ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Wenig Bewegung trotz US-Börsenrekorden
Die europäischen Aktienmärkte haben
sich am Freitag mit einer klaren Richtung schwergetan. Dagegen
feierten die Anleger an den US-Börsen sich verdichtende Hinweise auf
eine mögliche Verhandlungslösung im Iran-Krieg mit Rekorden. Für
Schwung sorgte in New York auch der anhaltende Boom um das Thema
Künstliche Intelligenz (KI), das hierzulande eine geringere Rolle
spielt.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging nach
zeitweise deutlichen Gewinnen 0,08 Prozent tiefer mit 6.050,54
Punkten aus dem Handel. Damit erzielte er ein Wochenplus von 0,5
Prozent. Für den zu Ende gegangenen Mai, der nicht gerade als guter
Börsenmonat gilt, verbuchte er immerhin einen Anstieg um 2,9
Prozent.
Ein wenig besser als der EuroStoxx schlug sich am Freitag der
schweizerische SMI mit einem Plus von 0,28 Prozent
auf 13.542,66 Punkte. Dagegen verabschiedete sich der britische FTSE
100 0,16 Prozent tiefer mit 10.409,28 Punkten aus dem
Handel.
Die Vereinigten Staaten und der Iran nähern sich nach US-Angaben
einer Einigung auf eine Verlängerung der Waffenruhe und weitere
Verhandlungen. Bezüglich einer Absichtserklärung seien viele
Fortschritte gemacht worden, es werde aber noch an einigen Punkten
gearbeitet, sagte US-Vizepräsident JD Vance. Ob allerdings Präsident
Donald Trump zustimmen wird, sei offen. Eine Bestätigung der
iranischen Führung gibt es noch nicht.
"An der Börse bleibt die Unsicherheit ein verlässlicher Partner für
die europäischen Investoren bei ihren Anlageentscheidungen",
kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, das
Handelsgeschehen. Die Nachrichtenlage hinsichtlich der Verhandlungen
zwischen den USA und dem Iran bleibe uneindeutig. "Es scheint
zumindest aber sicher zu sein, dass es zu einem Vertragsschluss in
Form eines Memorandum of Understanding kommen wird, wobei die
Details und Bedingungen derzeit fast stündlich variieren."
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 zählten Medien- ,
Banken- und Bautitel vor dem
Wochenende zu den größten Gewinnern.
Unter letzteren ragten die Aktien des größten niederländischen
Bauunternehmens Bam Groep mit einem Kursanstieg von
fast 17 Prozent heraus. Analyst Martijn Den Drijver vom
Oddo-BHF-Kooperationspartner ABN Amro stufte die Titel gleich
doppelt auf "Outperform" mit einem deutlich angehobenen Kursziel
hoch. Er hält den Bewertungsabschlag gegenüber der europäischen
Konkurrenz für nicht gerechtfertigt.
Recht gut schlug sich auch der Technologiesektor im
Kielwasser der freundlichen US-Tech-Werte. Hier sorgten vor allem
ein euphorisch aufgenommener Quartalsbericht und deutlich angehobene
Jahresziele des Computerkonzerns Dell für Furore.
Der moderat freundliche Reise- und Freizeitsektor
profitierte von der Hoffnung auf eine Entspannung in der Golf-Region
und sinkende Ölpreise. Die Aktien der Billigfluggesellschaft Easyjet
schlossen nach zeitweise deutlicheren Gewinnen mit
einem Plus von einem Prozent. Hier sorgte im späten Handel eine vom
britischen Finanzblog Betaville geschürte Übernahmefantasie
zumindest kurz für Auftrieb. Dort hieß es unter Berufung auf
informierte Personen, dass ein Finanzinvestor, der mit einer
Flugzeugleasingfirma zusammenarbeite, Interesse an Easyjet haben
könnte. Die Aktien von Air France-KLM gewannen ohne
Übernahmespekulationen 2 Prozent.
Zu den größten Verlierern zählten defensive Branchen wie
Lebensmittel- und Getränkehersteller sowie
Telekommunikationsfirmen .
Eher nicht gefragt waren auch die Aktien von Öl- und Gaskonzernen
angesichts deutlich sinkender Ölpreise. Allerdings
blieben die Kursverluste überschaubar. Darin dokumentierte sich die
Erwartung weiterhin erhöhter Ölpreise. Denn selbst wenn eine
Verlängerung der Waffenruhe vereinbart wird, stehen einer
Wiederaufnahme der Ölversorgung aus der Golf-Region zahlreiche
Hindernisse entgegen./gl/he