OMV-Chef gegen Preiseingriffe: "Uns fehlen einfach Produktmengen" / Ausnahmesituation durch Iran-Krieg - Wenig Hoffnung auf rasche Normalisierung: "Nostalgie ist keine Strategie" - OMV-Quartalsgewinn gesunken
--------------------------------------------------------------------- AKTUALISIERUNGS-HINWEIS Neu: Nach Gespräch mit OMV-Chef Stern zur Gänze neu geschrieben. ---------------------------------------------------------------------
OMV-Chef Stern warnt vor staatlichen Eingriffen in die Preisgestaltung an den Tankstellen. "Uns fehlen einfach Produktmengen", verwies Stern am Donnerstag im Gespräch mit der APA auf die aktuelle Ausnahmesituation durch den Iran-Krieg. Die Situation sei grundlegend anders als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. "Damals haben das russische Öl und die Ölprodukte nie den globalen Markt verlassen." Der operative Gewinn der OMV im 1. Quartal sank auf 1,025 Mrd. Euro.
Im Zentrum der globalen Entwicklungen stehe die andauernde Sperre der Straße von Hormuz, sagte der OMV-Chef. Anders als im Fall der Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges würden nun tatsächliche Mengen auf dem globalen Markt fehlen, was in anderen Weltregionen bereits zu massiven Einschränkungen bis hin zu Homeoffice-Verordnungen geführt habe. "Die Hoffnung, dass wenn an einem Tag die Straße von Hormuz öffnet, alles wieder normal ist", hat Stern nicht: "Nostalgie ist keine Strategie." Die Verschiebung der Märkte sei so massiv, "dass es Monate dauern wird, bis sich das ausgeglichen hat."
Preis als Kommunikationsmittel
In diesem Umfeld sei ein hoher Preis "ein Signal, dass wir eine Knappheit eines Produkts haben" und diene als "mächtiges Kommunikationsmittel", erklärte Stern. Nehme man dieses Signal durch staatliche Eingriffe weg, verschärfe sich die Situation weiter. Das zeige sich auch an den Verkaufszahlen: Während weltweit Mangel herrsche, seien die Verkaufsmengen der OMV an den Tankstellen sogar um 8 Prozent gestiegen.
Den Vorwurf, die von der Regierung verordnete Spritpreisbremse nicht umzusetzen, wies Stern vehement zurück. "An unseren Tankstellen hat jeder Kunde jederzeit immer diese fünf Cent bekommen", bekräftigte der Konzernchef. Da Österreich bei Diesel jedoch auf eine Importquote von knapp 60 Prozent angewiesen sei, lasse sich der Preisnachlass bei Zukäufen aus dem Ausland schlichtweg nicht erzwingen. Internationale Händler würden auf ihren Preisen bestehen.
"In Hochphasen Geld verdienen"
Generell warnte Stern vor Eingriffen in das stark zyklische Raffineriegeschäft. "Zyklische Industrien muss man managen, indem man in den Hochphasen Geld verdient, damit man dann durch die Talphasen durchkommt", sagte der CEO und fügte hinzu: "Es hat bei der OMV in den Jahren 2020 und 2021 keiner angerufen und hat Unterstützung angeboten." In den vergangenen zehn Jahren seien in Europa über 25 Raffinerien geschlossen worden, weil das wirtschaftliche Umfeld zu schlecht sei. Weitere Markteingriffe würden laut Stern unweigerlich dazu führen, "dass weitere Kapazitäten aus dem Markt kommen und damit die Abhängigkeit Europas von Importen noch mehr zunimmt".
Trotz der gestiegenen Absatzmengen verzeichnete die OMV im Tankstellengeschäft im ersten Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang. Die Verkaufsmengen an den europäischen Zapfsäulen legten im Jahresvergleich zwar um 4 Prozent auf 1,32 Millionen Tonnen zu, deutlich niedrigere Kraftstoffmargen belasteten jedoch das Ergebnis. Das Unternehmen begründete den Margendruck mit den infolge des Iran-Krieges gestiegenen Notierungen für Mineralölprodukte.
Quartalsgewinn rückläufig
Die geopolitische Lage spiegelte sich insgesamt in den Unternehmensergebnissen der OMV wider. Das um Lagereffekte bereinigte Operative Ergebnis vor Sondereffekten (Clean CCS) sank im ersten Quartal im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 1,025 Mrd. Euro. Die Produktion von Öl und Gas verringerte sich aufgrund des Iran-Krieges und natürlicher Förderrückgänge um 7 Prozent auf 288.000 Fass pro Tag (boe/d). Der unbereinigte Periodenüberschuss kletterte hingegen von 288 Mio. auf 1,645 Mrd. Euro. Dieser massive Anstieg resultierte aber primär aus einem Ertrag von 886 Mio. Euro durch die Dekonsolidierung der Borealis-Gruppe im Zuge der Fusion zur neuen Borouge International.
Hinsichtlich der künftigen Dividende betonte Stern, dass die Ausschüttungspolitik an den starken operativen Cashflow gebunden bleibe. Künftig werde man "vom OMV-Kerngeschäft 20 bis 30 Prozent des operativen Cashflows ausschütten, plus 50 Prozent der Dividende, die die OMV von Borouge International bekommt". Aufgrund der unsicheren Marktlage rechnet die OMV nun für dieses Jahr mit einem durchschnittlichen Brent-Rohölpreis zwischen 85 und 95 US-Dollar.
ivn/hel
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