Wiener Börse (Nachmittag) - Ukraine-Friedenshoffnungen stützen ATX / Ukraine-Verhandler sprach gegenüber "Bloomberg" von Fortschritten - Nahost-Verhandlungen auch im Fokus - Rosenbauer-Zahlen und Analystenstudien im Fokus
Der Wiener Aktienmarkt hat am Freitag an die Erholungsrally zur Wochenmitte angeknüpft. Nachdem am Mittwoch die Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den USA, Israel und dem Iran einen Kurssprung ausgelöst hatte, kamen zum Wochenausklang Hoffnungen auf Fortschritte in den Verhandlungen im Ukraine-Krieg hinzu. Ein führender ukrainischer Verhandlungsvertreter äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg optimistisch zu den Gesprächen.
Vor diesem Hintergrund stieg der ATX bis zum frühen Nachmittag um 2,50 Prozent auf 5.797 Punkte. Für die verkürzte Osterwoche deutet sich damit ein kräftiges Plus von 6,2 Prozent an. Die seit Beginn des Iran-Kriegs verzeichneten Verluste sind inzwischen vollständig aufgeholt. Für den ATX Prime ging es am Freitag um 2,46 Prozent auf 2.869 Zähler nach oben. Im europäischen Umfeld fielen die Zuwächse etwas moderater aus.
Wie "Bloomberg" berichtete, sieht Kyrylo Budanow, der führende ukrainische Verhandlungsvertreter gegenüber Russland, Fortschritte in Richtung eines möglichen Friedensabkommens mit dem Kreml. In dem Interview, das bereits am 4. April geführt worden war, zeigte er sich zuversichtlich, dass eine Beilegung des Krieges nicht mehr lange auf sich warten lassen könnte.
Als weiterer Krisenherd bleibt der Nahe Osten im Fokus. Obwohl die Waffenruhe fragil bleibt, kommt bisher kein neuer Druck durch die Ölpreise auf, die aktuell der zentrale Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt sind. Am Wochenende sollen in Pakistan Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA stattfinden. Marktbeobachter verwiesen zudem auf Entspannungssignale zwischen Israel und dem Libanon, auch wenn die Lage insgesamt angespannt bleibt.
Gesucht waren am Wiener Aktienmarkt Werte, die von einem Wiederaufbau in der Ukraine profitieren könnten. RBI zogen an der ATX-Spitze um 7,1 Prozent an, während voestalpine, Erste Group und Wienerberger zwischen 3,8 und 6,3 Prozent gewannen.
Einzige Verlierer im ATX waren die OMV-Aktien, die 2,6 Prozent auf 59,00 Euro einbüßten. Die kanadische Bank RBC behielt ihr "Underperform"-Rating und ihr Kursziel von 60 Euro für die Aktien des Ölkonzerns bei. Zudem kürzte Berenberg ihr Kursziel für die Papiere leicht von 56,00 auf 55,00 Euro. Das Anlagevotum "Hold" wurde von Analyst Henry Tarr unverändert beibehalten.
Neben Analystenkommentaren rückte bei der OMV auch eine Personalentscheidung in den Fokus. So wurde die Irin Emma Delaney als neue CEO des Ölkonzerns vorgeschlagen.
Außerhalb des Leitindex zogen Rosenbauer nach Zahlen um 6,7 Prozent hoch. Ein hoher Auftragsbestand und steigende Umsätze haben dem Feuerwehrausrüster im Vorjahr zu deutlich mehr Gewinn verholfen.
Im Telekomsektor notierten Telekom Austria 2,8 Prozent fester bei 9,57 Euro. Erste-Analystin Nora Varga-Nagy stufte die Aktien im Zuge einer Sektorstudie von "Hold" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 10,3 auf 12 Euro an. Hier gebe es Potenzial für eine größere Fusion oder Übernahme und/oder eine einmalige Dividende, meint die Analystin.
Für EuroTeleSites setzte die Erste-Expertin hingegen ihr Kursziel von 5,90 auf 5,35 Euro herab, hielt aber ihre "Accumulate"-Empfehlung bei. EuroTeleSites standen unverändert bei 4,52 Euro.
Um knapp zwölf Prozent auf 27,50 Euro nach oben ging es für die Addiko-Aktien. Nachdem die RBI ein Übernahmeangebot vorgelegt hatte, zog die slowenische Bank NLB nach. Sie kündigte am Donnerstagabend ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 29,00 Euro je Aktie in bar an.
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