Tourismus - Kollektivvertragsverhandlungen gehen in die nächste Runde / WKÖ-Fachverbände Gastronomie und Hotellerie boten am Montag erneut Anhebung der Mindestgehälter und -löhne um 3 Prozent an - Gewerkschaft will mehr - Dritte Gesprächsrunde am Donnerstag
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Die Fronten im Ringen um die kollektivvertraglichen Zahlungen im Tourismus scheinen weiterhin verhärtet zu sein. Die Arbeitgeberseite erneuerte am Montag ihr Angebot mit einer Anhebung der Mindestlöhne und -gehälter um durchschnittlich 3 Prozent. Die Gewerkschaft hatte in der Vergangenheit 3,8 Prozent gefordert und die angebotenen 3 Prozent bisher vehement abgelehnt. Am Donnerstag gehen die Verhandlungen in die dritte Runde. Die Stimmung ist abgekühlt.
"Wir nehmen zur Kenntnis, dass trotz laufender Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite die öffentlichen Angriffe der Gewerkschaft vida auf die gesamte Branche fortgesetzt werden", kritisierten die Obleute des Fachverbandes Gastronomie, Alois Rainer, und des Fachverbandes Hotellerie, Georg Imlauer, in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) "mediale Hetzkampagnen".
Gewerkschaft dementiert "Branchen-Bashing"
Die Wirtschaftskammer blende die Realität vieler Beschäftigter konsequent aus, konterte die Gewerkschaft vida und wies jegliches "Branchen-Bashing" von sich. Die Medien berichten den Angaben der Arbeitnehmerseite zufolge beinahe täglich über Fälle von Lohndumping, fragwürdigen Kündigungen und sozialer Unsicherheit im Tourismus. Hohe Fluktuation, häufige Übergriffe, Fälle sexueller Belästigung und zahlreiche weitere dokumentierte Verstöße gegen Arbeits- und Sozialrecht stünden in der Branche auf der Tagesordnung.
Sauer aufstoßen dürfte der Kammer auch die vor dem Wochenende rausgegangene Einladung der Gewerkschaft zu einer Pressekonferenz mit dem Titel "Tourismusboom ohne Beschäftigte: Warum dem Aushängeschild Österreichs seine Mitarbeiter:innen ausgehen", die für diesen Mittwoch angesetzt ist.
Vertrauens- und Gesprächsbasis angekratzt
Bereits vor der ersten geplanten Verhandlungsrunde habe die Gewerkschaft vida das Verhandlungsklima "mit pauschalen, populistischen Anwürfen schwer beschädigt", sodass der erste Verhandlungstermin mangels der notwendigen Vertrauens- und Gesprächsbasis von der Arbeitgeberseite abgesagt werden habe müssen, so die WKÖ.
Mittlerweile wurden zwei Gesprächsrunden erfolglos beendet - seit über einem Monat liegen die KV-Verhandlungen auf Eis. Zuletzt hatten die Arbeitgeber auf ein Gehaltsplus von 3 Prozent beharrt, sich aber bei der Gewichtung der Lohngruppen gesprächsbereit gezeigt. Die Gewerkschaft will eine reale Lohnerhöhung über der Teuerungsrate, zwölf garantierte freie Sonntage pro Jahr und eine bezahlte Mittagspause. Die dritte Verhandlungsrunde startet am Donnerstag.
Steigende Nächtigungszahlen, vermeintliche Umsatzzuwächse und eine stabile Auslastung bedeuten laut Arbeitgeberseite "nicht automatisch wirtschaftliches Wachstum". Bereinigt um die Inflation, stünden die realen Umsätze unter Druck bzw. seien teilweise rückläufig. Gestiegene Kosten für Energie, Lebensmittel und Beschäftigte sowie die fehlende Preisdurchsetzung führten zu "sinkenden oder stagnierenden Betriebsergebnissen", hieß es seitens der Wirtschaftskammer.
Gastro unter Vor-Corona-Niveau
Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung in der Gastronomie. Dort liegt die Gästefrequenz laut WKÖ "nach wie vor unter dem Vor-Pandemie-Niveau". Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien angespannt und das Konsumverhalten zurückhaltend.
"Alle Kostensteigerungen, die von den Arbeitgebern angeführt werden, gelten für das Personal selbst umso mehr - trotzdem würde das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite im Schnitt weniger als 70 Euro brutto pro Monat bringen", hielt die Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und KV-Chefverhandlerin Eva Eberhart fest. "Das ist angesichts der Teuerung schlicht zu wenig." Wer arbeite, müsse von seinem Einkommen leben können.
Beide Seiten leiden unter Preisauftrieb
Die Preissteigerungen bei Mieten, Energie, Lebensmitteln und Treibstoff träfen Beschäftigte besonders hart. Besonders drastisch sei die Situation bei niedrigen Einkommen. "Trotz Vollzeitarbeit reicht das Einkommen oft nicht für ein bescheidenes Leben", so Eberhart. Drei Lohngruppen im Kollektivvertrag (KV) lägen unter den staatlich anerkannten Referenzbudgets der Schuldenberatungen für das notwendige Nettoeinkommen für einen bescheidenen Einpersonenhaushalt: 1.878 Euro pro Monat.
Übers Jahr sind in der Gastronomie und der Hotellerie zwischen 200.000 und 240.000 Menschen nach Kollektivvertrag in rund 65.000 Betrieben beschäftigt. Die Einstiegsgehälter variieren leicht je nach Bundesland, in Wiener Hotels und Kaffeehäusern werden monatlich 2.264 Euro brutto bezahlt. Der Mindestlohn für Hilfskräfte ist in allen Bundesländern mit 2.026 Euro brutto gleich.
kre/cri/bel
ISIN
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