Aktien New York: Weiter bergab - Dow auf Tief seit Oktober
Angesichts einer fehlenden Deeskalation im
Iran-Krieg und anhaltend hoher Ölpreise geht es am Freitag an den
US-Börsen weiter bergab. Weitere Angriffe des Irans auf Öl- und
Gasinfrastrukturen der Golfstaaten führten dazu, dass Anleger vor
dem Wochenende das Risiko mieden. Verstärkt wurde die Anspannung von
einem Bericht im "Wall Street Journal" über die US-Entsendung
weiterer Kriegsschiffe und Truppen.
Der Dow Jones Industrial stand zwei Stunden vor
Schluss 0,6 Prozent tiefer bei 45.740 Punkten. Im Verlauf hatte der
US-Leitindex mit 45.684 Zählern sein niedrigstes Niveau seit Oktober
erreicht. Für die laufende Woche bahnt sich ein Abschlag von 1,8
Prozent an.
Andere US-Indizes fielen am Freitag deutlicher: Der S&P 500
um 1,1 Prozent auf 6.533 Punkte und der
technologielastige Nasdaq 100 um 1,6 Prozent auf
23.975 Punkte. Das charttechnische Bild gilt damit als eingetrübt,
denn die drei großen US-Indizes notieren inzwischen allesamt
unterhalb ihrer 200-Tage-Durchschnittslinien.
"Da der Konflikt bisher innerhalb des von der US-Regierung
angegebenen Zeitrahmens von 4 bis 6 Wochen bleibt, befinden wir uns
möglicherweise noch in der Eskalationsphase", warnte der
Barclays-Stratege Emmanuel Cau vor der Gefahr weiterer Verluste.
Eine Deeskalation sei zwar nicht absehbar, wegen der wachsenden
wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Kosten des Krieges
aber der wohl logischste nächste Schritt.
Neben den erneut gefragten Ölwerten waren am Freitag die Aktien von
Fedex eine positive Ausnahme. Sie stiegen um zwei
Prozent in Richtung ihres Ende Februar erreichten Rekordhochs. Der
Logistikkonzern präsentierte einen starken Quartalsbericht und hob
trotz der kriegs- und zollbedingten Unsicherheiten sein Gewinnziel
für das laufende Geschäftsjahr an. Den Grund dazu lieferten
Fortschritte beim Netzwerk-Umbau sowie beim Sparprogramm.
Im Technologiesektor fielen ARM Holdings mit einem
Anstieg um 3,6 Prozent positiv auf. Als Treiber fungierte hier eine
Kaufempfehlung der britischen Bank HSBC. Analyst Frank Lee
begründete dies mit der Erwartung, dass der Chipentwickler in das
Geschäft mit Prozessoren für KI-Server einsteigen wird, was die
Geschäfte antreiben und zu einer Neubewertung der Aktien führen
sollte.
Einen heftigen Kursrutsch um 27 Prozent machten dagegen die
Aktionäre von Super Micro durch. Die USA haben einen
Mitgründer des Rechenzentren-Ausstatters angeklagt wegen des
Verdachts, dass illegal Server mit Nvidia -Chips nach
China geliefert wurden - und dies im Milliardenwert. Mehreren
Mitarbeitern wird vorgeworfen, dass die KI-Technologie über ein
Unternehmen in Südostasien transferiert wurde.
Um 14 Prozent hoch sprangen die Aktien des Solartechnik-Herstellers
Solaredge , der vom Analysehaus Jefferies hochgestuft
wurde. Julien Dumoulin-Smith verwies auf die Perspektiven in Europa
angesichts der Energiepreise, die dort auf den Nahostkonflikt
reagieren. Seiner Einschätzung nach spiegelt dies die Entwicklung
während der frühen Russland-Ukraine-Krise wider, die Einnahmen von
Solaredge in Europa auf einen Höchststand getrieben habe.
Einen Kursrutsch um 7,5 Prozent gab es aber umgekehrt bei Mosaic
wegen einer Analystenabstufung. Die Bank of America
hatte für den Düngemittelkonzern ihre bisherige Kaufempfehlung
aufgegeben in der Erwartung, dass eine Margenausweitung bei
Phosphatdüngemitteln in Zeiten des Iran-Konflikts voraussichtlich um
ein Jahr verzögert werde./tih/nas