ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Lage im Iran-Konflikt bremst EuroStoxx weiter
Die europäischen Aktienmärkte haben
am Donnerstag überwiegend etwas nachgegeben. Die anhaltend hohen
Ölpreise und die unklare Lage im Iran-Konflikt behielten die
Oberhand in den Köpfen der Anleger, die derzeit den US-Börsen den
Vorzug geben.
Der EuroStoxx war in Europa unter den Verlierern. Im
Verlauf erreichte der Eurozonen-Leitindex den tiefsten Stand seit
zwei Wochen, konnte seine Verluste zum Ende hin aber reduzieren. Er
ging 0,19 Prozent tiefer bei 5.894,73 Punkten aus dem Handel.
Außerhalb des Euroraums gab der britische FTSE 100
auch um 0,19 Prozent auf 10.457,01 Punkte nach. In Zürich jedoch sah
es besser aus: Der SMI zog dort gestützt auf
Kursgewinne einiger Schwergewichte um 1,38 Prozent auf 13.248,06
Punkte an.
Viele Anleger bleiben wegen des Ausbleibens von neuen Verhandlungen
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verunsichert.
US-Präsident Donald Trump hat zuletzt den Druck auf den Gegner
erhöht und gibt ihm Berichten zufolge nur noch wenige Tage Zeit für
einen Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Ein Warnsignal für
potenzielle Auswirkungen lieferte der Einkaufsmanagerindex für die
Eurozone, der im April unter die Wachstumsschwelle von 50 gesunken
war.
Bei den Einzelwerten brachten Quartalszahlen in einigen Fällen
jedoch die Kurse in Schwung. Zu den Gewinnern gehörten dabei vor
allem die Nahrungs- und Getränkewerte, wobei Nestle
als SMI -Schwergewicht mit einem Kurssprung um 5,9
Prozent Akzente setzte. Der Nahrungsmittel-Hersteller hatte mit
seinen Wachstumszahlen zum ersten Quartal die Erwartungen klar
übertroffen.
Dicht auf den Fersen war der Telekomsektor, der von einem
Nokia-Kurssprung um 6,4 Prozent profitierte. Die
Titel des Branchenausrüsters reagierten damit auf ein starkes erstes
Quartal. Janardan Menon von Jefferies verwies auf die Bruttomarge,
die deutlich besser als erwartet ausgefallen sei. Im Sektor kamen
außerdem die Resultate von Orange gut an, die Titel
legten um 3,3 Prozent zu.
Die Spitze im EuroStoxx gehörte aber L'Oreal mit
einem Kurssprung um neun Prozent. Der französische Kosmetikkonzern
war im ersten Quartal stärker als erwartet gewachsen. Der
Barclays-Analyst Warren Ackerman kommentierte, am Kosmetikmarkt gebe
es keine Anzeichen einer Verlangsamung. L'Oreal sei ein klarer
Gewinner im Bereich der Basiskonsumgüter.
Stärke zeigten außerdem noch Aktien aus dem Chipsektor, die neben
US-Rückwind von Texas Instruments auch von starken
Resultaten des französischen Herstellers STMicroelectronics
profitierten. Eine berichtete Erholung der Nachfrage
hievte den Kurs in Paris mit mehr als 14 Prozent ins Plus.
Dem gegenüber standen im Technologiesektor aber nachgebende
Software-Aktien. In der Branche flammten die KI-Sorgen nach
aktuellen Resultaten, die aus den USA von ServiceNow gekommen waren,
wieder auf. Von SAP wird am Abend der Quartalsbericht
erwartet. Vor diesem waren die Titel der Walldorfer im EuroStoxx das
Schlusslicht.
Etwas gemäßigter ging es im Pharmasektor bei Sanofi
mit plus 1,2 Prozent zu. Der Pharmakonzern war zum Jahresstart dank
seines Kassenschlagers Dupixent, neuer Medikamente und Übernahmen
überraschend kräftig gewachsen. Besser entwickelten sich in der
Schweiz die Roche -Titel, die nach Resultaten um 3,8
Prozent zulegten. Auch ABB waren in Zürich mit einer
fortgesetzten Rally eine Stütze.
Enttäuscht fiel dagegen die Reaktion bei EssilorLuxottica
aus. Die Titel des Brillen- und Luxusgüterkonzerns
sanken nach Umsatzzahlen zum ersten Quartal um 4,8 Prozent. Der
jüngste Ausverkauf, den Chiara Battistini von JPMorgan mit Sorgen
vor neuem Wettbewerb begründete, ging damit in die nächste
Runde./tih/he