Aktien New York Ausblick: Rekordrally pausiert - Halbleiter-Hausse geht weiter
Die US-Börsen dürften nach der jüngsten
Rekordjagd am Dienstag erst einmal eine Pause einlegen. Dank der
anhaltenden Halbleiter-Hausse sowie optimistischer Aussagen von
US-Präsident Donald Trump zu einer Einigung mit dem Iran zeichnen
sich aber nur moderate Verluste ab. Knapp anderthalb Stunden vor
Handelsbeginn taxierte der Broker IG den Leitindex Dow Jones
Industrial 0,4 Prozent tiefer auf 50.861 Punkte. Den
technologielastigen Nasdaq 100 sieht IG 0,1 Prozent
im Minus bei 30.486 Punkten.
Trump nannte zuletzt die "nächste Woche" als Zeitraum für eine
mögliche Einigung mit dem Iran auf ein Rahmenabkommen, das die
Öffnung der Straße von Hormus umfasst. Das berichtete der US-Sender
ABC News unter Berufung auf ein Telefon-Interview mit Trump. Dieser
habe ergänzt, dass er noch Punkte klären müsse und dem Abkommen noch
nicht zugestimmt habe. Auch aus dem Iran gibt es bislang keine
öffentliche Zusage für eine Einigung. Trump hat in der Vergangenheit
immer wieder optimistische Zeitpläne bekanntgegeben, die dann
schnell von der Realität eingeholt wurden.
Bei HP Enterprise dürfte angesichts eines
vorbörslichen Kurssprungs von 30 Prozent die Rekordrally
weitergehen. Schon zuletzt lag der Aktienkurs fast doppelt so hoch
wie noch zu Jahresbeginn. Dank der anhaltend hohen Nachfrage nach
KI-Infrastruktur überraschte der Server- und
Speicherlösungs-Spezialist im vergangenen Quartal positiv. Zudem hob
er die Umsatzziele für das laufende und kommende Geschäftsjahr
deutlich an und lag damit ebenfalls klar über den Erwartungen. Damit
folgte HP Enterprise dem Branchenkollegen Dell , der
die Anleger vergangene Woche mit einer herausragenden
Geschäftsentwicklung euphorisiert hatte.
Positive Aussagen von Nvidia- Chef Jen-Hsun Huang
katapultierten die Aktien von Marvell Technology um
19 Prozent hoch, womit sich hier ebenfalls ein weiterer Rekord
abzeichnet. Huang adelte den Hersteller von Speicher-,
Telekommunikations- und Halbleiter-Produkten auf der jährlichen IT-
und Computermesse Computex in Taiwan als "nächstes
Billionen-Dollar-Unternehmen". Bis dahin hat Marvell zwar noch eine
Wegstrecke vor sich: Auf Basis des Montags-Schlusskurses war das
Unternehmen an der Börse knapp 192 Milliarden US-Dollar wert. Doch
mit dem Höhenflug, der Ende März begonnen und den Aktien schon ein
Jahresplus von 158 Prozent beschert hat, stimmt die Richtung.
Huangs Aussagen zur zunehmenden Bedeutung von Kupfer und optischen
Verbindungen für KI-Infrastruktur gaben auch anderen Branchentiteln
schon vor Handelsbeginn Auftrieb. So zogen Lightwave Logic
, Lumentum und Applied Optoelectronics
um bis zu 8,3 Prozent an.
Die Anteile von Microchip Technology verteuerten sich
um 8,5 Prozent. Der Halbleiterkonzern berichtete für 2025 einen
Umsatz von mehr als 300 Millionen Dollar mit Rechenzentrumslösungen
- dieser soll im laufenden Jahr auf rund 500 Millionen Dollar
steigen.
Derweil mussten die Anleger bei Alphabet einen
Kursrückgang von 2,8 Prozent verkraften. Der Google-Mutterkonzern
will für den Ausbau seiner KI-Rechenzentren mit der Ausgabe neuer
Aktien eine historische Summe von 80 Milliarden Dollar einnehmen. Im
Vergleich zur Marktkapitalisierung von Alphabet erscheint die
Maßnahme allerdings in einem ganz anderen Licht. Zuletzt wurde das
Unternehmen von den Investoren mit gut 4,5 Billionen Dollar
bewertet, womit es der zweitwertvollste Konzern weltweit hinter
KI-Chipriese Nvidia mit einem Wert von 5,4 Billionen Dollar ist.
Eine Analystenabstufung dürfte den Buchhaltungssoftware-Spezialisten
Intuit nach der jüngsten Erholung wieder unter Druck
setzen: Vorbörslich ging es für die Anteile um 5,9 Prozent auf 333
Dollar bergab. Analystin Gabriela Borges von der US-Investmentbank
Goldman Sachs rät mit einem deutlich gesenkten Kursziel von 276
Dollar nun zum Verkauf. "Zunächst dürfte sich die Lage noch
verschlimmern", so ihre Begründung. Es werde angesichts zunehmender
Konkurrenz schwer für Intuit, die langfristigen Ziele und die
Markterwartungen zu erreichen./gl/jha/