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Nomura-Analyst Goodwin: Rally an den Aktienmärkten ist vorbei

Die jüngste Erholungsphase an den weltweiten Aktienmärkten ist nach Ansicht des japanischen Brokers Nomura Holdings Inc. bereits wieder vorbei. Die siebenwöchige Rally sei am 20. April zu Ende gegangen, sagte Analyst Fred Goodwin in London im Interview mit Bloomberg News.

Laut Goodwin werden die Märkte den Anlegern bald wieder Sorgenfalten bereiten. Überhaupt sei das bisherige Börsengeschehen in diesem Jahr von Hoffen und Bangen geprägt. Anleger hielten die derzeitige Konjunkturschwäche für eine "normale Rezession" und rechneten daher auch mit einer normalen Erholung. Die starken deflationären Tendenzen seien aber noch nicht in ihr Blickfeld gerückt. "Diese Rezession ist anders", sagte Goodwin, der für Nomura den Bericht "Mr. Macro" verfasst.

Den wirtschaftlichen Abschwung in den USA, Deutschland und anderen Ländern bezeichnete der Experte als "Balance-Sheet- Recession". Dieser Begriff, den Nomuras Volkswirt Richard Koo geprägt hat, beschreibt die Entwicklung Japans in den 1990-ern. Bei einer Balance-Sheet-Recession nehmen Unternehmen und Verbraucher weniger Kredite auf, sparen mehr und geben weniger aus, so Goodwin. Dies schüre die Deflation und beeinträchtige die Wachstumsaussichten auf Jahre hin.

In den sieben Wochen bis zum 17. April hatte das US- Börsenbarometer S&P 500 Index 29 Prozent zugelegt. Am 20. April verlor der US-Leitindex mehr als vier Prozent und konnte die Verluste bislang nicht wieder wettmachen. Am 9. März, zu Beginn der Rally, riet Goodwin angesichts niedriger Bewertungen zu Aktienkäufen. Allerdings nannte er die Erholungsphase von vorne herein eine "Bärenmarkt-Rally".

Nun empfiehlt Goodwin, deutsche Aktien leer zu verkaufen und Bundesanleihen unter dem Aspekt steigender Kurse zu kaufen. Darüber hinaus rät er zu Optionen auf den europäischen Interbankensatz Euribor. Das Kalkül: Durch die Turbulenzen in Osteuropa könne bei europäischen Banken die Kreditkrise wieder zum Thema werden. Durch Verkaufsoptionen könnten Anleger von steigenden Interbankensätzen profitieren. "Meine negative Einschätzung beruht vor allem auf Europa", sagte Goodwin.

Auch der anhaltend hohe Kapitalbedarf der Banken wird nach Einschätzung Goodwins die Aktienmärkte belasten. Denn die Hilfsmittel der US-Regierung sind fast ausgeschöpft: Von den 700 Mrd. Dollar (528 Mrd. Euro), die Washington zur Stützung der Banken vorgesehen hat, sind nach Angaben des Finanzministeriums nur noch rund 134,5 Mrd. Dollar übrig. Wenig Gutes verspricht sich Goodwin auch von den Stress-Tests für Banken. Sollten die Prüfer weiteren Kapitalbedarf feststellen, könnte dies Panikverkäufe an den Märkten auslösen, sagte er. Sollten sie hingegen zu dem Resultat kommen, dass die Banken ausreichend kapitalisiert seien, misstrauten Investoren dem Ergebnis.

Goodwin konzentriert sich auf kurzfristige Marktbewegungen. Wenn die Kurse unter das Niveau vom März sinken sollten, könne er auch wieder zu Aktienkäufen raten, erklärte der Stratege.

( Bloomberg )