Wiener Börse (Eröffnung) - Steigende Öl- und Gaspreise belasten ATX / Weitere Eskalation im Iran-Krieg mit Angriffen auf Öl- und Gasanlagen - Warten auf EZB-Entscheid - Lenzing und SBO nach Zahlen unter Druck
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Nach der positiven ersten Wochenhälfte hat es am Wiener Aktienmarkt am Donnerstag wieder einen Rückschlag gegeben. Vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) schlugen steigende Öl- und Gaspreise sowie schwache Übersee-Vorgaben den Anlegern aufs Gemüt. Der ATX fiel in der ersten Handelsstunde um 2,19 Prozent auf 5.306,69 Punkte und radierte so die Erholungsgewinne der beiden Vortage praktisch aus.
Für den ATX Prime ging es um 2,16 Prozent auf 2.636,58 Zähler hinab. Abgaben im ähnlichen Ausmaß gab es im europäischen Umfeld.
Druck kommt erneut von den Öl- und Gaspreisen, deren Anstiege Konjunktur- und Inflationssorgen schüren. Nach gegenseitigen Angriffen Israels und des Irans auf Öl- und Gasanlagen im Nahen Osten drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran mit einer massiven Bombardierung des wichtigen Gasfelds "South Pars".
Öl- und Gaspreise steigen, Fokus nun bei Geldpolitik
Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder rund 116 Dollar und damit über acht Prozent mehr als am Vortag. Der bisherige Höchststand im Zuge des Iran-Kriegs hatte am Montag der Vorwoche mit fast 120 Dollar auf dem höchsten Stand seit 2022 gelegen. Mittlerweile stiegen auch die Kontrakte für Brent-Lieferungen im Juni und Juli deutlich über 100 Dollar, was zeigt, dass die Marktakteure auch verstärkt Lieferengpässe in den kommenden Monaten einpreisen. Der europäische Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im April verteuerte sich zeitweise um fast ein Viertel.
Negative Vorgaben brachten zudem die US-Börsen. Die US-Notenbank Fed ließ in dem durch den Iran-Krieg verunsicherten Umfeld ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Ein Commerzbank-Experte sprach von einem "falkenhaften Festhalten" am aktuellen Zins. Geldpolitisch setzen die sogenannten "Falken" restriktiv primär auf die Bekämpfung von Inflation durch steigende Zinsen.
Am Berichtstag folgen nun noch die Notenbanken der Eurozone und Großbritanniens mit ihren geldpolitischen Entscheidungen, wobei auch hier keine Zinsanpassungen erwartet werden. Bereits bekannt wurde, dass die Schweizerische Notenbank ihren Leitzins bei 0 Prozent belassen hat. Kernfrage bleibt, ob energiepreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend angesehen werden können.
SBO und Lenzing nach Zahlen am unteren ATX-Ende
Mit Blick auf die Wiener Einzelwerte legten SBO und Lenzing Jahresergebnisse vor. SBO hat im Geschäftsjahr 2025 einen massiven Rückgang bei Erlösen und Profitabilität verzeichnet und strich seine Dividende zusammen. Der Ölfeldausrüster verzeichnete zudem einen rückläufigen Auftragseingang. Die Analysten der Erste Group sehen jedoch keine großen Überraschung gegenüber den vorläufigen Zahlen von Jahresanfang. Die Aktien sackten dennoch um fast neun Prozent ab.
Lenzing verbuchte im abgelaufenen Jahr einen Anstieg beim operativen Gewinn, unterm Strich blieb aber ein Verlust von 135,2 Millionen Euro. Zudem gab der Umsatz des Faserherstellers leicht nach. Während die operativen Gewinnzahlen die Erwartungen erfüllt hätten, sei der Nettoverlust noch größer als erwartet ausgefallen, monierte Erste-Analystin Vladimira Urbankova. Die Titel fielen um 6,5 Prozent.
Von Analystenseite stufte das US-Analysehaus Jefferies die Aktien der OMV von "Buy" auf "Hold" ab. Das Kursziel legten die Experten bei 62 Euro fest. Die Papiere hielten sich zuletzt moderat im Minus bei 60,95 Euro.
Inzwischen senkte die Baader Bank ihre Einschätzung der Verbund-Titel gleich um zwei Stufen auf "Reduce". Für die Semperit-Aktien bekräftigte Warburg die Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 19 auf 21 Euro an.
spa/ste
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