ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Zurückhaltung wegen Nahost-Unsicherheit
Die Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hat
dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag zu schaffen gemacht. Der
Großteil der Marktteilnehmer hielt sich zurück und positionierte
sich an der Seitenlinie. Der Dax schloss 0,07 Prozent
tiefer bei 22.636,91 Punkten. In der zweiten deutschen Börsenliga
verlor der MDax 0,37 Prozent auf 28.125,11 Zähler.
Europas andere wichtige Börsen legten zu. Der Eurozonen-Leitindex
EuroStoxx 50 stieg um 0,1 Prozent. Außerhalb des
Euroraums gewann der Londoner FTSE 0,7 Prozent und
der Züricher SMI 1,0 Prozent. In New York befestigte
sich der Dow Jones Industrial zuletzt um 0,1 Prozent.
Nachdem US-Präsident Donald Trump am Montag ein Ultimatum für
Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, brachte
Börsenbrief-Autor Hans Bernecker wieder einmal den sogenannten
"TACO-Trade" ins Spiel, der für "Trump Always Chickens Out" steht
und die Erwartung ausdrückt, dass der US-Präsident bei seinen
Ankündigungen immer wieder Rückzieher macht. Wegen der
Wankelmütigkeit Trumps stellt Bernecker aber ein großes Fragezeichen
dahinter, ob ein baldiges Kriegsende im Iran realistisch ist.
Zur Belastung für den Dax wurden die SAP-Aktien , die
um 4,1 Prozent nachgaben. Nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher
optimistisches Votum für das Index-Schwergewicht aufgegeben hatte,
fielen die Papiere des Softwarekonzerns auf den tiefsten Stand seit
Januar 2024. Analyst Toby Ogg argumentierte, das Bild einer
erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich bei
SAP geändert.
Die Anteilsscheine von Bayer büßten 1,9 Prozent ein.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, hat die 2023
eingestiegene Beteiligungsgesellschsaft Inclusive Capital Partners
des aktivistischen Investors Jeffrey Ubben ein Aktienpaket des
Pharma- und Agrarchemiekonzerns verkauft. Dabei wurde ein
25-prozentiger Abschlag auf den Preis hingenommen, den Ubben Anfang
2023 bei der Bekanntgabe der Beteiligung bezahlt hatte.
Vor dem Hintergrund der Unsicherheit im Zuge des Nahost-Konflikts
sorgte die Deutsche Bank im Chemiesektor für Bewegung mit einer
Reihe an Umstufungen. Analystin Virginie Boucher-Ferte sieht in BASF
und Brenntag letztlich Profiteure des
Krieges und empfiehlt die Titel nun zum Kauf. Beide Werte gehörten
mit einer Erholung um bis zu 7,6 Prozent zu den Spitzenwerten im
Dax.
Ohne eine Hochstufung der Deutschen Bank setzten aus dem
Chemiesektor die Lanxess-Aktien ihre Erholung um 9,9
Prozent fort. Ein Börsianer verwies darauf, dass zuletzt vermehrt
Anleger bei dem Spezialchemiekonzern auf fallende Kurse gesetzt
hätten. Neuerdings wieder anziehende Kurse könnten auf die
Schließung solcher Positionen hindeuten, hieß es.
Der Internetdienstleister Ionos will bis zu 60
Millionen Euro in einen weiteren Aktienrückkauf stecken. Damit
sollen bis zu 2,2 Millionen eigene Aktien - etwa 1,6 Prozent des
Grundkapitals - erworben werden, teilte die Tochter des
United-Internet-Konzerns mit. Die Aktie legte um rund
2,4 Prozent zu.
Im Nebenwertebereich gab es am Dienstag Zahlen von Nagarro
, Indus Holding und Drägerwerk
auszuwerten. Indus-Titel profitierten mit 1,6 Prozent
Plus von einer angehobenen Dividende. Drägerwerk stiegen um 5,5
Prozent, nachdem das Analysehaus MWB wegen "starker Zahlen" eine
Kaufempfehlung ausgesprochen hatte.
Jenoptik hat einen Nachfolger für den vorzeitig
ausgeschiedenen Ex-Chef Stefan Traeger gefunden. Dominic Dorfner
werde spätestens am 1. Oktober den Vorstandsvorsitz übernehmen,
teilte das Hightech-Unternehmen mit. Dorfner kommt vom
Halbleiterhersteller Semikron Danfoss, wo er Unternehmenschef ist.
Für die Jenoptik-Papiere ging es um 0,6 Prozent nach oben.
Einen Kursgewinn von 6,5 Prozent verbuchten die Aktien des
Prothesenherstellers Ottobock nach einer
Kaufempfehlung der UBS. Analyst Graham Doyle sieht nach dem massiven
Kursrutsch inzwischen ein klares Chancen-Übergewicht./edh/jha/