Deutsche Börse-News: "Wer Intel kauft, muss schwindelfrei sein" (Auslandsaktien)
Nach wochenlanger Rally stehen Tech-Werte jetzt unter Abgabedruck - die aus den USA, aber auch aus Asien und Europa. Ist die Branche heiß gelaufen, oder handelt es sich nur um eine kleine Pause? Die Einschätzungen gehen auseinander.
11. Juni 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). SK Hynix, Micron, Nvidia, Samsung, Intel - im Handel mit Auslandsaktien dreht sich weiter fast alles um Tech-Werte. Auffällig diesmal: Es sind nicht nur die Magnificent 7, die die höchsten Umsätze erzielen. Auch Tech-Aktien aus Südkorea, Taiwan, China und Japan sind dabei. Erster europäischer Wert: der niederländische Halbleiterausrüster ASML (NL0010273215) auf Platz 18. Und erster Nicht-Tech-Wert: Novo-Nordisk (DK0062498333) auf Platz 20.
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Die meisten Tech-Werte haben vergangene Woche Allzeithochs erreicht - und seitdem verloren. Der Nasdaq 100 war auf den neuen Rekordstand von 30.747 Punkten gestiegen, am Donnerstagmorgen sind es wieder nur 28.508 Zähler. Seit Jahresanfang ergibt das aber immer noch ein Plus von 13 Prozent, auf Zwölfmonatssicht 30 Prozent.
Google-Mutter Alphabet (US02079K3059) kommt - in Euro gerechnet - seit Juni 2025 sogar fast auf eine Kursverdopplung. "Alphabet hat mit der flächendeckenden Einführung von KI bei gleichzeitiger Steigerung des Werbegeschäfts die Quadratur des Kreises geschafft. Zudem wächst auch das seit drei Jahren profitable Cloudgeschäft stark", erklärt Torsten Tiedt von Aktienfinder. Mit einem KGV von 24 erscheine die Aktie zwar hoch bewertet. Doch stünden die Chancen auf einen noch höheren Aktienkurs in einigen Jahren gut, "vorausgesetzt, die Milliardeninvestitionen in den Ausbau der Rechenzentren zahlen sich aus."
SpaceX sofort in Frankfurt handelbar.
Am morgigen Freitag steht der viel beachtete Börsengang von Elon Musk Raumfahrt- und Satellitenunternehmen SpaceX an - wohl eins der größten IPOs der Börsengeschichte. Wenn SpaceX morgen an die New Yorker Börse Nasdaq geht, kann die Aktie zeitgleich auch auf dem Frankfurter Parkett gehandelt werden. Möglich macht das die taggleiche Einbeziehung in den Handel.
Mehr dazu: live.deutsche-boerse.com "KI bei Apple kein Game Changer"
Der Kurs von Apple (US0378331005) ist in Euro seit Juni 2025 um immerhin 46 Prozent gestiegen. Die US-Bank JPMorgan hat die "Overweight"-Einstufung für Apple gerade bestätigt, mit einem Kursziel von 325 US-Dollar (aktuell 292 US-Dollar). Unternehmenschef Tim Cook habe auf der noch laufenden Apple-Worldwide Developers-Konferenz die Erwartungen an eine neue Siri und weitere KI-Funktionen erfüllt, hieß es. Andere Banken sind zurückhaltender. Die UBS hat die Einstufung für Apple auf "Neutral" mit einem Kursziel von 296 US-Dollar belassen. Apple entwickle sich beim Thema KI zwar weiter, aber in moderatem Tempo. Für die Nachfrage sieht die UBS darin keinen "Game Changer".
"Apple investiert im Gegensatz zu anderen Magnificent 7-Unternehmen keine Milliarden und Abermilliarden in KI-Rechenzentren und hat auch keine Milliarden an Beteiligungen in defizitäre LLM-Betreiber (Large Language Model) investiert", bemerkt Torsten Tiedt. Stattdessen konzentriere sich das Unternehmen auf dieselben Kernkompetenzen wie vor dem KI-Aufstieg: das iPhone inklusive Ökosystem. Beides seien solide Geschäftsbereiche, die ihren Erfolg bereits bewiesen hätten. Für diese Sicherheit bezahlten Investoren mit einem 34er KGV auf den bereinigten Gewinn allerdings einen hohen Preis. "Zu hoch aus unserer Sicht, weshalb sich das Warten auf einen Rücksetzer lohnt."
"Intel seit drei Jahren defizitär"
Für den US-Halbleiterkonzern Intel (US4581401001) ging es viele Jahre seitwärts, dieses Jahr ist der Kurs allerdings rasant von 31 auf fast 115 Euro gestiegen. "Intel gehört zu den späten KI-Gewinnern", bemerkt Tiedt und nennt die Wette auf das neue Foundry-Geschäft (Auftragsfertigung) als Grund. Fundamental nüchtern betrachtet sei Intel jedoch ein seit drei Jahren defizitäres Unternehmen, dass viele Milliarden in einen Markt investiere, um gegen Größen wie TSMC und Samsung zu bestehen. "Wer nach dem Kursanstieg noch Intel kauft, muss schwindelfrei sein."
"AMD am besten positioniert"
Im Gegensatz dazu verdiene Advanced Micro Devices (US0079031078) schon heute "gutes Geld", sowohl mit klassischen Prozessoren für PCs und Server als auch KI-Beschleunigern für Rechenzentren. "Zudem lässt AMD seine Chips bei TSMC produzieren, weshalb das Unternehmen auf die teuren Investitionen von Intel verzichten kann." Mit einem KGV von 107 trage ein Kauf der Aktie jedoch nur, wenn der KI-Boom über mindestens die nächsten drei Jahre halte. Auch die britische Investmentbank Barclays zeigt sich zuversichtlich und hat das Kursziel von 500 auf 665 US-Dollar angehoben (aktuell 452 US-Dollar) bei Einstufung auf "Overweight". Klassische Hauptprozessoren (CPU) holten auf, heißt es. AMD sei am besten positioniert, um von diesem Wandel zu profitieren.
Von Anna-Maria Borse, 11. Juni 2026 © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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