Nach den starken Verlusten seit Wochenbeginn
hat sich der deutsche Aktienmarkt am Freitag zunächst stabilisiert.
Der Leitindex Dax legte um 0,8 Prozent auf 24.010
Punkte zu; die Wochenbilanz ist mit einem Minus vom 5 Prozent
aktuell tiefrot. Für einen höheren Verlust muss man zurückschauen
bis Anfang April, als der neue alte US-Präsident Donald Trump die
Finanzmärkte mit seinen Zollankündigungen in Aufruhr versetzt hatte.
Der Iran-Krieg bleibt das beherrschende Thema an den Börsen. Irans
Kampfkraft ist zwar nach US-Einschätzung erheblich geschwächt -
dennoch weitet Teheran den Krieg im gesamten Nahen Osten weiter aus.
"Der Angriff auf den Iran ist angesichts der Dimension des
Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten mit
Risiken verbunden. Aus ökonomischer Sicht lauten diese Risiken, dass
die Ölförderanlagen in der Region durch den Iran systematisch
zerstört werden und dass der Transportweg durch die Straße von
Hormus absehbar für lange Zeit geschlossen bleibt", schrieb Ulrich
Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.
Beide Risiken haben sich dem Experten zufolge in den ersten Tagen
seit den ersten Luftangriffen nicht materialisiert. Wenn die Deutung
richtig sei, dass der Iran und seine Helfer in der Region zu einer
umfassenden Aktion nicht in der Lage sind, dann blieben die
Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Finanzmärkte weiter
relativ moderat.
Der MDax der mittelgroßen Werte stieg am Freitag um
1,2 Prozent auf 30.045 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
gewann 0,7 Prozent.
Unter den Einzelwerten hierzulande erholten sich DHL
von ihren deutlichen Vortagesverlusten. Dank positiver
Analystenkommentare zogen die Aktien an der Dax-Spitze um gut drei
Prozent an. Die Verwerfungen in den Frachtmärkten durch den
Iran-Krieg kämen dem Logistik-Konzern mit seinem großen, flexiblen
Netzwerk zupass, schrieb etwa die Expertin Muneeba Kayani von der
US-Investmentbank Bank of America. Am Donnerstag hatte der von
geopolitischer Unsicherheit geprägte Ausblick die Anleger
verschreckt.
Als klares Schlusslicht im MDax brachen die Anteilsscheine von
Lanxess zum Wochenschluss um mehr als zehn Prozent
ein. Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am
Gemeinschaftsunternehmen Envalior hatte bei den Aktionären einmal
mehr Sorgen in puncto Finanzierung des Spezialchemiekonzerns
geweckt.
Demgegenüber stiegen die Aktien der Lufthansa um 3,7
Prozent. Geringere Spritkosten und weniger Ausgaben für verspätete
Flüge hatten der Fluggesellschaft 2025 im Tagesgeschäft mehr Gewinn
eingebracht. Für 2026 stellte Vorstandschef Carsten Spohr trotz der
Verwerfungen durch den Iran-Krieg eine weitere deutliche Steigerung
in Aussicht./la/mis