AKTIEN IM FOKUS 2: Kriegsverlierer gefragt mit Waffenruhe - Ölsektor unter Druck
(neu: Aktualisiert mit mehr Details und Werten.)
FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die großen Kursverlierer des
Kriegs im Nahen Osten sind mit der vereinbarten Waffenruhe am
Mittwoch die größten Gewinner. An die Spitze des Sektortableaus
setzten sich die Aktien der Reise- und Freizeitbranche
mit einem Plus von 7,3 Prozent. Sie hatten seit
Beginn des Kriegs Ende Februar 10 Prozent eingebüßt. Am deutschen
Aktienmarkt gewannen Lufthansa fast 11 Prozent und
Tui knapp 12 Prozent.
Auch Papiere von Herstellern von Industriegütern wie
Siemens und der Bausektor waren
überdurchschnittlich gefragt. Beide Sektoren hatten prozentual
zweistellig verloren seit Kriegsbeginn und damit mehr als der Stoxx
600 Index als Gradmesser für den europäischen
Gesamtmarkt. Siemens Energy schnellten um über 10
Prozent nach oben und Siemens um 9,4 Prozent.
Im Bausektor erholten sich Heidelberg Materials um
9,5 Prozent. Auch Bilfinger und Hochtief
legten kräftig zu. Vor allem die Sorgen um das
weltweite Wachstum in der Folge des Kriegs hatten den
Industriegüter- und den Bausektor schwer belastet. Beide Branchen
gelten als besonders konjunktursensibel.
Das trifft auch auf den Technologiesektor zu, der am
Mittwoch ebenfalls zu den Top-Gewinnern zählte mit einem Plus von
6,6 Prozent. Hier war zuvor die Unterbrechung von globalen
Lieferketten erschwerend hinzugekommen, unter denen vor allem die
Hersteller von Halbleitern leiden. Die Erleichterung über die nun
ausgehandelte Waffenruhe verhalf Infineon -Aktien zu
einem Aufschlag von fast 11 Prozent.
Hoch in der Gunst der Anleger standen ferner die Banken
, die im europäischen Mittel über 6 Prozent gewannen.
Commerzbank verteuerten sich um 10 Prozent und
Deutsche Bank um 7 Prozent. Eine kriegsbedingt
schwache Konjunktur würde die Kreditnachfrage von Unternehmen und
privaten Verbrauchern schmälern. Hinzu kommen inflationsbedingt
höhere Kapitalmarktzinsen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen
war nach Kriegsbeginn von 2,65 auf 3,08 Prozent stark gestiegen.
Kursverluste im Anleihengeschäft und Kreditausfälle drohten.
Großer und neben den Versorgern einziger Verlierer
war der Öl- und Gassektor , der 3,5 Prozent einbüßte -
seit Kriegsbeginn aber über 14 Prozent gewonnen hatte, mit immer
weiteren Rekordmarken. Die Energieproduzenten waren der große
Profiteur des Nahost-Konflikts mit Ölpreisen von über 100 US-Dollar.
Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete in der Spitze sogar fast 120
Dollar./bek/ag/men