ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Nächster Schritt der Rekordrally
Die US-Börsen haben am Dienstag auf ihrer
Rekordjagd nochmals einen Schritt nach oben gemacht. Bei vielen IT-
und Chipwerten ging die KI-Rally weiter, doch in der Breite ließen
es die Anleger wie schon am Vortag langsamer angehen als noch in der
zweiten Mai-Hälfte. In den Gesprächen über eine Friedenslösung im
Iran-Krieg hielt die Hängepartie mit ermutigenden, aber auch
widersprüchlichen Aussagen der Kriegsparteien an.
Der Dow Jones Industrial schloss 0,45 Prozent höher
bei 51.307,79 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100
lag mit einem Anstieg um 0,48 Prozent auf 30.660,60
Punkte in etwa gleichauf mit dem Wall-Street-Index. Der marktbreite
S&P 500 verzeichnete mit plus 0,13 Prozent auf
7.609,78 Zähler zwar weniger Tempo, konnte seine Gewinnstrecke aber
auf den neunten Tag ausdehnen.
US-Präsident Donald Trump nannte gegenüber dem US-Sender ABC die
"nächste Woche" als Zeitraum für eine mögliche Einigung auf ein
Rahmenabkommen, das die Öffnung der Straße von Hormus umfasst. In
der Vergangenheit wurde er mit seinen Zeitplänen aber immer wieder
von der Realität eingeholt. Aus dem Iran hieß es, seit mehreren
Tagen schon fänden keine Gespräche mehr statt. Trump bekräftigte
aber umgehend deren Andauern.
HP Enterprise war das nächste IT-Unternehmen, das die
Erwartungen mit Zahlen und Ausblick deutlich übertraf und damit ein
Kursfeuerwerk in Gang setzte. Die Titel des Server- und
Speicherlösungs-Spezialisten beschleunigten ihre Rekordrally mit
einem Kurssprung, der anfangs fast 40 Prozent groß war. Aus dem
Handel gingen die Aktien dann mit einem gemäßigteren Plus von
immerhin noch der Hälfte.
Auch bei Marvell Technology nimmt die KI-Fantasie
kein Ende: Anders als HP Enterprise bauten die Titel ihr Plus aber
auf gut ein Drittel aus. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte das
Halbleiterunternehmen auf der jährlichen IT- und Computermesse
Computex in Taiwan als "nächstes Billionen-Dollar-Unternehmen"
bezeichnet. Mit einer Bewertung von aktuell 254 Milliarden Dollar
ist das Unternehmen davon allerdings noch weit entfernt.
Gebremst wurde die Nasdaq-Tendenz vom Softwaresektor, in dem nach
der jüngsten Erholungsrally Gewinne mitgenommen wurden. Die Aktien
von Microsoft , Salesforce und Adobe
folgten dieser Tendenz mit relativ deutlichen
Abschlägen, die größer waren als vier Prozent.
Im Software-Sektor fielen Intuit noch mit einem
Kursrutsch um fast 9 Prozent auf. Sie bewegen sich neuerdings auf
dem tiefsten Stand seit 2020, doch Analystin Gabriela Borges von
Goldman Sachs macht den Aktionären mit einer Verkaufsempfehlung
wenig Hoffnung auf Besserung. Es werde schwer für das Unternehmen,
die langfristigen Ziele und die Markterwartungen zu erreichen.
Die Anleger bei Alphabet mussten einen Kursrückgang
von fast vier Prozent verkraften. Der Google-Mutterkonzern will für
den Ausbau seiner KI-Rechenzentren mit der Ausgabe neuer Aktien eine
historische Summe von 80 Milliarden Dollar einnehmen. Im Vergleich
zur Marktkapitalisierung von 4,5 Billionen Dollar erscheint die
Summe aber in einem anderen Licht. Alphabet verlor den Rang als
zweitwertvollstes Unternehmen der Welt wieder an Apple
.
Außerhalb des Tech-Sektors machten die Titel von Victoria's Secret
mit einem Kurssprung um fast die Hälfte Schlagzeilen.
Der Dessoushersteller toppte im ersten Quartal deutlich die
Erwartungen - und löste damit wohl einen "Short-Squeeze" aus, auf
den am Markt verwiesen wurde. Dabei werden Spekulanten, die auf
fallende Kurse gesetzt hatten, durch einen plötzlichen Kursanstieg
zu Eindeckungen gezwungen./tih/he