Aktien Frankfurt: Dax bleibt über 25.000 Punkten - Lage im Iran-Krieg fragil
Der Dax hat am Dienstag seiner
jüngsten Kursrally Tribut gezollt. Trotz der zugespitzten Lage im
Iran-Krieg hielten sich die Gewinnmitnahmen in Grenzen. Allerdings
"wachsen schon wieder die Zweifel, ob es tatsächlich zeitnah zu
einer schnellen und reibungslosen Einigung zwischen den
Kriegsparteien kommen kann", warnte Andreas Lipkow,
Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Und für die Experten von
Index-Radar "bleibt der fundamentale Nährboden dieser Rally fragil".
Gegen Mittag sank der wichtigste deutsche Aktienindex um 0,71
Prozent auf 25.210 Punkte. Für den MDax , der die
mittelgroßen Börsenunternehmen enthält, ging es um 0,78 Prozent auf
32.551 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
verlor 0,9 Prozent.
Am Pfingstmontag hatte der Dax dank der anhaltenden Hoffnung auf ein
baldiges Ende des Iran-Kriegs wieder die 25.000-Punkte-Marke
geknackt und war zeitweise bis auf 25.438 Punkte geklettert. Das
Rekordhoch aus dem Januar bei 25.507 Punkten rückte damit in
greifbare Nähe. Ohne Impulse der feiertagsbedingt geschlossenen Wall
Street hatte es aber nicht für eine Bestmarke gereicht.
Von den am Vortag freundlichen asiatischen Börsen kamen zuletzt
durchwachsene Signale. Zudem zogen die deutlich gesunkenen Ölpreise
wieder an, nachdem das US-Militär trotz der Waffenruhe im Iran
Raketenstellungen angegriffen sowie im Bereich der Straße von Hormus
Boote attackiert hat, die laut US-Militär Minen in der Meerenge
verlegen wollten.
Im von Gewinnmitnahmen geprägten Markt gerieten die enorm gut
gelaufenen Technologiewerte und hier insbesondere
Infineon etwas unter Druck. Mit einem Minus von 1,4
Prozent auf 75,69 Euro zählten die Aktien zu den schwächeren im Dax.
Das Analysehaus MWB Research hob das Kursziel von 58 auf 60 Euro an,
strich aber seine Halteempfehlung und rät nun zum Verkauf. Abed
Jared billigte dem Unternehmen eine klare Verbesserung der
Fundamentaldaten zu. Das preisten die Aktien aber schon ein und
notierten klar oberhalb seines revidierten Kursziels, betonte der
Experte.
Auch weitere Analystenaussagen bewegten die Kurse. Beim Dax-Konzern
Merck mussten die Anleger nach der jüngsten Erholung
einen Rückgang um 1,9 Prozent auf 127,60 Euro verkraften. In der
Einordnung des Bewertungsniveaus herrscht Unstimmigkeit zwischen
Experten. Während James Vane-Tempest von der Investmentbank
Jefferies die Aktien jetzt beim Kursziel von 129 Euro neu mit "Hold"
einstuft, hält sie JPMorgan-Analyst-Richard Vosser immer noch für
unterbewertet.
Für Wacker Chemie bedeutete ein Kursrückgang um 3,4
Prozent auf 97,55 Euro einen der hinteren MDax-Plätze. Die Schweizer
Großbank UBS erhöhte zwar das Kursziel von 84 auf 104 Euro, stufte
die zuletzt stark erholten Aktien aber von "Buy" auf "Neutral". Der
weitere Spielraum sei begrenzt, begründete Christian Bell seine
Neubewertung. Die Berechenbarkeit des Timings und Ausmaßes einer
weiteren Gewinnerholung sei schwierig und die Aktien seien vor
diesem Hintergrund zunächst fair bewertet.
Dass Jefferies das Kursziel für Grand City Properties
deutlich senkte und die bisherige Kaufempfehlung strich, brockte den
Aktien des Immobilienunternehmens einen Rutsch von 1,6 Prozent und
einen der hinteren Plätze im Nebenwerte-Index SDax
ein. Branchenexperte Pierre-Emmanuel Clouard sieht bei einigen
europäischen Immobilienwerten attraktive Einstiegschancen. Bei Grand
City monierte er aber die geringe Aktienliquidität nach der
Anteilsaufstockung durch Großaktionär Aroundtown
sowie einen anhaltenden Ergebnisdruck./gl/jha/