Wiener Börse (Nachmittag) - Trump-Aussagen erden ATX / Heimischer Leitindex verliert zwei Prozent - Trump-Rede ohne Neuigkeiten zu Friedensprozess - Verbund und OMV gesucht
Nach der kräftigen Kurserholung zur Wochenmitte sind die Anleger am Wiener Aktienmarkt am Donnerstag wieder durch Aussagen von US-Präsident Donald Trump geerdet worden. In seiner Rede zum Iran-Krieg äußerte sich Trump nicht wie erhofft zu weiteren Details zum Verhandlungsprozess, sondern bekräftigte stattdessen seine Eskalationsdrohungen. Vor diesem Hintergrund reduzierten die Anleger vor dem langen Osterwochenende wieder ihre Risiken.
Nach der starken ersten Wochenhälfte schwächte sich der ATX bis zum Donnerstagnachmittag wieder um 1,97 Prozent auf 5.370 Punkte ab. Für die Karwoche deutet sich für den österreichischen Leitindex somit noch ein Gewinn von 1,9 Prozent an. Der ATX Prime büßte am Berichtstag 1,88 Prozent auf 2.666 Zähler ein.
Ähnlich schwach tendierten auch andere europäische Börsenbarometer. Auch abseits der Aktienmärkte kehrten sich viele Vortagesentwicklungen um: Die Ölpreise, der US-Dollar und die Anleiherenditen bekamen wieder spürbaren Auftrieb, während der Goldpreis einknickte.
Trump stellte in seiner Rede zwar erneut ein Ende des Krieges in Aussicht, bekräftigte aber frühere Drohungen. Die USA seien auf dem Weg, alle militärischen Ziele "sehr bald" zu erreichen, sagte Trump. Bis dahin werde es im Iran noch heftige Angriffe geben, potenziell wie schon angekündigt auch gegen Kraftwerke des Landes. "Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen", sagte Trump. In der Zwischenzeit liefen weitere Gespräche. Am Montag, dem 6. April, läuft die von ihm verlängerte Frist zur Zerstörung von Energieanlagen aus, mit der Trump die Öffnung der Straße von Hormuz erzwingen will.
Den ersten Platz im ATX nahmen die Verbund-Anteile mit plus 2,8 Prozent ein. Europaweit zählten Versorgeraktien zu den bevorzugten Branchen, da sie tendenziell zu den Profiteuren höherer Energiepreise zählen. Zudem sehen die Analysten der Erste Group mögliche positive Effekte durch die am Mittwochvormittag von der EU-Kommission vorgeschlagenen Anpassungen des Emissionshandelssystems (ETS), die relativ geringe Änderungen vorsehen würden. Dies könne die CO2-Preise kurzfristig stützen, erwartet Erste-Analyst Petr Bartek, was wiederum positiv für Strompreise und den Verbund wäre. Bartek rechnet jedoch auch damit, dass einige Mitgliedstaaten auf weitere Änderungen pochen werden.
Ansonsten lag der Fokus bei Analystenstudien. Gesucht waren etwa die OMV-Aktien, die sich um 1,1 Prozent auf 62,25 Euro erholten. Die Privatbank Berenberg hob ihr Kursziel für die Papiere von 53 auf 56 Euro an, bestätigte jedoch ihre Halteempfehlung. Während die OMV von höheren Ölpreisen und Raffineriemargen profitieren und auch höhere Margen im Chemiebereich möglich seien, blieben die Auswirkungen des anhaltenden Konflikts im Iran auf die Aussichten für Borouge weiterhin unklar, schrieben die Berenberg-Analysten.
Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel für Lenzing von 25 auf 21 Euro und bestätigte die Halteempfehlung. Lenzing-Titel gaben um 3,4 Prozent auf 22,75 Euro nach. Er sei zwar optimistisch für den mittelfristigen Ausblick der Lenzing, eine Erholung der Fasernachfrage könnte aber noch länger auf sich warten lassen, schrieb Analyst Lars Vom-Cleff.
Inzwischen stufte Erste Group Research CA Immo von "Buy" auf "Accumulate" ab und senkte das Kursziel von 28,0 auf 26,8 Euro. Analyst Christoph Schultes begründete gesenkte Schätzungen mit dem schrumpfenden Portfolio und einem schwierigeren Umfeld für Immobilienaktien. CA Immo standen zuletzt etwas tiefer bei 25,12 Euro.
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