ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax im Würgegriff steigender Ölpreise
Sorgen um das Wirtschaftswachstum weltweit
haben die Anleger am Donnerstag verstärkt aus den Aktienmärkten
getrieben. Hierzulande geriet der Dax unter Druck und
sackte am Nachmittag zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende
April 2025. Mit minus 2,82 Prozent auf 22.839,56 Punkte ging der
deutsche Leitindex aus dem Tag. Damit hat er seit Beginn des
Iran-Kriegs Ende Februar fast 10 Prozent eingebüßt.
Der kräftige Anstieg des Ölpreises der Nordsee-Sorte Brent auf
zeitweise wieder etwas mehr als 119 US-Dollar schürt zunehmend
Ängste vor einer stark anziehenden Inflation. Die Europäische
Zentralbank (EZB), die den Leitzins an diesem Tag zwar wie erwartet
unverändert beibehielt, warnte vor deutlich unsichereren Aussichten
durch den Krieg im Nahen Osten. "Er hat Aufwärtsrisiken für die
Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge."
Mit dem israelischen Angriff auf das bedeutende iranische Gasfeld
"South Pars" habe der Iran-Krieg "eine neue Eskalationsstufe
erreicht", sagte Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank.
"Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur nimmt dem Markt
die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Produktionsniveaus,
sollte der Krieg einmal enden."
Dabei ist die deutsche Wirtschaft besonders anfällig. "Wegen der
hohen Exportabhängigkeit vieler Sektoren würde eine globale
Konjunkturabkühlung Deutschland besonders stark treffen",
konstatierte Aktienexperte Andreas Lipkow von CMC Markets.
Der MDax der mittelgroßen Werte ging mit einem
Abschlag von 3,71 Prozent auf 28.423,08 Punkte aus dem Tag.
Europaweit wurden, wie zuvor bereits in Asien, ebenfalls kräftige
Verluste verbucht. Der EuroStoxx 50 , Leitindex der
Euroregion, büßte 2,14 Prozent auf 5.613,83 Zähler ein und auch in
London und Zürich wurden Verluste von etwas mehr als zwei Prozent
verbucht. Die US-Börsen gaben ebenfalls nach, allerdings weitaus
weniger deutlich.
Hierzulande neigt sich die Berichtssaison dem Ende zu. Die letzten
Nachzügler legten ihre Geschäftszahlen vor. Deutschlands größter
Wohnimmobilienkonzern Vonovia verdiente zwar im
vergangenen Jahr wegen höherer Mieteinnahmen mehr, doch im schwachen
Umfeld sackte die Aktie um 12,1 Prozent ab. JPMorgan-Analyst Neil
Green verwies vor allem auf die Inflationsrisiken und daher
steigende Anleiherenditen, die der Branche allgemein Probleme
bereiten.
Positiv stachen im stark eingetrübten Umfeld nach laut Goldman Sachs
"beruhigenden Quartalszahlen" die Aktien von United Internet
und deren Töchter Ionos und 1&1
hervor. Ionos sprangen im MDax - vor allem dank der
wachsenden Zahl an Neukunden - um 11,0 Prozent nach oben. United
Internet gewannen 2,8 Prozent und 1&1 stiegen um 2,7 Prozent.
Lanxess sackten dagegen um 11,5 Prozent ab und waren
Schlusslicht im MDax. Die Ziele des Chemiekonzerns für 2026 sein
hinter den Erwartungen zurückgeblieben, schrieb Barclays-Analyst
Anil Shenoy. Der freie Barmittelzufluss sei schwach ausgefallen und
die Nettoverschuldung etwas höher als von ihm erwartet.
K+S verloren 6,3 Prozent und gaben damit einen Teil
ihrer jüngsten Gewinne wieder ab. Wie die staatseigene belarussische
Nachrichtenagentur BelTA schrieb, haben die USA die Aufhebung der
Sanktionen gegen belarussisches Kali angekündigt.
Am Ende des Nebenwerte-Index SDax ging es für
Salzgitter um 12,6 Prozent abwärts. Die Aktie des
Stahlherstellers gehört zu jenen, die besonders unter den hohen
Ölpreisen und der Aussicht auf eine schwache Konjunktur leiden.
Die Kontron -Aktie erholte sich derweil deutlich von
ihren zeitweiligen Verlusten von rund 24 Prozent. Mit minus 7,4
Prozent beendete sie den Tag. Eine Stellungnahme des Managements
beruhigte die Börsianer etwas, die angesichts der Kursverluste ins
Rätseln gekommen waren. Nach Auffassung des österreichischen
Technologiekonzerns gibt es für die Kursverwerfungen mit Blick auf
die operative Geschäftsentwicklung "keine Grundlage"./ck/jha/