Aktien Frankfurt: Dax erhält Auftrieb von KI-Fantasie in den USA
Mit Rückenwind von weiteren Rekorden an den
US-Börsen hat sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag von den
Verlusten zum Wochenauftakt erholt. Der Dax notierte
am Nachmittag 0,7 Prozent im Plus bei 25.185 Punkten. Der MDax
mit den mittelgroßen Börsenunternehmen gewann 0,4
Prozent auf 33.038 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 1,0 Prozent nach oben.
Die seit Wochen erhoffte Friedensvereinbarung zwischen den USA und
dem Iran lässt immer noch auf sich warten. Immerhin wird aber weiter
verhandelt, US-Präsident Donald Trump sprach sogar von einem
"schnellen Tempo". "Die Anleger hierzulande scheinen derzeit jede
geopolitische Nachricht vorsorglich auf die Goldwaage zu legen",
bemerkte Marktanalyst Timo Emden. Im Gegensatz zur Wall Street fehle
dem deutschen Aktienmarkt ein durchschlagendes Zukunftsthema.
Während jenseits des Atlantik die KI-Fantasie viele Anleger beinahe
elektrisiere, überwiege diesseits die Skepsis, konstatierte der
Experte.
Die Aktien von Infineon setzten ihre KI-getriebene
Kursrally fort und erreichten einen weiteren Höchststand seit dem
Jahr 2000. Sie kletterten an der Dax-Spitze um weitere 6,8 Prozent,
womit sich der Kursgewinn im laufenden Jahr bereits auf rund 127
Prozent summiert.
Der niederländische Chipkonzern STMicro hatte sein
Umsatzziel für das Geschäft mit Rechenzentren verdoppelt. Bereits am
Vorabend hatte Hewlett Packard Enterprise wegen der
starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur seine Umsatzziele deutlich
angehoben, was der Aktie im vorbörslichen US-Handel einen Kurssprung
von mehr als 25 Prozent bescherte.
Die Papiere von Bayer sackten auf das tiefste Niveau
seit Anfang Dezember ab und verloren als Dax-Schlusslicht 4,7
Prozent. Am Markt nehmen die Sorgen um den Glyphosat-Vergleich in
den USA laut Börsianern zu, nachdem die Zuständigkeit für den
Widerstand dagegen vom Bundesgericht in Missouri zu einem anderen
Bundesgericht im Staat Kalifornien gewandert sei. Dort liege der
Fall beim Bundesrichter Vince Chhabria, einem ausgesprochenen
Kritiker der Vergleichsstrategie der Leverkusener, wie es von
mehreren Brokern hieß.
Die Unicredit hat mit ihrer Übernahmeofferte für die
Commerzbank laut Insidern die wichtige Marke von 30
Prozent überschritten. Der Kurs der Commerzbank-Aktie lag nach den
Neuigkeiten zuletzt mit 1,3 Prozent im Plus. Indem die Unicredit mit
ihrem freiwilligen Übernahmeangebot die 30-Prozent-Schwelle
überschreitet, vermeidet sie, ein deutlich teureres Pflichtangebot
für alle Commerzbank-Aktien abgeben zu müssen.
Die Anteilsscheine von K+S reagierten mit zuletzt
plus 0,7 Prozent nur geringfügig auf die Nachricht, dass der Salz-
und Düngerkonzern das Salzgeschäft des polnischen Chemieunternehmens
Qemetica kaufen will. Der Kaufpreis liege abhängig vom
Geschäftsverlauf in den Jahren 2026 und 2027 zwischen 350 und 380
Millionen Euro, hieß es.
Die Aktien von Salzgitter erklommen den höchsten
Stand seit mehr als 16 Jahren und notierten als MDax-Spitzenreiter
3,8 Prozent im Plus. Zuvor hatte die US-Investmentbank Morgan
Stanley die Papiere des Stahlkonzerns von "Equal-weight" auf
"Overweight" hochgestuft. Die Jahresziele von Salzgitter seien nach
wie vor konservativ und die Gewinndynamik nehme mit Blick auf 2027
noch Fahrt auf, schrieb Analyst Alain Gabriel.
Die Analysten von Kepler Cheuvreux gaben eine Kaufempfehlung für die
Anteilsscheine der DHL Group . Die Papiere der Bonner
stiegen um 3,0 Prozent auf ein Hoch seit vier Jahren. Die Anleger
unterschätzten das Gewinnpotenzial im Expressgeschäft des
Logistikkonzerns, hieß es.
Die Aktien von Alzchem setzten sich mit plus 4,7
Prozent an die Spitze des SDax und auf den höchsten
Stand seit 2017. Im laufenden Jahr gewannen die Papiere des
Spezialchemie- und Sprengstoffherstellers damit 27 Prozent an Wert.
Der tschechische Rüstungskonzern CSG (Czechoslokav Group)
hat seinen Anteil an Alzchem direkt und indirekt auf
insgesamt 20,1 Prozent ausgebaut./edh/jha/