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ROUNDUP: Evonik sieht Geschäftsbelebung - Aber eventuell nur vorübergehend

Der Chemiekonzern Evonik blickt trotz einer Geschäftsbelebung eher vorsichtig auf den weiteren Jahresverlauf. Aktuell spürt der Spezialchemiekonzern, wie andere europäische Unternehmen der Branche auch, zwar indirekten Rückenwind durch den Iran-Krieg, ob diese Belebung von Dauer ist, bleibt aber offen. Das Jahresgewinnziel bestätigte das Unternehmen bei der Zahlenvorlage am Freitag indes.

Die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran ließ die Preise für Rohöl und Gas - wichtige Grund- und Prozessstoffe der chemischen Industrie - deutlich steigen. Da viele Länder Asiens Öl und Gas aus der Golfregion beziehen, drohen dort zudem Versorgungsengpässe. Chemiekonzerne, vor allem außerhalb Asiens, profitierten davon zuletzt und konnten ihre Verkaufspreise teils deutlich erhöhen. Bis diese Preiserhöhungen greifen, dauert es aber etwas.

Infolge des Iran-Krieges habe seit März der Absatz in einigen Geschäftsbereichen - vermutlich wegen Vorratskäufen - angezogen, hieß es von Evonik nun. Das gelte etwa für Hochleistungskunststoffe, Additive für Schmierstoffe und für sogenannte Crosslinker. Diese Vernetzer erhöhen die Stabilität und Lebensdauer von Verbundwerkstoffen, aus denen etwa Rotoren für Windkraftanlagen gebaut werden.

Und auch die Verkaufspreise für das Tierfutter-Eiweiß Methionin, einem wichtigen Produkt von Evonik, entwickelten sich zuletzt gut. Das überrascht allerdings nicht, da die Handelseinschränkungen in Nahost zu Engpässen bei Schwefel in Asien führten - einem Stoff, der zur Herstellung verwendet wird.

Alles in allem dürften diese für Evonik positiven Entwicklungen zumindest vorerst andauern, weshalb sich das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) laut Konzernangaben im zweiten Quartal auf mindestens 550 Millionen Euro erholen dürfte.

Allerdings könnte das zweite Quartal auch das stärkste des Jahres werden, "da in der zweiten Jahreshälfte höhere Inflationsraten Konsum und Investitionen beeinträchtigen könnten. Auch Kosten für Energie und Rohstoffe werden voraussichtlich höher ausfallen als ursprünglich angenommen." Das Jahresgewinnziel bestätigte das Unternehmen indes.

So peilt Evonik-Chef Christian Kullmann 2026 ein operatives Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an. Für Analystin Georgina Fraser von Goldman Sachs ist die Vorsicht des Konzerns angemessen, sie schaffe mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf sogar Luft für eine dann womöglich optimistischere Einschätzung.

Im ersten Quartal sank der Umsatz im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 3,43 Milliarden Euro, wie Evonik weiter mitteilte. Der operative Gewinn fiel um 15 Prozent auf 475 Millionen Euro, übertraf damit aber die durchschnittliche Analystenschätzung. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss knickte um fast die Hälfte auf 125 Millionen Euro ein. Analystin Helena Xu vom Investmenthaus Jefferies sprach in einer ersten Reaktion von starken Geschäftszahlen und einer guten Geschäftsdynamik.

An der Börse zeichneten sich am Morgen zunächst aber eher moderate Gewinne ab. Der Kurs legte auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um 0,9 Prozent auf 17,20 Euro zu. An den Vortagen hatte das Papier ein gutes Stück weit zurückgesetzt, nachdem es zuvor mit 18,25 Euro ein Hoch seit Mitte 2025 erklommen hatte. Rückenwind bei der Kurserholung hatten die Hoffnungen auf bessere Geschäfte im Zuge des Iran-Kriegs geliefert./mis/lew/jha/

 ISIN  DE000EVNK013

AXC0096 2026-05-08/08:56

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