ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Schwächste Dax-Woche seit US-Zollhammer
Konjunktur- und Inflationssorgen wegen des
Iran-Krieges haben dem Dax die schwächste Woche seit
dem US-Zollgewitter im April 2025 eingebrockt. Hinzu kamen triste
US-Arbeitsmarktdaten, die ebenfalls für Konjunkturunsicherheiten
sorgten. Der deutsche Leitindex fiel am Freitag um fast ein Prozent
auf 23.591,03 Punkte. Für die Woche ergibt sich damit ein
Kursverlust von 6,70 Prozent.
Vor einer Woche hatte der Dax sich noch seinem Rekord von 25.507
Zählern aus dem Januar bis auf rund 100 Punkte genähert, dann aber
machte der Angriff der USA und Israels auf den Iran den Anlegern
einen Strich durch die Rechnung.
Der MDax der mittelgroßen Werte schloss am Freitag
mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent auf 29.482,78 Punkte. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um gut ein
Prozent. In London und Zürich ging es auch deutlich nach unten. Der
US-Leitindex Dow notierte zum europäischen Börsenschluss rund ein
Prozent tiefer, ebenso der technologiewertelastige Nasdaq 100
.
"Die Investoren haben nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den
USA und vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende kalte Füße
bekommen und sich aus Aktien weiter zurückgezogen", sagte Andreas
Lipkow vom Broker CMC Markets. Die Situation im Nahen Osten
verbessere sich nicht und es sehe derzeit nicht nach einem schnellen
Ende des Krieges der USA und Israels gegen den Iran aus.
Mittlerweile forderte US-Präsident Donald Trump eine "bedingungslose
Kapitulation" des Iran. Die Kampfkraft des Landes ist nach
US-Einschätzung infolge der Attacken zwar erheblich geschwächt,
dennoch versucht die iranische Führung, den Krieg im gesamten Nahen
Osten auszuweiten, Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten werden
ins Visier genommen. Auch ist der Schiffsverkehr in der Straße von
Hormus - einem Nadelöhr des globalen Öl- und Gashandels - laut der
Marineberatungsgruppe Joint Maritime Information Center (JMIC)
mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
Die daher stark gestiegenen Öl- und Gaspreise bringen
Inflationsgefahren mit sich. Je länger der Krieg andauert, desto
größer werden diese. Allerdings bleiben Experten vorerst
zuversichtlich, dass die Situation beherrschbar bleibt. So geht
Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, in seinem
Basisszenario von einem eher kurzen, höchstens dreimonatigen Krieg
aus. "Ein viel schnelleres Kriegsende erscheint uns weniger
realistisch, eine viel längere Dauer mit etwa einer monatelangen
Schließung der Straße von Hormus Stand heute ebenfalls", erklärt
Greil.
Gefragt waren angesichts der geopolitischen Unsicherheiten einmal
mehr Rüstungsaktien. An der Dax-Spitze legten Rheinmetall
um knapp 3 Prozent zu. Im MDax lagen die
Anteilsscheine des Panzergetriebe-Herstellers Renk
mit einem Kursplus von gut 7 Prozent vorn. Die Papiere des
U-Boot-Bauers TKMS und des
Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt waren auch
weit vorn dabei.
Als klares Schlusslicht im MDax brachen die
Anteilsscheine von Lanxess um mehr als 17 Prozent
ein. Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am
Gemeinschaftsunternehmen Envalior hatte bei den Aktionären einmal
mehr Sorgen mit Blick auf die Finanzierung des Spezialchemiekonzerns
geweckt.
Im Sog von Lanxess sackte der Kurs von Wacker Chemie
um 7,7 Prozent ab. Die Entscheidung des Finanzinvestors Advent, die
restlichen Anteile an Envalior zumindest jetzt noch nicht von
Lanxess zu kaufen, sei auch ein negatives Signal für Wacker Chemie,
erklärte Branchenexperte Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan. Es
unterstreiche, in welch schwierigem Umfeld zyklische
Chemieunternehmen derzeit operierten.
Im Dax rutschten die Aktien von Infineon
mit einem Minus von fast 7 Prozent auf den letzten
Platz, nachdem die Analysten der Schweizer Großbank UBS ihre
Kaufempfehlung gestrichen hatten. Die Kurskorrektur des Chipkonzerns
seit dem Mehrjahreshoch gegen Ende Februar ging damit erst einmal
weiter. Analyst Francois-Xavier Bouvignies bleibt mittelfristig zwar
optimistisch, sieht zunächst aber Risiken, die das Kurspotenzial
einschränken sollten. So lasse das KI-Umsatzziel bis 2027 nur wenig
Luft nach oben.
Dank gleich mehrerer positiver Analystenkommentare stabilisierten
sich die Papiere von DHL nach ihren deutlichen
Vortagesverlusten. Sie stiegen um gut ein halbes Prozent. Die
Verwerfungen in den Frachtmärkten durch den Iran-Krieg kämen dem
Logistik-Konzern mit seinem großen, flexiblen Netz zupass, schrieb
etwa die Expertin Muneeba Kayani von der US-Investmentbank Bank of
America. Am Vortag hatte der von geopolitischer Unsicherheit
geprägte Ausblick Anleger noch verschreckt./mis/jha/