Aktien Frankfurt: Dax trotz hoher Ölpreise nur knapp im Minus
Der Dax gibt am Donnerstag in
einem Umfeld wieder steigender Ölpreise nur moderat nach. Anleger
reagierten gelassener als noch am Montag darauf, dass ein Fass der
Nordsee-Ölsorte Brent zeitweise wieder mehr als 100 US-Dollar
kostete und zuletzt nah an dieser Preismarke verblieb. Positive
Reaktionen auf einige Unternehmensberichte halfen dem Dax beim
Begrenzen seiner Verluste.
Der deutsche Leitindex sank am Nachmittag zu Zeiten des
US-Handelsstarts um 0,3 Prozent auf 23.564 Zähler. Eine noch
deutlichere Annäherung an das Montagstief von 22.927 Punkten, die am
frühen Morgen befürchtet wurde, blieb damit aus. Der MDax
gab nur denkbar knapp auf 29.411 Punkte nach. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx dagegen fiel etwas
deutlicher um 0,8 Prozent.
Maßgeblich für Anleger bleibt die Entwicklung der Öl- und Gaspreise,
weil der von den USA und Israel angegriffene Iran immer stärker die
Energiewirtschaft in der Golfregion ins Visier nimmt. Die am Vortag
von der Internationalen Energieagentur (IEA) angekündigte Freigabe
strategischer Ölreserven zeigte keine entspannende Wirkung. Laut dem
UBS-Experten Henri Patricot bringt dies nur Zeitgewinn, ohne etwas
Grundlegendes an der Situation zu ändern.
Spitzenreiter im Leitindex waren die Zalando-Aktien,
die um 12 Prozent nach oben sprangen. Verwiesen wurde auf Zahlen
über den Erwartungen, ein angekündigtes Aktienrückkaufprogramm und
erfreuliche Zielsetzungen. Für 2026 bleibt der Online-Händler
optimistisch, indem er weiter wachsen und dabei auch auf die
Anwendung von KI setzen will.
Gewinne gab es auch bei Daimler Truck . Ein Anstieg um
4,4 Prozent dürfte manch einen Anleger überrascht haben, der früh am
Morgen noch auf fallende Kurse gesetzt hatte. Der Ausblick des
Nutzfahrzeugbauers enttäuschte zwar auf den ersten Blick, doch dem
standen ein solides viertes Quartal und positive Aussagen zur
Auftragsentwicklung gegenüber.
Nach Zahlenvorlagen gab es außerdem Gewinne zwischen zwei und drei
Prozent bei Brenntag , RWE und Hannover
Rück . Der Rückversicherer aus Hannover überzeugte die
Anleger mit einer höher als gedachten Dividende, während beim
Energiekonzern RWE der langfristige Ausblick gut ankam. Der
Chemikalienhändler Brenntag will seinen Sparkurs wegen anhaltendem
Gegenwind noch einmal verschärfen.
Auch anziehende Kurse im Rüstungssektor verhinderten, dass sich der
Leitindex seinem jüngsten Tief deutlicher näherte. Rheinmetall
erholten sich um 1,8 Prozent von ihrem Jahrestief,
wozu das italienische Branchenunternehmen Leonardo
mit einem starken Ausblick einen bedeutenden Impuls gab.
Nach der Zahlenvorlage gaben BMW jedoch um 1,2
Prozent nach. Die Aktien des Autobauers dämmten ihre anfänglichen
Verluste aber auch etwas ein in der Erwartung, dass sich die im
vierten Quartal enttäuschende Marge im Automobilgeschäft 2026 wieder
bessert. Den Ausblick für den freien Mittelzufluss bezeichnete
JPMorgan-Experte Jose Asumendi als stark.
Hinten im Dax versammelten sich Finanzwerte, die europaweit stark
unter Druck standen - wie schon länger im Iran-Krieg. Die Branche
gilt als besonders abhängig davon, welchen Einfluss hohe
Energiepreise auf die Konjunktur nehmen. Neben der Gefahr steigender
Kreditrisiken geht das Schlagwort Stagflation um - also
stagnierendes Wachstum bei gleichzeitiger Inflation. Titel der
Deutschen Bank büßten am Donnerstag 5,4 Prozent ein.
In den hinteren Börsenreihen entwickelte sich K+S mit
einem Kurssprung um 12 Prozent zum auffälligsten Wert. Die Aktien
behielten damit unverändert ihre Attraktivität in Zeiten des
Iran-Kriegs, weil beachtliche Kapazitäten am Kalimarkt aus Nahost
stammen. Experten lobten die Jahresziele des Düngemittelkonzerns,
die leicht über den Erwartungen lägen. Der Kurs erreicht ein Hoch
seit September 2023./tih/stk