjagd bereits am
Montag mit dem Test der 25.900er Marke abgebrochen wurde, ging es
zeitweise wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000
Punkten.
Am Nachmittag erholte sich der deutsche Leitindex etwas und gab um
1,7 Prozent auf 25.033 Punkte nach. Der Index der mittelgroßen
Werte, der MDax , sank zugleich um 2,3 Prozent auf
31.880 Zähler.
"Der Iran-Konflikt könnte wieder zum Taktgeber für die
Risikobereitschaft der Anleger werden", kommentierte Marktanalyst
Timo Emden die Verluste. "Was zuletzt wie ein Hintergrundrisiko
wirkte, rückt nun wieder ins Rampenlicht und zwingt Anleger, die
geopolitische Risikokarte neu zu bewerten."
Auslöser ist, dass Trump die Waffenruhe im Iran-Krieg aus seiner
Sicht für beendet erklärte, nachdem es zuvor zu gegenseitigen
Angriffen samt einem Abschuss iranischer Raketen auf Bahrein
gekommen war. Die Ölpreise zogen kräftig an, womit die Sorgen vor
Inflation, Konjunkturschwäche und Zinserhöhungen der Notenbanken
wieder präsent sind.
Noch am Montag hatte der Dax mit einem Test der 25.900-Punkte-Marke
seinen dreitägigen Rekordlauf gekrönt. Dann hatten Gewinnmitnahmen
eingesetzt - insbesondere im KI-Bereich. Und auch diese sind noch
nicht abgehakt. So sackte der südkoreanische Kospi ,
zuletzt Sinnbild der KI-Rally, um etwas mehr als 5 Prozent ab und
ist zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte Mai. Der
US-Halbleiterindex SOX hatte am Vorabend seine Talfahrt wieder
aufgenommen und dürfte zum Handelsstart in den USA wohl noch etwas
weiter nachgeben.
Die steigenden Ölpreise weckten Inflationssorgen, und die wiederum
wecken Sorgen vor steigenden Zinsen. Immobilienwerte hatten daher
einen schweren Stand. Vonovia sackten als
Schlusslicht im Dax um 5,1 Prozent ab. Im MDax verloren TAG
Immobilien , LEG oder auch Aroundtown
zwischen 6,1 und 7,2 Prozent.
Auch Talanx zeigten sich im MDax mit minus 4,3
Prozent auf 110,80 Euro sehr schwach. Eine Aktienplatzierung durch
den Anteilseigner Meiji Yasuda Life belastete. Dieser hatte seine
4,3 Millionen Aktien für 110,70 Euro bis Marktpreis, also dem
Schlusskurs von 115,80 Euro angeboten, wie die Nachrichtenagentur
Bloomberg unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente am Vorabend
berichtet hatte. Laut einem Händler betrug der Platzierungspreis am
Ende 110,70 Euro je Aktie.
Als Spitzenwert im Dax legten Eon um 1,7 Prozent zu.
Goldman-Analyst Alberto Gandolfi sieht das Reformpaket der deutschen
Regierung positiv für die Essener. Energienetze spielten eine
zentrale Rolle, was für steigende Investitionen in diesen Bereich
spricht. Eon erziele hier die Hälfte seiner Gewinne, schrieb er.
Lufthansa litten weiter unter Gewinnmitnahmen und
sanken um 4,3 Prozent. Eine Abstufung durch die Citigroup auf "Sell"
belastete. Die Bewertung der Aktie der Fluggesellschaft sei eine
Wette darauf, dass der temporäre Rückenwind weiter bläst. Dabei
müssten die Anleger aber geringere Margen akzeptieren und
Streikrisiken ausblenden, hieß es. Hinzu kam der Ölpreisanstieg als
Belastung.
Angetrieben von einer Kaufempfehlung von Warburg Research machte
derweil die Basler-Aktie im SDax mit
plus 12,4 Prozent ihre Verluste zu Wochenbeginn wett. Da die
anstehenden Quartalszahlen des auf Digitalkameras und weitere
Produkte für maschinelles Sehen spezialisierten Unternehmens stark
ausfallen sollten, biete der Kursrückgang seit den Hochs im Juni
eine gute Kaufgelegenheit, begründete Malte Schaumann seine
Neubewertung./ck/jha/