Aktien Frankfurt: Dax baut dank freundlicher US-Börsen Erholungsgewinne aus
Der Dax hat am Dienstag nach
einem zunächst nur wenig veränderten Verlauf an seine
Erholungsgewinne vom Wochenauftakt angeknüpft. Die erneut leicht
gestiegenen Ölpreise bleiben aber weiter im Fokus, auch wenn sich
die meisten Anleger mit Blick auf die Handelsumsätze "offensichtlich
dazu entschieden haben, die aktuelle Krise ohne große
Handelstätigkeit auszusitzen", wie Portfoliomanager Thomas Altmann
von QC Partners sagte.
Am Nachmittag legte der deutsche Leitindex um 0,9 Prozent auf 23.783
Punkte zu. Eine nachhaltige Erholung ist - zumindest charttechnisch
gesehen - allerdings erst bei um die 24.200 Punkte zu erwarten. Der
MDax der mittelgroßen Werte gewann 1,5 Prozent auf
29.395 Zähler. Europaweit sah es an den Börsen ähnlich aus und zudem
starteten in den USA die wichtigsten Indizes mit Gewinnen.
Am zwölften Handelstag, seit die USA und Israel den Militärschlag
gegen den Iran gestartet haben, scheinen die Hoffnungen auf ein
rasches Ende des Kriegs immer noch recht hoch zu sein. Ein länger
andauernder Konflikt würde vor allem Europa und Asien wegen ihrer
deutlich höheren Importabhängigkeit für Öl und Gas treffen. Die USA
sind dagegen weitgehend autark.
Zunehmend in den Blick rücken zudem die großen Zentralbanken, denn
am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über ihren Leitzins und
am Donnerstag die EZB. Spontane Zinsveränderungen werden zwar als
unwahrscheinlich angesehen, doch erhoffe man sich "von den
schriftlichen Statements oder zumindest von den Fragerunden mehr
Einblicke, ob die Erwartung steigender Leitzinsen in der Eurozone
und ausbleibender Zinssenkungen in den USA richtig ist", sagte
Altmann.
Auch ohne den Iran-Krieg agiere die Fed bereits seit längerem im
Spannungsfeld zwischen einer hartnäckigen Inflation und einem
schwächelndem Arbeitsmarkt, gab DZ-Bank-Analyst Christian Lenk zu
bedenken. Die Auswirkungen des Krieges dürften das Dilemma
allerdings noch verschärfen.
Die steigenden Preise für Energie sorgten im Dax für Kursgewinne bei
Eon , Siemens Energy und RWE
. Eon nahmen die Index-Spitze ein mit plus 3,1
Prozent. Siemens Energy gewannen 2,7 Prozent und RWE 1,4 Prozent.
Rheinmetall gaben dagegen nach der jüngsten
Kurserholung der Rüstungsaktie am Dax-Ende um 1,3 Prozent nach.
Die Aufmerksamkeit der Anleger galt zudem Einzelwerten aus der
zweiten und dritten Börsenreihe. So teilte der Labor- und
Pharmazulieferer Sartorius seine neuen
Mittelfristziele ab 2027 mit. Die Aktie war mit plus 7,4 Prozent
Favoriten im MDax. Nach den vorangegangenen überdurchschnittlichen
Kursverlusten herrschte nun Erleichterung über die vom Management
selbst als "realistisch, aber ambitioniert" bezeichneten Prognosen.
Die Fraport -Aktie sprang um 6,8 Prozent hoch. Zwar
wird am Frankfurter Flughafen auch 2026 noch nicht wieder das
Fluggast-Aufkommen erwartet, das es vor der Corona-Krise gegeben
hatte, doch Analysten zeigten sich zufrieden mit den Zahlen und den
Zielen des Flughafenbetreibers. Unter anderem wurde der freie
Barmittelfluss positiv hervorgehoben, der im Vorjahr erstmals seit
2018 wieder positiv war. "Und damit ein Jahr früher", wie es bei
JPMorgan hieß.
Thyssenkrupp profitierten mit plus 7,3 Prozent von
einem Auftrag für die Tochter Nucera . Der
Anlagenbauer für Elektrolysetechnologien hat einen Vertrag für ein
Wasserstoffprojekt in Indien unterzeichnet. Nucera selbst stiegen um
2,2 Prozent.
Im SDax hatten Springer Nature die
Nase vorn mit plus 8,1 Prozent. Der Wissenschaftsverlag steigerte im
abgelaufenen Jahr den Umsatz und den operativen Gewinn und gab zudem
laut Händlern einen überraschend starken Ausblick. Energiekontor
sackten dagegen am Ende des Nebenwerte-Index nach
einem Analystenkommentar um knapp 10 Prozent ab./ck/men