Verbund-Chef: Belastung der E-Wirtschaft "erreicht ihre Grenzen" / Weniger Wasserkraft und Gewinnabschöpfung belasten Ergebnis - EBITDA sinkt um 21,3 Prozent - Dividende von 3,15 Euro vorgeschlagen - Ausblick 2026 geht von weiterem Rückgang aus
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Der teilstaatliche Stromkonzern Verbund hat im Geschäftsjahr 2025 Gewinneinbußen verzeichnet. Das Konzernergebnis sank gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 1,49 Mrd. Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Hauptgründe für das Minus waren eine schlechtere Wasserführung und negative Effekte durch die staatliche Gewinnabschöpfung. Der Beitrag zur Budgetkonsolidierung sei politisch vereinbart, doch die Belastung "erreicht ihre Grenzen", sagte Verbund-Chef Michael Strugl.
Der Energiekrisenbetrag des Verbund belief sich 2025 auf 136 Mio. Euro, dazu kommt der Anteil der Dividende, der an die Republik Österreich ausbezahlt wird. Die Republik Österreich hält 51 Prozent der Verbund-Aktien, von den insgesamt 1,2 Mrd. Euro Ausschüttung fließen somit 560 Mio. Euro an den Fiskus. Darüber hinaus bezahle der Verbund Steuern in Höhe von 700 Mio. Euro.
Verbund: "Können nicht die Melkkuh sein für dieses Budget"
"Damit haben wir eine Dimension erreicht, die wir wirklich kritisch hinterfragen müssen", sagte Strugl. Die Politik müsse "überdenken, wie sie mit den Unternehmen umgeht", denn der Verbund leiste diese Beiträge, aber "wir können nicht die Melkkuh sein für dieses Budget". In Zeiten hoher Energiepreise, seien Unterstützungen wie der Industriestrompreis oder der Sozialtarif wichtig, Strugl wünscht sich hier aber eine Finanzierung aus dem Budget und nicht durch die Energieunternehmen. Die Kosten für den Sozialtarif, der ab April gilt, belaufen sich für den Verbund auf etwa 5 Mio. Euro, beim geplanten Industriestrompreis seien die Kosten derzeit noch nicht abschätzbar.
Die Investitionen des Verbund lagen 2025 bei rund 1 Mrd. Euro. In den kommenden drei Jahren (2026-2028) will der Energiekonzern insgesamt rund 6,8 Mrd. Euro in die Hand nehmen, rund 4 Mrd. Euro davon in Österreich. Etwa 2,5 Mrd. Euro fließen in den Ausbau der Netze, 2,1 Mrd. Euro in Photovoltaik- und Windkraftanlagen und 1,4 Mrd. Euro in die Wasserkraft. Für den Ausbau von Stromspeichern und Innovationsprojekte gibt das Unternehmen rund 820 Mio. Euro aus. "Investitionen müssen verdient werden", sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Auch er warnte davor, die Beiträge der Energiewirtschaft zum Budget und zur Abfederung der Energiepreise weiter zu erhöhen, um die Investitionen des Unternehmens nicht zu gefährden. Denn diese seien "eine Vitaminspritze für den Wirtschaftsstandort".
Weniger Wasserkraft-Erzeugung wegen Trockenheit
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank im Vorjahresvergleich um 21,3 Prozent auf 2,74 Mrd. Euro. Das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis lag mit 1,47 Mrd. Euro um 25,5 Prozent unter dem Wert von 2024. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging insgesamt um 24,2 Prozent auf 25.370 Gigawattstunden (GWh) zurück. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag mit 0,79 um 21 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Gegenüber dem Rekord-Wasserjahr 2024 lag der Wert um 30 Prozentpunkte niedriger. Auch die Erzeugung der Wind- und Photovoltaikanlagen war aufgrund eines geringeren Dargebots rückläufig.
Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis für Strom aus Wasserkraft fiel am Großhandelsmarkt leicht um 1,7 Euro auf 116,3 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im laufenden Jahr 2026 ist der Strompreis bisher weiter gesunken, im Durchschnitt lag der Absatzpreis heuer bei 85,7 Euro/MWh. Die Folgen des Iran-Krieges seien hier noch nicht sichtbar. Den Aktionärinnen und Aktionären wird für 2025 eine Dividende von 3,15 Euro je Aktie vorgeschlagen. Diese setzt sich aus einer ordentlichen Dividende von 2,00 Euro und einer Sonderdividende von 1,15 Euro zusammen. Die Sonderdividende entspricht einem Betrag von rund 400 Mio. Euro, die ordentliche Dividende beläuft sich insgesamt auf 620 Mio. Euro.
Weiterer Ergebnisrückgang für 2026 erwartet
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet der Verbund einen weiteren Ergebnisrückgang. Auf Basis einer durchschnittlichen Eigenerzeugung prognostiziert das Unternehmen ein EBITDA zwischen rund 2,0 und 2,5 Mrd. Mio. Euro sowie ein Konzernergebnis zwischen 900 Mio. und 1,2 Mrd. Mio. Euro. Die geplante Ausschüttungsquote soll zwischen 45 und 55 Prozent des um Einmaleffekte bereinigten Konzernergebnisses liegen.
cgh/ivn/bel
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