AKTIEN IM FOKUS: Halbleiterwerte setzen KI-Rally fort - STMicro und HPE treiben
Die Begeisterung rund um
Künstliche Intelligenz (KI) hat am Dienstag einmal mehr die
europäischen Halbleiterwerte mitgerissen. Nachdem zu Wochenbeginn
bereits beruhigende Aussagen des Nvidia-Chefs Jensen
Huang für einen kräftigen Erholungsschub bei Software-Aktien gesorgt
hatten, reagierten die Anleger nun erfreut auf positive
Unternehmensnachrichten aus dem Hardware-Bereich.
So beflügelt der anhaltende KI-Boom den Chipkonzern
STMicroelectronics . Das Management verdoppelt deshalb
seine Prognose für den Umsatz mit Rechenzentren in diesem Jahr
nahezu. Zudem könnten sich die Erlöse in diesem Bereich bis 2027
nochmals verdoppeln, sollten die derzeitigen Marktkräfte Bestand
haben. Nach Ansicht des Experten Janardan Menon vom Analysehaus
Jefferies zeugen die Aussagen von der Zuversicht des Unternehmens,
dass die aufgebauten Kapazitäten auf entsprechende Nachfrage
treffen.
Die Aktien von STMicro setzten daraufhin ihren starken Lauf seit
Anfang April fort und erreichten mit einem Plus von elf Prozent auf
65,80 Euro das höchste Niveau seit 2000. Damit hatten sie zugleich
im französischen Leitindex CAC 40 klar die Nase vorn.
Dieser gewann zuletzt fast ein Prozent.
Bereits am Vorabend hatte Hewlett Packard Enterprise
(HPE) in den USA wegen der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur
seine Umsatzziele deutlich angehoben. Der KI-Boom sorgt für
zusätzliche Nachfrage nach klassischen Servern, die oft
leistungsfähig genug für den Einsatz von KI-Modellen sind. In diesem
Bereich habe es im Quartal ein "dreistelliges Wachstum" bei den
Aufträgen gegeben, so Konzernchef Antonio Neri. Bei den Anlegern
kamen die Nachrichten von HPE überaus gut an. Die Aktien machten im
vorbörslichen US-Handel einen Kurssprung um mehr als 25 Prozent.
Die Anteilsscheine von Marvell Technology zogen im
vorbörslichen US-Geschäft um gut 28 Prozent an, nachdem der
Nvidia-Chef den Halbleiterkonzern als das "nächste
Billionen-Dollar-Unternehmen" bezeichnet hatte. "Die nützliche KI
ist da", bekräftigte Huang und fügte hinzu, dass dies der Grund
dafür sei, dass die Nachfrage nach Produkten von Nvidia und Marvell
"durch die Decke geht".
In diesem positiven Umfeld verzeichnete der europäische
Branchenindex Stoxx Europe 600 Technology mit einem
Plus von gut 3 Prozent die größten Gewinne in der Sektorübersicht.
Unter den Favoriten zogen die Papiere der niederländische
Internet-Beteiligungsholding Prosus um gut zehn
Prozent an. Denn deren mit Abstand wichtigste Beteiligung, der
chinesische Techriese Tencent , verzeichnete in
Hongkong einen Kurssprung von ebenfalls mehr als zehn Prozent. Die
Aktien profitierten von einem Medienbericht, wonach Tencent einen
Prototyp eines KI-Agenten testet und so seine Aktivitäten im
KI-Bereich beflügelt.
Auch die Papiere des deutschen Branchenvertreters Infineon
schnellten um fast sieben Prozent hoch und setzten
sich damit auch an die Spitze des deutschen Leitindex Dax
. Sie sind wie STMicro so teuer wie zu Beginn des
Jahrtausends, als das Aufkommen der "New Economy" und die
allmähliche Monetarisierung des Internets zu einem Hype um
Technologieaktien geführt hatte.
Beobachter weisen derweil darauf hin, dass die Unterschiede zum
Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 gravierend seien. So seien
die Unternehmen aus diesem Bereich heute in der Regel deutlich
profitabler und finanzkräftiger als die damaligen Tech-Firmen, und
zudem seien die Aktien aktuell noch deutlich moderater bewertet als
seinerzeit.
Gleichwohl zeigt gerade das Beispiel der Software-Unternehmen, dass
der KI-Boom am Aktienmarkt auch seine Schattenseiten hat. Denn es
wird befürchtet, dass traditionelle Geschäftsmodelle durch
Künstliche Intelligenz stark gefährdet werden könnten./la/ag/jha/