Österreichische Staatsanleihen geben überwiegend weiter nach / Inflationssorgen nach Ölpreisschub
Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben am Freitagnachmittag mehrheitlich nachgegeben. Sie setzten den Trend der Vortage fort. Bestimmendes Thema blieben Sorgen über mögliche Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Inflationsentwicklung.
Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe stieg um 5 Basispunkte auf 3,18 Prozent. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 32 Basispunkte. Der deutsche Euro-Bund-Future fiel um 0,17 Prozent auf 128,13 Punkte.
Im Fokus bleiben die Auswirkungen des Angriffs der USA und Israels auf den Iran, in dem kein Ende in Sicht ist. Irans Kampfkraft ist zwar nach US-Einschätzung erheblich geschwächt - dennoch weitet Teheran den Krieg im gesamten Nahen Osten weiter aus. US-Präsident Donald Trump kündigte inzwischen an, kein Abkommen mit dem Land abschließen zu wollen. Stattdessen müsse es auf eine "bedingungslose Kapitulation" hinauslaufen, forderte er am Freitagnachmittag auf seiner Plattform Truth Social.
Vor diesem Hintergrund beschleunigten die Ölpreise ihren Höhenflug weiter. Am Nachmittag wurde Brent-Rohöl Brent erstmals seit April 2024 über 90 US-Dollar gehandelt. Dies schürt wiederum die Sorgen vor einem steigenden Inflationsdruck und dass dieser die Notenbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik zwingen könnte. An den Terminmärkten wird bereits mit ein bis zwei kleinen Zinsanhebungen im Euroraum in diesem Jahr gerechnet.
"Die Märkte scheinen davon auszugehen, dass für die EZB die Inflationsgefahren stärker wiegen würden (als eine dadurch ausgelöste schwächere Konjunktur, Anm.)", schrieb Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer. Er rechnet aber auch im Szenario eines längeren Kriegs mit Ölpreisen über 100 US-Dollar mit stabilen Leitzinsen: "Denn die Notenbanker würden wohl argumentieren, dass die EZB dem mittelfristigen Inflationsziel von 2 Prozent verpflichtet sei, das durch einen vorübergehenden, größtenteils von den Energiepreisen getriebenen Anstieg der Inflationsrate nicht gefährdet wäre."
Enttäuschende Daten vom US-Arbeitsmarkt verkamen vor dem Wochenende zur Randnotiz. In der weltgrößten Volkswirtschaft ist die Arbeitslosenquote im Februar unerwartet gestiegen. Die Beschäftigtenzahl ging überraschend zurück.
Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:
Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten) 2 Jahre 2,37 2,26 0,11 2 5 Jahre 2,71 2,62 0,08 16 10 Jahre 3,18 3,13 0,05 32 30 Jahre 3,72 3,75 -0,03 33
spa/mik