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Linz Textil trotzt Umsatzminus mit Innovation und Nachhaltigkeit / Von 68,8 auf 65,3 Mio. Euro - Ebit von 2,9 auf 0,9 Mio. Euro - Eigenkapitalquote 85,5 Prozent - neue pflanzliche Sportfaser in Entwicklung

Die Linz Textil Holding AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 65,3 (2024:68,8) Mio. Euro erzielt, auch das Ebit schrumpfte um rund 2 Mio. Euro auf 0,9 (2024: 2,9) Mio Euro. Stärke demonstriere der operative Cash Flow von 10,6 (2024:6,3) Mio. Euro, "Rückgrat ist die hohe Eigenkapitalquote"von 85,5 Prozent, betonte Finanzvorständin Eveline Jungwirth in einer Pressekonferenz am Freitag. Dem schwierigen Markt will man mit Innovation und Nachhaltigkeit trotzen.

Der Umsatz kam zu 55 Prozent aus dem Segment Textile Fertigfabrikate, sprich von der Firma Vossen, 45 Prozent steuerte der Bereich Halbfabrikate (Spinnereien und Weberei) bei. In der Viskose-Spinnerei in Klanjec (Kroatien) wurden neue Spinntechnologien eingeführt, in der Weberei in Linz der Einsatz von Recyclingmaterialien weiter forciert. Linz Textil wirke den Rückgängen im Textilbereich mit einem neuen Focus auf weniger preissensitive Segmente entgegen. Indem man hier eine Vorreiterrolle einnehme, hebe man sich vom asiatischen Mitbewerb ab, erklärte der Vorstandsvorsitzende Kai Seesemann.

Pflanzliche Faser für Sportfunktionskleidung

"Wir haben etwas geschaffen, das Innovation und Nachhaltigkeit vereint", kündigte Seesemann an. Es sei in Kooperation mit Lenzing gelungen, in eine natürliche Modalfaser Keramik einzubauen, sodass das Material Wärme leitet und isoliert. Seesemann sprach von einer "Gedankenwende" bei nachhaltiger Sportbekleidung. Strickerei und Marken würden noch heuer mit "Bioncera" beliefert, 2027 könnte bereits daraus hergestellte Kleidung im Geschäft liegen. Auch flammhemmende und hoch reißfeste Gewebekonstrukte für Berufsbekleidung und Stoffe werden in Linz hergestellt.

Linz Textil habe vollständig recycelte Garne im Sortiment, die auch eingesetzt werden. Mit einem großen Partner plane man komplett recycelbare Berufskleidung im Krankenhaus/Pflegebereich. Mit dem eigenen Unternehmen Vossen will man im Bereich Handtuch "einen kompletten Nachhaltigkeitskreislauf" entwickeln. 2027 solle es so weit sein, Details nannte Seesemann noch keine. Generell kann er sich vorstellen, Alttextilien aus den Sammelstellen wiederzuverwenden, "Fast Fashion-Abfälle aufarbeiten und dem Kreislauf wieder zuführen". Nicht nur im Bekleidungsbereich wird geforscht: Getestet wird auch ein karbonisiertes Viskosegewebe, über das man Wärme in den Raum bringe. Je fünf Mitarbeitende bei Vossen und im Bereich Halbfabrikate sind ganz auf Forschung und Entwicklung konzentriert, mehrere am Prozess beteiligt.

Online als Wachstumstreiber bei Vossen

Bei Vossen habe der Onlinebereich als Wachstumstreiber die Stagnation im stationären Handel kompensiert. Mit Lizenzmarken wie bereits mit "The Peanuts" und Kooperationen, etwa mit Fernsehköchin Silvia Schneider als Gesicht der neuen Küchenkollektion, will man über den deutschsprachigen Markt hinaus und in neue Segmente expandieren.

Die Strategie und Prioritäten für das laufende Jahr umriss Jungwirth mit Investition in die Wettbewerbsfähigkeit, Erschließung neuer Branchen und dem Ausbau des Online-Geschäfts. Seesemann, der seit Jahresbeginn Vorstandssprecher ist, betonte, dass die europäische Textilindustrie sich einig sei, "dass es nicht ohne Kollaboration und Austausch geht. Wir verstehen uns als Netzwerker und Anbieter von Plattformen, gemeinsam Produkte zu entwickeln". Der neue Geschäftsführer Vertrieb, Carl Mrusek, sei ein Profi und er selbst seit 30 Jahren in der Branche. "Ich war immer Krisenmanager, kenne die Herausforderung des Marktes", so Seesemann. "Ich sehe uns sehr gut gewappnet, dem Gegenwind, den die Branche momentan hat, entgegenzutreten, Türen in neue Bereiche zu öffnen", geht er von einer Umsatzsteigerung in diesem Jahr aus.

Basisdividende von 4 Euro je Aktie

Ausbezahlt werden soll auf Vorschlag des Vorstands - wie schon 2024 - die Basisdividende von 4 Euro je Aktie, also insgesamt 1,2 Mio. Euro. Investiert wurden im Vorjahr 3,4 (2024: 2,5) Mio. Euro, davon rund 2,2 Mio. Euro in den Bereich Halbfabrikate. Die Mitarbeitendenanzahl ist leicht auf 389 (2024:399) gesunken, vor der Strukturanpassung 2023 waren es 427, derzeit sah Jungwirth keine Kündigungen. Rund 40 Prozent der Beschäftigten sind in der Produktion tätig, 60 Prozent Angestellte. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) arbeiten in Österreich. Der Frauenanteil liege bei 58 Prozent in der Belegschaft.

inn/hel

 ISIN  AT0000723606
 WEB   http://www.linz-textil.at

Relevante Links: Linz Textil Holding Aktiengesellschaft

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