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Hisbollah: Endet Waffenruhe, wird Krieg weitergeführt

Die proiranische Hisbollah-Miliz spricht Vertretern der libanesischen Regierung das Recht ab, mit Israel Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe zu führen. "Die libanesischen Behörden treten in Verhandlungen, ohne irgendein Druckmittel zu haben", sagte der hochrangige Hisbollah-Funktionär Mahmud Komati lokalen Fernsehsendern. Direkte Verhandlungen bedeuteten die Anerkennung eines Feindes, "der unsere Menschen tötet". Das Ziel Israels bestehe darin, der Hisbollah die Waffen zu nehmen.

"Wir haben beschlossen, nicht wieder in eine Situation zurückzukehren, in der wir angegriffen werden, ohne zu reagieren", sagte Komati, Mitglied des Politbüros der Hisbollah, weiter. Unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen werde man eine weitere "Besatzung" Israels im Südlibanon nicht akzeptieren. "Endet die Waffenruhe, wird der Krieg ohne zeitliche Begrenzung weitergeführt."

Derzeit gilt zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe. Die libanesische Regierung, die selbst keine Kriegspartei ist, will, dass die am vergangenen Freitag in Kraft getretene zehntägige Waffenruhe in eine dauerhafte Beilegung der Kämpfe mündet. Zudem will sie einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Südlibanon erreichen. Israel strebt ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah an.

Trump will Vertreter Libanons und Israels begrüßen

Am späten Abend waren in Washington erneut Gespräche zwischen der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, sowie dem israelischen Vertreter in Washington, Jechiel Leiter, geplant. US-Präsident Donald Trump wollte die Vertreter bei ihrer Ankunft im Weißen Haus begrüßen. Die beiden Vertreter hatten sich bereits in der vergangenen Woche getroffen. Es waren die ersten direkten Gespräche von Repräsentanten der beiden verfeindeten Länder seit Jahrzehnten.

Seit Beginn der Waffenruhe gibt es aber immer wieder gewaltsame Vorfälle im Libanon. In der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung heißt es, Israel solle zwar "offensive" Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen. Das Land darf sich demnach aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen.

Israel hat im Südlibanon nach eigenen Angaben eine sogenannte Sicherheitszone eingerichtet, die zum Schutz der nordisraelischen Ortschaften vor Hisbollah-Angriffen dienen solle. Die libanesische Führung spricht dagegen von einer Besatzung ihres Staatsgebiets./hme/DP/he

AXC0330 2026-04-23/23:29

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