ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax fester - Spekulation auf Iran-Entspannung
Der Dax hat seine anfänglichen
Kursverluste am Montag in deutliche Gewinne verwandelt. Im frühen
Handel ging der Rückschlag für den deutschen Leitindex vom
vergangenen Freitag zunächst weiter. Nach einem bis zu 0,6 Prozent
tieferen Wochenstart unter der 24.000-Punkte-Marke trieben
Spekulationen über neue Verhandlungsvorschläge im Iran-Krieg den Dax
um bis zu zwei Prozent höher. Letztlich schloss er 1,49 Prozent im
Plus mit 24.307,92 Zählern. Der MDax legte um 0,24
Prozent auf 31.440,09 Punkte zu.
"Die Nachricht über einen vorgelegten Fünf-Punkte-Plan des Iran zur
Beendigung des Krieges hat dem Dax heute einen kräftigen Turnaround
beschert", stellte Marktbeobachter Andreas Lipkow vom Broker CMC
Markets fest. Schon zuvor hätten einige Anleger die Kurse unter
24.000 Zählern im Dax für "Schnäppchenkäufe" genutzt. Trotz hoher
Ölpreise gingen die Anleger davon aus, dass sich die Situation im
Nahen Osten bald beruhigen werde. Iranischen Medien zufolge sollen
die USA dazu bereit sein, Ölsanktionen gegen den Iran vorübergehend
zu lockern.
Lipkow verwies im Dax auf bestimmte Werte als Stütze, darunter der
Chipkonzern Infineon mit einem Kursplus von 1,8
Prozent. Mit der Aktie spielten Anleger weiter das KI-Thema -
genauso wie mit dem Softwarekonzern SAP und dem
Energietechnik-Konzern Siemens Energy . Im MDax und
SDax waren mit Nordex und SMA Solar
ebenfalls zwei Unternehmen aus dem
Energietechnik-Bereich auffällig stark.
Ein Erholungsversuch bei Rheinmetall nahm nach einer
Kaufempfehlung der Citigroup mit 4,6 Prozent Plus Formen an. Die
US-Bank hält den Rücksetzer bei dem Rüstungskonzern für übertrieben,
zumal ein Friedensabkommen im Krieg zwischen der Ukraine und
Russland mit gegenseitigen Angriffen unwahrscheinlich bleibt.
Bedenken an der Finanzierung steigender Verteidigungsausgaben hat
der Experte Charles Armitage zumindest nicht in Deutschland.
Die Deutsche Börse war mit plus 4,7 Prozent ebenfalls
Teil der Dax-Spitzengruppe. Zum einen profitiert der Börsenbetreiber
vom aktuellen volatilen Marktumfeld, zum anderen steht Großaktionär
TCI im Fokus. Der britische Hedgefonds hatte seinen Anteil an der
Deutschen Börse jüngst auf mehr als fünf Prozent aufgestockt, will
Finanzkreisen zufolge aber keine aktivistische Rolle einnehmen. Vor
zwei Jahrzehnten war TCI noch auf Konfrontation mit dem Management
aus.
Schwäche zeigten im Dax dagegen die Autowerte. Die Titel von
Mercedes-Benz , BMW und Volkswagen
verloren bis zu 0,8 Prozent. Für Mollstimmung sorgte,
dass die Wirtschaft im wichtigen Absatzmarkt China im April deutlich
an Schwung verloren hat. Wichtige Konjunkturdaten enttäuschten.
Verluste verbuchten mussten auch Anleger der Commerzbank
. Hier ging es um 1,5 Prozent bergab, nachdem
Analysten von Keefe Bruyette & Woods nach gutem Lauf ihr
optimistisches Votum einkassiert hatten, das erst zwei Monate alt
war. Kursseitig kaum für Bewegung sorgte, dass das Finanzinstitut
ein Übernahmeangebot der italienischen Unicredit als
unattraktiv zurückwies.
Im MDax fielen die 5,5 Prozent höheren Sartorius-Titel
positiv auf. Bei dem Laborausrüster sorgte ein
Bericht im "Wall Street Journal" für Gesprächsstoff, wonach der
Investor Elliott beim Sartorius-Großaktionär Bio-Rad eingestiegen
ist. Damit würde ein Geflecht von Beteiligungen entstehen, weil
Elliott selbst auch bei Sartorius im Boot ist.
Delivery Hero gewannen 5,6 Prozent. Der
US-Fahrdienstleister Uber stockte seine Beteiligung
beim Essenslieferdienst kräftig auf 19,5 Prozent auf und hält zudem
weitere 5,6 Prozent in Form von Optionen.
Unter den Kleinwerten im SDax stachen Nagarro mit
einem Abschlag von 6,7 Prozent ins Auge. Die Aktien des
IT-Dienstleisters waren vor dem Wochenende nach Quartalszahlen auf
ein Rekordtief bei 39,50 Euro abgesackt, dem sie sich nun wieder
näherten. Warburg-Analyst Yannik Siering bestätigte zwar seine
Kaufempfehlung für Nagarro, senkte aber das Kursziel und bemängelte
unter anderem die Margenentwicklung im ersten Quartal.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg am Montag
um 0,36 Prozent auf 5.849,00 Punkte. In Zürich ging es ebenfalls
moderat, in London sogar deutlich aufwärts. In den USA bewegte sich
der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zum
europäischen Handelsschluss kaum, während der technologielastige
Nasdaq 100 um 0,6 Prozent nachgab./niw/he