Aktien Frankfurt: Trump-Wende verhilft Dax ins Plus - Iran-Drohungen ausgesetzt
Der Dax hat am Montag nach
Aussagen von US-Präsident Donald Trump eine spektakuläre Kehrtwende
hingelegt. Trump ordnete an, in den nächsten fünf Tagen auf die
zuvor angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke und die
Energieinfrastruktur zu verzichten. Dies sei das Ergebnis "sehr
guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und
endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten" in den vergangenen
beiden Tagen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Dass der Iran Verhandlungen mit den USA dementierte, bremste die
Euphorie am Markt allerdings etwas: Nach einem Kurssprung von fast
3,6 Prozent behauptete der deutsche Leitindex am frühen Nachmittag
ein Plus von 1,64 Prozent auf 22.747 Punkte. Bis zum Mittag hatte er
noch eine weitere Talfahrt hingelegt. Die Schwankungsbreite von fast
6 Prozent im Handelsverlauf ist die größte seit dem Zwischentief vom
7. April 2025 im Zuge von Trumps Zoll-Schock. Seit Beginn des
Iran-Kriegs hat der Dax bis zu gut 13,5 Prozent eingebüßt. Vor knapp
einem Jahr waren es sogar bis zu 18 Prozent, bevor Trump mit seiner
Zollpolitik zurückruderte und eine Kurswende einsetzte.
Ob eine solche nun auch bevorsteht, hält Marktanalyst Timo Emden
allerdings für fraglich. "Trumps Ankündigung wirkt wie Balsam für
die Märkte und damit als klassische Beruhigungspille auf Zeit",
schrieb er. Damit dominiere klar das Prinzip Hoffnung. Die Anleger
setzten auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt. Doch sie
"sollten sich vor Augen halten, dass aufgeschoben nicht aufgehoben
bedeutet", warnte der Experte. "Die geopolitischen Risiken bleiben
bestehen und damit auch die Gefahr, dass die Märkte ihre aktuelle
Erholung schnell wieder abgeben."
Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es
zuletzt um 2,12 Prozent auf 28.389 Punkte bergauf. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erholte sich um 1,7
Prozent. Die jähe Wende schlug sich auch in den Ölpreisen sowie der
Kursentwicklung einiger der vorherigen Branchenverlierer nieder. Der
Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der für Europa maßgeblichen
Nordsee-Sorte Brent sackte deutlich ab auf zuletzt unter 109
US-Dollar.
Die vor den Trump-Aussagen gebeutelten europäischen Rohstofftitel
drehten deutlich ins Plus, während der
Immobilienindex knapp in der Verlustzone blieb.
Die Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter - zuvor
MDax-Schlusslicht - drehten zeitweise klar ins Plus, schwächelten
zuletzt aber etwas. Der Index-Aufsteiger legte vollständige
Jahreszahlen vor und blieb mit seinem Vorschlag einer unveränderten
Dividende von 0,20 Euro je Aktie hinter den Erwartungen zurück. Die
Titel des Industrie- und Stahlkonzerns Thyssenkrupp
gewannen 3,6 Prozent.
Im Dax führte der Wohnimmobilienkonzern Vonovia trotz
eines auf 1,6 Prozent eingedämmten Minus weiter die Verliererliste
an. Im MDax verloren LEG moderat, während TAG
Immobilien um 0,8 Prozent zulegten.
Im Nebenwerte-Index SDax blieb Gerresheimer
mit minus 10 Prozent größter Verlierer. Am Freitag
hatten die Aktien des Verpackungsherstellers dank Übernahmefantasie
noch einen Kurssprung gemacht.
Der Verkauf seines Essensliefergeschäfts Foodpanda in Taiwan
bescherte MDax-Spitzenreiter Delivery Hero ein Plus
von 10 Prozent. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel sieht den Preis von
600 Millionen US-Dollar in bar, den Konkurrent Grab zahlen will,
deutlich über den Markterwartungen. Vergangene Woche waren die
Aktien von Delivery Hero auf ein Rekordtief abgesackt./gl/jha/