Verbund will Energiespeicher in Bayern trotz Klagen bauen / Bayern hatte Projekt im September 2025 grünes Licht gegeben - Deutscher Bund Naturschutz sieht "massiven Eingriff" in Flora und Fauna und hat Klage eingereicht
Österreichs größter Stromkonzern Verbund will den Bau des Energiespeichers Riedl an der deutsch-österreichischen Grenze in Bayern trotz laufender Klagen vorantreiben. Die Tochter Donaukraftwerk Jochenstein habe beim Landratsamt Passau den sogenannten Sofortvollzug beantragt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
Damit könnten die Bauarbeiten für den Pumpspeicher beginnen, obwohl beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof drei Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss anhängig sind, die den Baubeginn vorerst blockieren. Geklagt hat unter anderem der deutsche Bund Naturschutz im Dezember 2025. Der Umweltschutzverband kritisiert die Größe des geplanten Speicherbeckens und sieht einen "massiven Eingriff" in die Flora und Fauna vor Ort. Daneben sind zwei Klagen von Privatpersonen anhängig.
Projekt mit langer Vorlaufzeit
Die Anlage Riedl soll eine Leistung von mehr als 300 Megawatt und eine Speicherkapazität von 3,5 Gigawattstunden haben. Damit zählt das Vorhaben zu den größten geplanten Energiespeichern in Süddeutschland. Mit einem vollen Speicher könnte das Kraftwerk eine Stadt mit 50.000 Haushalten eine Woche lang mit Strom versorgen, erklärte ein Verbund-Sprecher auf APA-Anfrage. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut Unternehmensangaben auf mehr als 400 Millionen Euro. Im September 2025 hatte das Bundesland Bayern nach 13 Jahren grünes Licht für das Projekt gegeben.
Ohne die Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns würde sich das Projekt um mehrere Jahre verzögern, erklärte Verbund-Chef Michael Strugl. "Was wir gewinnen, ist Zeit - drei bis fünf entscheidende Jahre, die wir angesichts des rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne dringend brauchen." Pumpspeicherkraftwerke werden unter anderem genutzt, um Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Dabei wird bei einem Überschuss an Strom Wasser in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Bei Bedarf wird es wieder abgelassen und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
cgh/ivn
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