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KTM wehrt sich gegen Vorwurf der "Alibi-Zulassungen" bei Enduros / Recherche internationaler Medien ergab fragwürdige Praxis - KTM: Rechtskonforme "Standardpraxis" - Oberösterreichische Polizei sieht "derzeit nicht wahrnehmbares Problem" auf den Straßen

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Nach Berichten internationaler und heimischer Medien über "Alibi-Zulassungen" bei KTM-Enduro-Motorrädern hat das Unternehmen die Vorwürfe am Mittwoch zurückgewiesen. Es handle sich um eine "Standardpraxis", die auch andere Hersteller anwenden würden. Die oberösterreichische Polizei sprach von einem "derzeit nicht wahrnehmbaren Problem" auf den Straßen. Es könnte allerdings sein, dass Kunden ein großes finanzielles und rechtliches Risiko eingehen.

Eine KTM-Enduro ist mit ihren 50 PS für Rennstrecken gedacht. Um auch für das Fahren auf einer öffentlichen Straße zugelassen zu sein, muss sie auf 15 PS gedrosselt sein. Die Artikel von ORF und "Der Standard", aber u.a. auch von ZDF, "Le Monde", "Der Spiegel" und "El Pais" zeichnen das Bild einer fragwürdigen Praxis: Der Händler verkaufe ein gedrosseltes Bike samt Zulassung und biete an, es umzubauen. Hersteller KTM liefere den Umbausatz gleich mit. Auf dem Papier handle es sich also um eine gedrosselte Maschine, tatsächlich habe sie aber volle Kraft. Sie so anzumelden sei illegal, gemacht werde es dennoch, so der Vorwurf.

KTM sieht Missverständnis

KTM wies in einer Presseaussendung Mittwochfrüh die Vorwürfe, man würde "illegale Motorräder in Verkehr bringen", entschieden zurück. Man sieht vielmehr ein fundamentales Missverständnis: Enduro-Modelle seien im Kern Sportgeräte, die aber in einem straßenzulassungsfähigen Zustand ausgeliefert werden, sodass sie auch auf öffentlichen Straßen gefahren werden dürften. Das sei auch nach den Regularien des Motorrad-Weltverbands FIM Voraussetzung, damit die Maschinen an offiziellen Wettbewerben teilnehmen können. An der Börse gab es bereits Auswirkungen: Die Aktien der KTM-Mutter Bajaj Mobility sind am Mittwoch im Frühhandel an der Wiener Börse zwischenzeitlich um 11,3 Prozent auf 18,50 Euro abgerutscht, am Nachmittag erholte sich der Kurs aber wieder.

"Die Maschine wird gedrosselt und rechtskonform an die Händler geliefert und auch so verkauft", betonte eine KTM-Sprecherin gegenüber der APA. Auf Kundenwunsch könne das Motorrad dann entdrosselt werden. "Dann wird der Kunde darauf hingewiesen, dass er auf der Straße nicht fahren darf", das habe er auch zu unterschreiben. Möglicherweise müsse man die Händler besser schulen.

Eine "Alibi-Straßenzulassung" bei der aus 15 PS 50 werden, nennt das ein Verkäufer in einem der Artikel. Das für die Szene offene Geheimnis aus Österreich bestätigten auch Händler in sieben anderen europäischen Ländern. Demnach würden KTM-Händler in ganz Europa umgebaute Offroad-Motorräder verkaufen, die die Kunden in illegalem Zustand mit nach Hause nehmen würden - inklusive dann falscher Zulassungspapiere. Die Recherche wurde von Medien in zehn Ländern durchgeführt, darunter, koordiniert von der Whistleblowerschutz-Organisation Climate Whistleblowers.

Risiko für Zulassungsbesitzer

Die Fahrer dieser Maschinen riskieren dennoch viel, wenn sie auffliegen. Es drohen hohe Verwaltungsstrafen, der Führerscheinentzug und sogar strafrechtliche Verurteilungen. Ermittlungen wegen Versicherungsbetrugs seien etwa möglich, meinte der Chefjurist des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), Armin Kaltenegger, gegenüber dem ORF. Auch der Händler könnte strafrechtlich belangt werden, wenn er nicht deutlich darauf hinweist, dass eine umgebaute Enduro nicht zugelassen werden darf. Laut Landespolizeidirektion Oberösterreich ist im Fall von Beanstandungen bei einer Verkehrskontrolle der Zulassungsbesitzer verantwortlich.

KTM erklärte, dass die in Europa vertriebenen Enduro-Modelle rund 3 Prozent des weltweiten KTM-Absatzes entsprächen. Pro Jahr verkaufe man ca 6.000 Enduro-Modelle in ganz Europa, die meisten Fahrer würden sie nach fünf Jahren austauschen. Wie viele der Motorräder entdrosselt sind, wisse man nicht.

ver/phs/inn/fel

 ISIN  AT0000KTMI02
 WEB   https://ktmgroup.com

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