Der deutsche Aktienmarkt hat am
Dienstagnachmittag nachgegeben. Der Dax sank unter
die stark beachtete Marke von 24.000 Punkten und notierte zuletzt
0,6 Prozent tiefer bei 23.934 Zählern. Der MDax
verlor 1,1 Prozent auf 30.043 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex
EuroStoxx 50 ging es um 0,5 Prozent abwärts.
"Am deutschen Aktienmarkt herrscht derzeit ein ausgeprägtes Patt
zwischen Bullen und Bären. Die Marktteilnehmer wechseln sich fast im
Stundentakt zwischen Kaufbereitschaft und Gewinnmitnahmen ab",
beobachtete Marktexperte Timo Emden. Auch geopolitisch bleibe die
Lage angespannt und weitgehend festgefahren: "Der Iran-Konflikt
wirkt zunehmend blockiert, ohne dass sich kurzfristig eine
Deeskalation oder weitere Eskalationsstufe klar abzeichnet", so
Emden.
Angesichts weiterhin hoher Ölpreise halten die aktuellen Konjunktur-
und Inflationssorgen an. Insofern sind die Zinsentscheidungen in
Japan, Europa und den USA in dieser Woche von besonderem Interesse.
In Japan blieb der Leitzins unverändert, wie die Bank of Japan am
Morgen mitteilte. Am Mittwoch folgt die US-Notenbank (Fed). Für
Donnerstag stehen die Entscheidungen der EZB und der Bank of England
auf der Agenda. "Suchen dürften die Anleger nach Hinweisen, ob die
bislang abwartende Haltung vieler Notenbanken beibehalten wird oder
ob Zinserhöhungen für eine der nächsten Sitzungen signalisiert
werden", schrieb Commerzbank-Experte Alexander Krämer.
Eine Senkung der Jahresziele von Qiagen setzte die
Papiere des Labordienstleisters und Diagnostikanbieters als
Dax-Schlusslicht mit minus 6,3 Prozent massiv unter Druck. 2026
haben sie damit schon gut 20 Prozent verloren. Ein Händler warnte am
Morgen vor weiteren Verlusten trotz des bereits niedrigen
Kursniveaus, da das Wachstum nahezu vollständig abhandengekommen
sei. Im ersten Quartal war der Umsatz um ein Prozent gesunken.
Die Aktien von Bayer reagierten mit einem
Kursrückgang von 3,1 Prozent auf eine Anhörung vor dem obersten
US-Gericht im Verfahren um milliardenschwere
US-Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten. Damit zehrten sie ihr mageres
Kursplus im bisherigen Jahresverlauf nahezu komplett auf. Eine
Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall "Durnell" wird für
Ende Juni erwartet. Bayer macht sich Hoffnung, dass ein positives
Grundsatzurteil dabei helfen könnte, das teure Thema in absehbarer
Zeit abschließen zu können. Während der Markt die Anhörung negativ
sieht, war der Tenor unter Experten bislang neutral bis positiv.
Die Titel der Deutschen Börse legten nach
Quartalszahlen und bestätigten Jahreszielen um 0,4 Prozent zu. Der
Börsenbetreiber verdiente im ersten Jahresviertel dank guter
Geschäfte rund um Finanzmarkt-Produkte deutlich mehr. Finanzchef
Jens Schulte sieht den Konzern damit "voll auf Kurs", die
Jahresziele für 2026 zu erreichen. Die höhere Ergebnisdynamik dürfte
sich fortsetzen, schrieb Analyst Roland Pfänder von der
Investmentbank Oddo BHF. Die Resultate hätten die Erwartungen
übertroffen.
Pläne von Salzgitter zum Verkauf eigener Aktien,
ließen die Papiere des Stahlkonzerns als klar schwächsten Wert im
MDax um mehr als 9 Prozent einbrechen. Ziel der Maßnahme sei es, den
Streubesitz zu erhöhen - ein eigentlich positives Anliegen. In
Gesprächen mit Investoren sei wiederholt deutlich geworden, dass die
Liquidität der Aktie insbesondere von größeren Investoren als
Hemmnis für ein Engagement wahrgenommen werde, teilte Salzgitter
mit. Aktuell beträgt der Streubesitz von Salzgitter etwas mehr als
34 Prozent.
Die Aktien von Init Innovation sprangen nach einem
Großauftrag um 12,5 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als
sechs Monaten. Wie der IT-Dienstleister für den öffentlichen
Personenverkehr mitteilte, erhielt er von der zentralen
Verkehrsbehörde des australischen Bundesstaates New South Wales den
Auftrag für die Modernisierung der Fahrkartensysteme des Sydney
Opal-Netzwerks. Die Behörde schätze das Auftragsvolumen auf
umgerechnet rund 377 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn
Jahren, hieß es weiter.
Die Papiere von Henkel fielen - rein optisch - um
1,12 Euro auf 62,92 Euro. Sie werden am Dienstag mit einem
Dividendenabschlag von 2,07 Euro je Aktie gehandelt./edh/jha/