ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Steigende Ölpreise lassen Dax weiter fallen
Wieder deutlich anziehende Ölpreise haben den
Dax am Freitag absacken lassen. So stieg der Preis
für Rohöl der Nordseesorte Brent zuletzt klar über 110 US-Dollar je
Fass. Nach einem stabilen Auftakt büßte der deutsche Leitindex
daraufhin letztlich 1,38 Prozent auf 22.300,75 Punkte ein. Damit
blieb der Dax aber immer noch in der Handelsspanne vom Montag, als
er im Tagesverlauf infolge widersprüchlicher Nachrichtenlage um
spektakuläre 1.300 Punkte, zwischen knapp über 21.860 und bis in
Richtung 23.200 Zähler, geschwankt war. Auf Wochensicht gab er knapp
0,4 Prozent nach. Der MDax verlor am Freitag 2,16
Prozent auf 27.655,45 Punkte.
Die Ölpreise sind derzeit die wichtigste Orientierungsmarke für die
Inflations- und Konjunktursorgen der Anleger. US-Präsident Donald
Trump verlängerte sein Ultimatum an den Iran zur Freigabe der für
den weltweiten Ölhandel sehr wichtigen Straße von Hormus bis
Ostermontag. Bis dahin sollen keine iranischen Kraftwerke
angegriffen werden, wie Trump unter Verweis auf "sehr gute"
Gespräche auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Die
Nachrichtenlage bleibt dennoch widersprüchlich, denn der Iran hat
mehrfach solche von Trump erwähnten Gespräche dementiert, während
Pakistan seine Vermittlerrolle bestätigte.
Die Verlängerung des Ultimatums um weitere zehn Tage mindere die
Risiken nicht, und das sei an den Märkten spürbar, sagte Stephen
Innes, Managing Partner bei SPI Asset Management. Es fühle sich eher
so an, "als wenn ein Händler eine Verlustposition in die Zukunft
verschiebt". Angesichts der Inflationsrisiken preise der Markt bei
der Europäischen Zentralbank mittlerweile drei Zinserhöhungen bis
zum Jahresende ein, schrieben die Experten von Index-Radar.
Besonders prägnant zeige sich dies am Rentenmarkt: Die Rendite der
zehnjährigen Bundesanleihe kletterte auf den höchsten Stand seit 15
Jahren. Auch in den anderen Ländern der Eurozone legten die Renditen
zu.
An anderen wichtigen Börsen in Europa ging es ebenfalls abwärts. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,08 Prozent
auf 5.505,80 Punkte. Außerhalb des Euroraums verlor der Londoner
FTSE nur leicht, während der Züricher SMI
gut ein halbes Prozent tiefer schloss. In New York
büßte der Dow Jones Industrial zum europäischen
Handelsschluss rund ein Prozent ein.
Unternehmensseitig zog vor allem CTS Eventim die
Blicke auf sich. Der Ticketvermarkter und Veranstalter hatte am
Vorabend zwar ein starkes Geschäftsjahr gemeldet. Ein Börsianer
sprach aber von einem enttäuschenden Ausblick und wies zudem auf die
vom Unternehmen avisierte Dividendenkürzung hin. Analysten rechnen
nun mit sinkenden Konsenserwartungen. Die Aktie brach am MDax-Ende
um 23,2 Prozent ein und fiel damit auf den tiefsten Stand seit
November 2022.
Jungheinrich gaben um 5,5 Prozent nach. Auch der
Gabelstapler-Hersteller enttäuschte mit seinen Jahreszielen. Aus
Sicht von Jefferies-Analyst Lucas Ferhani deute ein enttäuschender
Auftragseingang im vierten Quartal auf eine anhaltend schwache
Entwicklung in Europa hin.
Im Dax stach die Aktie von BASF unterdessen mit einem
Kursplus von 2,7 Prozent positiv heraus. Analyst Thomas
Wrigglesworth von der US-Investmentbank Morgan Stanley bekräftigte
sein positives Anlageurteil für den Chemiekonzern und schraubte das
Kursziel nach oben. Die Probleme in der Rohstoffversorgung wegen des
Iran-Kriegs dürften die asiatischen Chemiekonzerne kostenseitig
härter treffen als die europäische Konkurrenz, schrieb er. Im MDax
legte Evonik nach seiner Hochstufung auf "Overweight"
sogar um 5,4 Prozent zu.
Um 5,7 Prozent ging es derweil für Delivery Hero nach
oben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf
Insider, dass Großaktionär Prosus möglicherweise
einen Anteil am Essenslieferdienst an Aspex verkaufen könnte. Der
Investmentmanager würde damit zum größten Aktionär von Delivery Hero
aufsteigen und könnte den Druck auf den MDax-Konzern erhöhen.
Zuletzt soll Aspex auf einen Verkauf des Unternehmens oder von
Geschäftsteilen gedrängt haben.
Im Kleinwerte-Index SDax gehörte die Aktie des
Finanzkonzerns Wüstenrot & Württembergische (W&W) mit
einem Abschlag von 5,2 Prozent zu den größten Verlierern. Das
Management stellte nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr zwar
weiter steigende Gewinne für 2026 in Aussicht, Finanzexperten hatten
aber eine höhere Jahresprognose erwartet./niw/jha/