Aktien Europa Schluss: Verluste - Rückschritt in Iran-Verhandlungen
Europas Aktienmärkten hat es zu
Wochenbeginn an neuem Schwung gefehlt. Getrübt wurde das Bild davon,
dass es in den Verhandlungen um eine Beendigung des Iran-Kriegs mit
gegenseitigen Angriffen wieder einen Rückschlag gab.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx fiel letztlich um
0,26 Prozent auf 6.034,95 Punkte, nachdem im Tagestief sogar die
6.000-Zähler-Marke ins Wanken geraten war. Außerhalb des Eurogebiets
stand vor allem die schweizerische Börse wegen schwacher Pharmawerte
unter Druck. Der Leitindex SMI sank in Zürich um 1,75
Prozent 13.305,40 Punkte. In London gab der FTSE 100
um 0,68 Prozent auf 10.338,95 Zähler nach.
Nach US-Bombardierungen am Wochenende wurde von den iranischen
Revolutionsgarden ein Vergeltungsschlag vermeldet. Außerdem
berichtete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim, der Iran
werde den Austausch von Nachrichten mit den USA aus Protest gegen
die Eskalation Israels im Libanon einstellen.
Marktbeobachter Timo Emden verglich die Lage mit "geopolitischem
Ping-Pong". Auf jede Friedenshoffnung folgten neue Zweifel und auf
Zuversicht wieder Ernüchterung. Im Iran-Krieg war es erneut zu
gegenseitigen Brüchen der Waffenruhe gekommen. Nach
US-Bombardierungen in der südlichen iranischen Provinz Hormusgan am
Wochenende meldeten die iranischen Revolutionsgarden am Morgen einen
Vergeltungsschlag.
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 schnitten die Aktien
von Öl- und Gaskonzernen als Profiteur wieder
anziehender Ölpreise am besten ab. Die Ölpreise zogen vor allem
infolge des Berichts an, dass der Iran die Verhandlungen mit den USA
wohl auf Eis legen wolle.
Gefragt waren auch die Anteilsscheine von Technologie-
und Telekommunikationsunternehmen . Mt
einer sprunghaften Erholung der SAP -Aktien war
Technologie geprägt vom Softwarebereich und von Aussagen des Nvidia
-Chefs Jensen Huang. Dieser hatte im Rahmen einer
Fachkonferenz seine Meinung wiederholt, dass KI für den
Softwarebereich keine Bedrohung sei.
Gewinne konnten Anleger noch im Mediensektor erzielen, angeführt von
einer Erholung bei Aktien von Wolters Kluwer und Relx
, die sich auch von Sorgen vor KI-Gegenwind erholten.
Aus dem erweiterten Medienbereich konnten sich die Titel von
Universal Music letztlich knapp ins Plus retten. Der
Musikkonzern hatte die Kaufofferte der vom US-Investor Bill Ackman
geführten Pershing Square Capital als zu niedrig
abgelehnt.
Schwäche zeigten dagegen vor allem die Gesundheitswerte
mit den beiden Schweizer Pharmagrößen Novartis
und Roche , deren Titel jeweils mehr
als drei Prozent einbüßten. Händler sprachen hier nach einer starken
Entwicklung im Mai von Gewinnmitnahmen.
Im insgesamt weiter von den Iran-Sorgen getrübten Reise- und
Freizeitsektor ragte Easyjet mit einem
Kurssprung um zehn Prozent heraus. Die US-Investmentgesellschaft
Castlelake hatte am Freitagabend vorherige Gerüchte bestätigt, dass
sie sich in einem frühen Stadium von Überlegungen zur Abgabe eines
Kaufgebots für die Billigfluglinie befindet.
In Paris knackten die Anteile von Schneider Electric
mit einem Kursplus von 2,3 Prozent ihren Korrekturtrend seit dem
Rekord vor fast einem Monat. Zuvor hatte Goldman-Analystin Daniela
Costa in ihrer Studie auf die bis zu 75 Milliarden Euro schwere
Kooperation mit der japanischen Softbank Group beim
Aufbau von KI-Rechenzentren in Frankreich verwiesen./tih/jha/