Wiener Börse (Mittag) - Ukraine-Friedenshoffnungen stützen ATX / Ukraine-Verhandler sprach gegenüber "Bloomberg" von Fortschritten - Nahost-Verhandlungen auch im Fokus - Analystenstudien zu OMV und Telekomaktien
Der Wiener Aktienmarkt hat am Freitag zugelegt. Damit knüpften die heimischen Börsenbarometer an ihre kräftigen Erholungsgewinne vom Mittwoch an, als die USA und Iran einen Waffenstillstand angekündigt hatten. Stützend hinzu kamen zum Wochenausklang Hoffnungen auf Fortschritte in den Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg.
Kurz nach Mittag stand der ATX um 1,73 Prozent im Plus auf 5.753,56 Punkten. Für die verkürzte Osterwoche deutet sich so ein starker Aufschlag von 5,4 Prozent an. Für den ATX Prime ging es um 1,75 Prozent auf 2.848,82 Zähler hinauf. Verhaltener war das Geschäft im europäischen Umfeld.
Wie "Bloomberg" berichtete, erklärte Kyrylo Budanow, der oberste Verhandlungsführer der Ukraine gegenüber Russland, dass er Fortschritte in Richtung eines möglichen Friedensabkommens mit dem Kreml sehe. In dem Interview, das jedoch bereits am 4. April geführt worden war, fügte Budanow hinzu, dass eine Beilegung des Krieges möglicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen werde.
Als weiterer Krisenherd bleibt der Nahe Osten im Fokus. Obwohl die Waffenruhe fragil bleibt, kommt bisher kein neuer Druck durch die Ölpreise auf, die aktuell der zentrale Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt sind. Am Wochenende sollen in Pakistan Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA stattfinden. Die Marktstrategen der Deutschen Bank verwiesen zudem auf angekündigte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sowie die Meldung des US-Präsidenten Donald Trump, dass Israel seine Angriffe auf den Libanon einstellen werde. "Das ist von Bedeutung, da der Libanon bisher ein potenzielles Haupthindernis für den Waffenstillstand war", so die Experten.
Davor richten sich die Blicke auf Verbraucherpreisdaten aus den USA. Wegen der höheren Benzinpreise ist mit einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate für März zu rechnen.
Gesucht waren am Wiener Aktienmarkt Aktien mit Bezug zu Russland und der Ukraine beziehungsweise Werte, die von einem Wiederaufbau profitieren könnten. RBI zogen um 6,3 Prozent an und Wienerberger gewannen 4,2 Prozent.
Rosenbauer zogen nach Zahlen um 6,3 Prozent hoch. Ein hoher Auftragsbestand und steigende Umsätze haben dem Feuerwehrausrüster im Vorjahr zu deutlich mehr Gewinn verholfen. Das Periodenergebnis stieg um 82,2 Prozent auf 54,3 Mio. Euro, der Gewinn vor Steuern verdoppelte sich von 26,3 Mio. Euro auf 54,7 Mio. Euro.
Ansonsten lieferte eine Reihe an Analystenstudien neue Impulse. OMV fielen um 1,4 Prozent auf 59,70 Euro. Die kanadische Bank RBC behielt ihr "Underperform"-Rating und ihr Kursziel von 60 Euro für die Aktien des Ölkonzerns bei. Zudem kürzte Berenberg ihr Kursziel für die Papiere leicht von 56,00 auf 55,00 Euro. Das Anlagevotum "Hold" wurde von Analyst Henry Tarr unverändert beibehalten.
Im Telekomsektor notierten Telekom Austria 1,6 Prozent fester bei 9,46 Euro. Erste-Analystin Nora Varga-Nagy stufte die Aktien im Zuge einer Sektorstudie von "Hold" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 10,3 auf 12 Euro an. Für EuroTeleSites setzte die Erste-Expertin hingegen ihr Kursziel von 5,90 auf 5,35 Euro herab, hielt aber ihre "Accumulate"-Empfehlung bei. EuroTeleSites standen unverändert bei 4,52 Euro. Sie bleibe weitgehend optimistisch für die Branche, schrieb die Expertin. Bei der Telekom Austria bestehe zudem Potenzial für eine größere Fusion oder Übernahme und/oder eine einmalige Dividende für die Aktie.
Weiter im Blick der Investoren stehen auch die Addiko-Aktien. Nachdem die RBI ein Übernahmeangebot vorgelegt hatte, zog die slowenische Bank NLB nach. Sie kündigte am Donnerstagabend ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 29,00 Euro je Aktie in bar an. Am Donnerstag hatten die Titel bei 24,60 Euro geschlossen.
spa/rst
ISIN AT0000999982