Kein Ergebnis in der zweiten Verhandlungsrunde zum Tourismus-KV / vida: Abschlüsse unter rollierender Inflation völlig unverständlich - Arbeitgeber: Mit durchschnittlich drei Prozent mehr als fairen Vorschlag vorgelegt
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Die zweite Runde der Kollektivvertragsverhandlungen 2026 für Hotellerie und Gastronomie sind am späten Dienstagnachmittag ohne Ergebnis vertagt worden. "Die Arbeitgeberseite blockiert nicht nur eine faire Lohnentwicklung, sondern auch dringend notwendige Verbesserungen bei der Bezahlung von Überstunden", hieß es im Anschluss von der Gewerkschaft vida. Die Arbeitgeber konterten: "Die Gewerkschaft ignoriert die wirtschaftliche Realität."
Die vida verwies auf die rollierende Inflation, also die Preissteigerungen der vergangenen zwölf Monate, die die Basis der KV-Verhandlungen darstellen. "Bei einer Inflation von 3,6 Prozent bedeuten Abschlüsse darunter reale Einkommensverluste. Gerade im Tourismus, wo viele Beschäftigte ohnehin an der Armutsgrenze arbeiten, ist das völlig unverständlich", so vida-Verhandlungsleiterin Eva Eberhart.
Angebot bei durchschnittlich drei Prozent
Die Arbeitgeber hielten dagegen. Man habe mit durchschnittlich drei Prozent einen "mehr als fairen Vorschlag auf den Tisch gelegt", so Alois Rainer und Georg Imlauer, Obmänner und Chefverhandler der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer (WKÖ). "KV-Abschlüsse mit Augenmaß sind das Gebot der Stunde. Insbesondere, da die Arbeitgeber:innen in den letzten Jahren, trotz Corona- und darauffolgender Energiekrise, kontinuierlich und erheblich in ihre Mitarbeiter:innen investiert haben", erklärten die beiden Obmänner.
Streitpunkt Überstunden
Und auch bei den Überstunden spießt es sich. Die Arbeitgeber würden eine Erhöhung der Überstundenzuschläge auf 65 Prozent ablehnen, sollte der Arbeitgeber sie zu spät auszahlen. "Wer nicht fristgerecht zahlt, für den müssen zusätzliche Gebühren anfallen", meinte Eberhart.
Beim Erstgespräch vor knapp einem Monat forderte die Gewerkschaft vida nach Eigenangaben eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,8 Prozent, zusätzlich zwölf freie Sonntage und bezahlte Mittagspausen. Die Arbeitgeber hätten aber nur ein Plus von 2,3 Prozent angeboten, kritisierte Anfang März die vida. Nunmehr haben die Vertreter der Wirtschaftskammer nachgebessert, wie hoch die Forderung der vida zuletzt war, blieb vorerst offen.
8.000 EU-Ausländer für Wintersaison
Eine genaue Mitarbeiterzahl der betroffenen Branche lässt sich auf Grund der Saisonalität nicht festmachen. Übers Jahr sind zwischen 200.000 und 240.000 Menschen nach dem Kollektivvertrag für Hotellerie und Gastronomie angestellt. Dazu gibt es rund 65.000 Betriebe. Sie teilen sich in knapp 19.000 in der Hotellerie und gut 46.000 in der Gastronomie auf. Diese beklagen regelmäßig, dass sie händeringend nach Mitarbeitern suchen würden.
Die Regierung hat darauf reagiert und zu Beginn der Wintersaison 2025/26 das Saisonnierskontingent aus Staaten außerhalb der EU auf 8.000 Plätze weiter erhöht. Die vida sprach daraufhin "angesichts von 375.000 Arbeitssuchenden in Österreich und einer Jugendarbeitslosigkeit von zehn Prozent" von einem "Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer".
Tirol: Regionale Beschäftigung bei 17 Prozent
Insgesamt lagen die touristischen Gesamtausgaben im Jahr 2023 zwischen 0,75 Mrd. Euro im Burgenland und 9,67 Mrd. Euro in Tirol. Hoch war der Beitrag zur Wirtschaftsleistung in Tirol mit 16,5 Prozent, in Wien waren es 4,9 Prozent - während der Anteil des Tourismus an der regionalen Gesamtbeschäftigung zwischen 3,5 Prozent in Oberösterreich und 17,3 Prozent in Tirol lag, wie Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) im Herbst 2025 vorrechnete.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat den weltweiten Tourismus hart getroffen, die damit einhergehende steigende Inflation wirkt sich auch in der Gastronomie aus. Zwar seien viele Lokale voll, die Kunden würden aber bei Speisen und Getränken sparen, beklagt die Branche. Zur Veranschaulichung: Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise im März 2026 laut Schnellschätzung der Statistik Austria um 3,1 Prozent zu, im Februar des heurigen Jahres lag die Teuerung noch bei 2,2 Prozent. Als einer der Preistreiber gilt der Dienstleistungssektor mit Hotels und Lokalen.
2.026 Euro brutto Mindestlohn
Die Gewerkschaft vida beklagt, dass die Rekordzahlen im Tourismus nicht bei den Beschäftigten ankommen. "Hinter diesen Erfolgszahlen steht vor allem die enorme Leistung der Beschäftigten unter belastenden Bedingungen", so die vida-Fachbereichsvorsitzende Eberhart. Sie rechnet vor: Während Beschäftigte im öffentlichen Dienst ab 2.262,30 Euro verdienen und in der Reinigung ab 2.184,99 Euro, liegt der Einstieg in Hotellerie und Gastronomie bei lediglich 2.026,00 Euro brutto für Hilfskräfte.
Für die Touristiker war die heurige Wintersaison jedenfalls ein Quell der Freude. Von November bis Februar stiegen die Nächtigungszahlen um 5,5 Prozent auf 54,25 Millionen - der höchste jemals gemessene Wert für diesen Zeitraum, wie die Statistik Austria kürzlich bekannt gab. Bei den Beschäftigten der Seilbahnen schlug sich dies heuer mit einem Lohnplus von 3,57 Prozent zu Buche. Der Brutto-Einstiegslohn wurde auf 2.218 Euro pro Monat erhöht.
3,6 Prozent mehr Lohn bei Liftbetreibern
Über ein Lohn- und Gehaltsplus in dieser Höhe dürfen sich heuer nur wenige Branchen freuen. Hier ein Auszug aus den KV-Abschlüssen der vergangenen Wochen: Die Beschäftigten in der KV-Gruppe Werbung und Marktkommunikation erhalten zwischen 2,35 und 2,8 Prozent mehr aufs Gehaltskonto. Die Geflügelindustrie hebt die Löhne um 2,7 Prozent an, der Mindestlohn überwindet ganz knapp die 2.000 Euro Schwelle (2.001 Euro brutto).
Die Raiffeisenlagerhäuser im Burgenland zahlen 2,2 Prozent mehr KV-Lohn, der Mindestlohn liegt bei 2.063 brutto. Für Mitarbeiter in Kühlhäusern gibt es bundesweit 2,9 Prozent mehr (Mindestlohn 2.455 Euro). Der Wiener Hafen erhöhte die Mindestlöhne um 3,3 Prozent. Die ostösterreichischen landwirtschaftlichen Gutsbetriebe zahlen drei Prozent mehr (Mindestlohn 2.288 Euro). Und auch die Stadt Wien zahlt ihren landwirtschaftlich Beschäftigten 3,3 Prozent mehr. Die Raiffeisen Ware Austria hingegen zahlt nur 2,0 Prozent mehr. Bei den gewerblichen Forstunternehmen steigen die Stundenlöhne um 2,95 Prozent, für den gefährlichen Job gibt es einen Mindestlohn von 2.064 Euro brutto.
stf/ivn/phs
ISIN
WEB http://www.vida.at
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