Der Dax dürfte angesichts
leicht gesunkener Ölpreise seinen Stabilisierungsversuch am Mittwoch
fortsetzen. In der dritten Woche des Iran-Kriegs stützen sich die
Hoffnungen der Anleger darauf, "dass sich der feste Griff des Iran
um den globalen Energiemarkt Schritt für Schritt lockern wird",
erklärte Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank.
Zum einen wachse weltweit der politische Druck auf US-Präsident
Trump, die Straße von Hormus wieder passierbar zu machen. Zum
anderen verlagerten Saudi-Arabien und der Irak ihre Exporte und
nutzten Pipelines, um Öl zu sicheren Häfen zu bringen. "Das ist eine
große Sache für den Ölmarkt. Wenn dadurch auch nicht die gesamte
Ölproduktion dieser Länder exportiert werden kann, wie Stanzl sagte,
"verliert die iranische Blockade der Meerenge von Hormus dadurch ein
Stück weit an Bedeutung".
Der X-Dax signalisiert für den deutschen Leitindex
rund eine Stunde vor Handelsbeginn ein Plus von 0,7 Prozent auf
23.900 Punkte. Damit würde der deutsche Leitindex die exponentielle
200-Tage-Linie wieder überspringen. Sie ist charttechnisch gesehen
ein wichtiger Gradmesser für den längerfristigen Trend.
Abgesehen vom Iran-Krieg samt der Ölpreis-Entwicklung rückt an
diesem Abend die US-Notenbank Fed in den Blick. Die
Leitzinsentscheidung in den USA steht auf dem Programm. Im aktuell
stark verunsicherten Umfeld wird die Fed zwar kaum an den
Stellschrauben drehen, doch marktbewegend könnten ihre Aussagen
sein. Zuletzt waren grundsätzliche Zinssenkungshoffnungen am Markt
ausgepreist worden. Zudem waren angesichts des befürchteten
Inflationsanstiegs, der durch den hohen Ölpreis zu erwarten ist,
sogar erste Unsicherheiten über mögliche Zinsanhebungen aufgekommen.
Daher sind nach den Worten der Helaba-Experten "die Stabsprognosen
zu Wachstum und Inflation" wesentlich.
Unternehmensseitig bleibt der Blick - wie bereits am Vortag - vor
allem auf Aktien aus der zweiten und dritten Reihe. So rechnet der
Kochboxenversender Hellofresh im laufenden Jahr mit
einem Umsatzrückgang, der allerdings höher ausfällt, als Analysten
bisher erwartet hatten. "Schwer, etwas Positives zu finden, obwohl
die Papiere schon kräftig haben Federn lassen müssen", beurteilte
ein Händler Zahlenwerk und Ausblick. Auf der Handelsplattform
Tradegate gab die Aktie im Vergleich zum Xetra-Börsenschluss am
Vortag nach und fällt weiter in Richtung des bisherigen Rekordtiefs
vom Juni 2024.
Der Autozulieferer Aumovio erwartet zwar ebenfalls
2026 einen Umsatzrückgang, mit Blick auf das vorgelegte Zahlenwerk
lobte die US-Bank JPMorgan aber die Verbesserung der Profitabilität.
Die Aktie des Autozulieferers erholte sich auf Tradegate
vorbörslich.
Auch für TAG Immobilien ging es auf Tradegate nach
oben. Der Immobilienkonzern profitierte im vergangenen Jahr weiter
von der hohen Nachfrage nach Wohnraum und übertraf seine im November
höher gesteckten Gewinnziele.
Außerhalb der Dax-Familie, die aus Dax, MDax , SDax
und TecDax besteht, brachen die
Papiere der Thyssenkrupp -Tochter Nucera
vorbörslich wegen einer Umsatz- und Gewinnwarnung
ein. Sie sackten auf Tradegate um fast 10 Prozent ab. Ein Händler
sprach von im Raum stehenden "Fragen zur Zukunft des Geschäfts mit
grünem Wasserstoff und den offensichtlich großen strukturellen
Problemen in diesem Bereich".
Im Dax dürften Umstufungen die Papiere von Beiersdorf
und Heidelberg Materials bewegen. So strich die
US-Bank JPMorgan ihre positive Bewertung für die Aktie des
Konsumgüterherstellers Beiersdorf und ist nun neutral gestimmt. Die
US-Bank Morgan Stanley dagegen hob Heidelberg Materials um gleich
zwei Stufen von "Underweight" auf "Overweight". Während Beiersdorf
sich vorbörslich fast unverändert zeigten, legten die Papiere des
Baustoffherstellers deutlich zu auf Tradegate./ck/stk