Im Nachgang der Nvidia-Zahlen
tun sich die Anleger am Donnerstag bei deutschen Aktien schwer mit
der Orientierung. Der Dax pirschte sich nach verhaltenem Start
zeitweise an die 25.000-Punkte-Marke heran, kehrte aber nach dem
Mittag wieder ins Minus zurück. Eine dreitägige Gewinnserie droht
damit zu reißen.
Eine Stunde vor dem US-Handelsauftakt gab der Dax am
Nachmittag um 0,6 Prozent auf 24.591 Punkte nach. Bei 28.894 Punkten
hatten ihn zuvor auf dem Weg in Richtung 25.000 Punkte die Kräfte
verlassen, während die Indikatoren für die New Yorker Börsen ins
Minus rutschten.
Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten
rutschte zuletzt dann auch mit 0,4 Prozent in die Verlustzone auf
31.780 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx
stand am Nachmittag ein halbes Prozent tiefer.
Stützend wirkte zunächst, dass es vom Iran-Krieg keine neuen
Störfeuer gab. Schwache Wirtschaftssignale aus Europa nahmen die
Anleger dann noch hin. Im Verlauf allerdings zeichneten sich
Gewinnmitnahmen vor allem bei KI-bezogenen Werten im
Technologiesektor ab, wie Börsianer am Nachmittag erklärten. In
Deutschland sorgte dies dafür, dass die Infineon-Titel
abdrehten, kurz bevor sie erstmals seit 26 Jahren wieder die
70-Euro-Marke erreichten. Zuletzt schrumpfte ihr Kursgewinn auf etwa
ein Prozent.
Nach Einschätzung des Jefferies-Analysten Blayne Curtis hat Nvidia
in jeglicher Hinsicht abgeliefert. Die Aktien des amerikanischen
KI-Chipriesen können davon aber womöglich auch nicht weiter
profitieren, nachdem Vorschusslorbeeren sie unlängst auf Rekordhoch
getrieben hatten. Im vorbörslichen Handel lagen sie zuletzt knapp
mit 0,2 Prozent im Minus.
Unter die schwächsten Dax-Werte mischte sich am Nachmittag Airbus
. Marktbeobachter Andreas Lipkow von CMC Markets
führte dies auf einen Medienbericht zurück, wonach der Flugzeugbauer
Probleme haben soll bei der Auslieferung des Großraumjets A350.
Wie schon den ganzen Mai zollen die Aktien von RWE
auch am Donnerstag ihrer vorangegangenen Rally Tribut. Nachdem sie
sich seit Ende 2024 mehr als verdoppelt hatten, stufte Analyst Harry
Wyburd von der Investmentbank Exane BNP sein Votum für den
Energiekonzern auf "Neutral" ab in Erwartung einer Verschnaufpause.
Schwäche zeigten außerdem die Aktien von Südzucker .
Sie büßten am SDax-Ende 3,7 Prozent ein nach den
finalen Zahlen des Zuckerkonzerns. Wie bereits angedeutet, hatten
ein schwieriges Zuckergeschäft und hohe Abschreibungen dem
Unternehmen ein weiteres Verlustjahr eingebrockt.
Ansonsten müssen am Donnerstag die Kurse vieler Unternehmen um die
Auszahlung der Gewinnbeteiligung bereinigt werden. Ex Dividende
wurden zum Beispiel die Aktien des Chemikalienhändlers Brenntag
, der Commerzbank und des
Infrastruktur-Dienstleisters Bilfinger
gehandelt./tih/stk