ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax zollt Rekordlauf weiter Tribut
Am deutschen Aktienmarkt trübt sich die
Stimmung nach dem Rekordlauf des Dax weiter ein. Im
frühen Handel am Mittwoch ging es für den deutschen Leitindex um 1,0
Prozent auf 25.202 Punkte abwärts. Der MDax , der
Index der mittelgroßen Werte, büßte 1,4 Prozent auf 32.180 Zähler
ein.
Nach wie vor belasten Gewinnmitnahmen bei KI-Aktien, wie sie an
Asiens Börsen erneut zu beobachten sind. Obendrein scheint die
Entspannung in Iran-Krieg vorerst ein Ende gefunden haben. Darauf
deuten die steigenden Ölpreise hin. Nach jüngsten Attacken des Iran
in der Straße von Hormus, griff das US-Militär Ziele im Iran an.
Zudem wurden die Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft
gesetzt. Das nährt Inflations- und Konjunktursorgen.
Noch am Montag hatte der Dax mit einem Test der 25.900-Punkte-Marke
seinen dreitägigen Rekordlauf gekrönt. Dann hatten Gewinnmitnahmen
eingesetzt - insbesondere im KI-Bereich. Und die sind noch nicht
abgehakt. So sackte der südkoreanische Kospi , zuletzt
Sinnbild der KI-Rally, erneut kräftig ab und büßte zum
Handelsschluss etwas mehr als 5 Prozent ein. Nun ist er wieder
zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte Mai. Der US-Halbleiterindex
SOX hatte am Vorabend seine Talfahrt wieder aufgenommen.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht angesichts der
erneuten gegenseitigen Angriffe in Nahost und des erneuten Embargos
iranischer Ölexporte wieder Unsicherheit aufflammen. Das komme
gerade zu einem Zeitpunkt, "als die Märkte die geopolitischen
Risiken samt der dadurch begleiteten Inflationssorgen abhaken
wollten", erklärte er. Zwar sieht er in den Ereignissen keine Abkehr
vom Friedensprozess. "Sie sind aber eine Entwicklung in die falsche
Richtung."
Außerdem wird Stanzl zufolge an der Börse die Sommerpause immer
spürbarer. Es fehle mit Blick auf den recht dürftigen Terminkalender
an triftigen Gründen, um bei Aktien zuzugreifen.
Wieder steigende Ölpreise wecken frische Inflationssorgen, und die
wiederum wecken Sorgen vor steigenden Zinsen. Immobilienwerte hatten
daher an diesem Morgen einen schweren Stand. Vonovia
sackten am Dax-Ende um 3,1 Prozent ab und im MDax verloren TAG
Immobilien , LEG oder auch Aroundtown
zwischen 3,1 und 4,2 Prozent.
Auch Talanx zeigten sich im MDax mit minus 4,0
Prozent auf 111,20 Euro sehr schwach. Eine Aktienplatzierung durch
den Anteilseigner Meiji Yasuda Life belastete. Dieser hatte seine
4,3 Millionen Aktien für 110,70 Euro bis Marktpreis, also dem
Schlusskurs von 115,80 Euro angeboten, wie die Nachrichtenagentur
Bloomberg unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente am Vorabend
berichtet hatte. Laut einem Händler betrug der Platzierungspreis am
Ende 110,70 Euro je Aktie.
Gefragt waren unterdessen Aktien aus dem Energiesektor. Eon
und RWE legten im Dax je 1,0 Prozent
zu. Nordex gewannen 1,7 Prozent im MDax und SMA Solar
aus dem Kleinwerte-Index SDax stiegen
um 2,0 Prozent.
Grenke gaben dort um 1,5 Prozent nach. Die
Ratingagentur S&P hatte zuvor den Ausblick für den
Leasingspezialisten von "stable" auf "negative" gesenkt. Die
Kreditwürdigkeit wurde zugleich mit "BBB" bestätigt.
Daimler Truck hielten sich mit plus 0,1 Prozent im
schwachen Gesamtmarkt stabil. Analyst Erwann Dargorne von der
britischen Investmentbank Barclays hob das Kursziel für die Aktie
des Lkw-Bauers auf 55 Euro an und stufte das Papier auf "Overweight"
hoch. Die Lage in der Lkw-Branche bessere sich. Was Daimler Truck
betrifft, betonte er die starke Stellung in Nordamerika, aber auch
die Turnaround-Story in Europa und sieht immenses Nachholpotenzial
für die Bewertung der Aktie.
Das Lufthansa -Papier büßte derweil 3,8 Prozent ein
und litt unter einer Abstufung der Citigroup auf "Sell". Die
Bewertung der Aktie der Fluggesellschaft sei eine Wette darauf, dass
der temporäre Rückenwind weiter bläst. Dabei müssten die Anleger
aber geringere Margen akzeptieren und Streikrisiken ausblenden, hieß
es./ck/mis