Wiener Börse (Nachmittag) - Steigende Öl- und Gaspreise belasten ATX / Weitere Eskalation im Iran-Krieg mit Angriffen auf Öl- und Gasanlagen - EZB hält Leitzinsen wie erwartet stabil - Lenzing und SBO nach Zahlen unter Druck
Nach der positiven ersten Wochenhälfte hat es am Wiener Aktienmarkt am Donnerstag wieder einen Rückschlag gegeben. Steigende Öl- und Gaspreise schlugen den Anlegern aufs Gemüt. Die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkte sich hingegen kaum an den Märkten aus. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Einlagensatz wie erwartet bei 2,0 Prozent.
"Noch glaubt die EZB offiziell daran, dass der Ölpreis-Schock nur temporär ist", schrieb Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Gleichzeitig würden die Währungshüter signalisieren, dass sie im Bedarfsfall handeln würden, um ein Aufbäumen der Inflation ähnlich wie nach der Corona-Pandemie zu verhindern.
Der ATX fiel am Nachmittag um 2,77 Prozent auf 5.274,87 Punkte und radierte so die Erholungsgewinne der Vortage praktisch aus. Für den ATX Prime ging es um 2,79 Prozent auf 2.619,67 Zähler hinab. Abgaben im ähnlichen Ausmaß gab es im europäischen Umfeld.
Öl- und Gaspreise steigen, Fokus nun bei Geldpolitik
Druck kommt erneut von den Öl- und Gaspreisen, deren Anstiege Konjunktur- und Inflationssorgen schüren. Nach gegenseitigen Angriffen Israels und des Irans auf Öl- und Gasanlagen im Nahen Osten drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran mit einer massiven Bombardierung des wichtigen Gasfelds "South Pars".
Negative Vorgaben brachten zudem die US-Börsen. Die US-Notenbank Fed ließ in dem durch den Iran-Krieg verunsicherten Umfeld ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Ein Commerzbank-Experte sprach von einem "falkenhaften Festhalten" am aktuellen Zins. Geldpolitisch setzen die sogenannten "Falken" restriktiv primär auf die Bekämpfung von Inflation durch steigende Zinsen.
OMV stabil, SBO und Lenzing nach Zahlen am unteren ATX-Ende
OMV-Aktien hielten sich in Wien mit minus 0,7 Prozent vergleichsweise stabil, konnten sich jedoch auch nicht dem positiven Trend einiger anderer Branchenvertreter in Europa anschließen. Das Upstream-Geschäft des heimischen Ölkonzerns gilt im Vergleich zu Mitbewerbern als überdurchschnittlich stark abhängig von Förderanlagen im Nahen Osten. Analysten erwarten zwar, dass die Öl- und Gaspreisanstiege die Produktionsausfälle mehr als wettmachen dürften, sehen aber andere Ölwerte als größere Profiteure der gestiegenen Preise an.
Am unteren ATX-Ende rasselten Lenzing-Titel gut acht Prozent ab. Das Unternehmen verbuchte im abgelaufenen Jahr einen Anstieg beim operativen Gewinn, unterm Strich blieb aber ein Verlust von 135,2 Millionen Euro. Zudem gab der Umsatz des Faserherstellers leicht nach und verfehlte damit die Konsensschätzungen.
SBO hat im Geschäftsjahr 2025 einen massiven Rückgang bei Erlösen und Rentabilität verzeichnet und strich seine Dividende zusammen. Der Ölfeldausrüster verzeichnete zudem einen rückläufigen Auftragseingang. Die Analysten der Erste Group sehen jedoch keine großen Überraschungen gegenüber den vorläufigen Zahlen von Jahresanfang. Die Aktien sackten dennoch um 5,9 Prozent ab.
Von Analystenseite stufte das US-Analysehaus Jefferies die Aktien der OMV von "Buy" auf "Hold" ab. Das Kursziel legten die Experten bei 62 Euro fest. Die Papiere hielten zuletzt bei 61,15 Euro.
Inzwischen senkte die Baader Bank ihre Einschätzung der Verbund-Titel gleich um zwei Stufen auf "Reduce". Für die Semperit-Aktien bekräftigte Warburg die Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 19 auf 21 Euro an.
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