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Europas Alternativen: Neue Handelsabkommen federn Zollunsicherheiten, Exportverluste und steigende (kritische) Abhängigkeiten ab Hamburg (ots) -
- Exportbedrohung: Neue US-Zölle könnten in der EU zu Exportverlusten von jährlich 54 bis 85 Milliarden US-Dollar (Mrd. USD) führen - Alternativen am Start: Neue EU-Handelsabkommen mit Mercosur-Staaten und Indien können Großteil kompensieren - Potenziale: Europäischer Binnenmarkt und vielversprechende neue Handelspartnerschaften reduzieren Abhängigkeiten - Kritische Abhängigkeiten: Europäisches Handelsdefizit mit China hat sich verdoppelt, in Deutschland fast verfünffacht
Die jüngsten Zollentwicklungen sorgen für weiterhin hohe Unsicherheit: In der Europäischen Union (EU) könnten die Zölle in Höhe von 10 % gemäß "Section 122" des US-Handelsgesetzes von 1974 zu Exportverlusten von jährlich 54 bis 85 Milliarden US-Dollar (Mrd. USD) führen. Das schätzt der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade in seiner jüngsten Analyse.
"Alternativen müssen her - und es gibt durchaus vielversprechende Optionen", sagt Ana Boata, Head of Economic Research bei Allianz Trade. "Europa braucht beim Handel dringend mehrere Standbeine, um Schocks abzufedern und Abhängigkeiten zu reduzieren. In den USA drohen zwar Exportverluste, aber die Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien könnten zusammen Exportgewinne[1] in Höhe von rund 46 Mrd. USD einbringen und damit einen Großteil abfedern. Europa sollte zudem den eigenen Binnenhandel stärken sowie weitere tragfähige Handelspartnerschaften ausbauen. Eine Ausweitung des Freihandels nach Südostasien (ASEAN-Staaten[2]) würde beispielsweise weitere fast 17 Mrd. USD bringen. Eine weitreichende Integration in die zwölf CPTPP-Märkten[3] könnte sogar Exportgewinne in Höhe von fast 65 Mrd. USD freisetzen."
Europäisches Handelsdefizit mit China hat sich verdoppelt, in Deutschland fast verfünffacht
Insgesamt ist die Handelsbilanz der EU positiv und wächst. Allerdings kaschiert dies dahinterliegende, teils kritische Abhängigkeiten. Diese haben sich seit der Pandemie weiter verschärft und zwar insbesondere von China und den USA: Das Handelsdefizit der zehn größten EU-Staaten gegenüber China hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt von -156 Mrd. EUR auf fast -300 Mrd. EUR. Der Handelsüberschuss gegenüber den USA hat sich - trotz der Zölle - um ein Drittel (+34 %) erhöht von 95 Mrd. EUR auf 127 Mrd. EUR.
"Nirgendwo ist diese Verschiebung so auffällig wie bei China und in keinem europäischen Land ist die Importabhängigkeit so intensiv wie in Deutschland", sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "In Deutschland hat sich das Handelsdefizit gegenüber China in den vergangenen Jahren fast verfünffacht und beträgt nun -67 Mrd. EUR. Auf der Exportseite sind die USA trotz der Zölle ein unverzichtbarer Nachfrageanker für deutsche Unternehmen."
Gegenüber den USA verzeichnete die deutsche Wirtschaft einen Handelsüberschuss von 72 Mrd. EUR und liegt damit im EU-Vergleich weit vor Irland (50 Mrd. EUR) und Italien (39 Mrd. EUR).
USA: Unersetzbarkeit von europäischen Produkten steigt trotz Zöllen
"Für Unternehmen ist es einerseits beruhigend, dass die Unersetzbarkeit der europäischen Produkte für die USA trotz der Zölle offenbar zunimmt", sagt Bogaerts. "Andererseits offenbart dies gleichzeitig die asymmetrische und teilweise kritische Abhängigkeit von sowohl China als auch den USA sowie die europäische Anfälligkeit für geopolitische Risiken, Protektionismus und Lieferkettenunterbrechungen. Neue Märkte und Handelsabkommen bieten Unternehmen in diesem Umfeld gute Chancen, ihr Geschäft und Lieferketten zu diversifizieren - und damit die Unsicherheit etwas einzudämmen."
Europäische Souveränität ist Spagat zwischen großen Handelsmächten
Ein Grund des wachsenden Handelsdefizits mit China ist die zunehmende Abhängigkeit Europas von chinesischen Industriegütern: Die Zahl der Produkte, bei denen die 27 EU-Staaten eine kritische Abhängigkeit[4] von China aufweisen, ist von 253 im Jahr 2016 (im Wert von 110 Mrd. USD) auf fast 400 im Jahr 2024 (im Wert von 184 Mrd. USD) gestiegen.
"Europa muss seine Handelspolitik als Instrument der wirtschaftlichen Sicherheit und geopolitischen Einflussnahme aktuell neu definieren", sagt Boata. "Die Souveränität und effiziente Versorgungssicherheit ist gleichzeitig ein schwieriger Spagat zwischen zwei großen Handelsmächten. Um diesen zu meistern braucht es mehr Europa und Binnenhandel, mehr Handelspartnerschaften und mehr Konzentration auf renditestarke Investitionen, um kritische Abhängigkeiten zu reduzieren. Allerdings mit Pragmatismus und nicht 'um jeden Preis'. Nicht in allen Bereichen sind Alternativen sinnvoll und effizient umsetzbar."
Das Gute liegt ganz nah? Mittel- und Osteuropa bieten Potenziale
Eine Simulationen zur Substitution chinesischer Importe (520 Mrd. EUR) durch eine Produktion in Mittel- und Osteuropa zeigt beispielsweise nur minimale Inflationsauswirkungen. Selbst bei einer Umleitung von 25 % der Importe aus China in mittel- und osteuropäische Länder (Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Slowakei) würde nach den Berechnungen von Allianz Trade der Verbraucherpreisindex der Eurozone in der Spitze wahrscheinlich nur um etwa 0,1 Prozentpunkte (pp) steigen. Gleichzeitig würden die Multiplikatoren des innereuropäischen Handels das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um +0,1 bis +0,25 Prozentpunkte steigern. Mittel- und Osteuropa ist aufgrund höherer Arbeitskosten zwar teurer als China. Diese Mehrkosten können jedoch teilweise durch kürzere Transportwege, geringere Lagerhaltungskosten und reduzierte Koordinationskosten ausgeglichen werden.
Die vollständige Studie finden Sie beigefügt und hier:
https://bit.ly/4ryYXYl
Die Pressemeldung und Studie zu den Auswirkungen des US-Zollurteils finden Sie hier:
https://bit.ly/47dOTMf
Die Studie zu den Potenzialen der verschiedenen Handelsabkommen finden Sie beigefügt und hier:
https://bit.ly/4r0nNzw
[1] Detaillierte Berechnung: https://bit.ly/4r0nNzw
[2] ASEAN: Association of Southeast Asian Nations hat die zehn Mitgliedsstaaten Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam.
[3] CPTPP: Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership steht für umfassendes und fortschrittliches Abkommen für die Transpazifische Partnerschaft und ist eines der größten Freihandelsabkommens mit Schwerpunkt auf den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum. Die 12 Mitgliedsstaaten sind Australien, Brunei, Chile, Großbritannien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam.
[4] Die EU27 weist eine kritische Abhängigkeit von China für das Produkt "X" auf (China ist somit ein kritischer Lieferant des Produkts "X" für die EU27), wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind: (i) Die EU27 ist Nettoimporteur des Produkts "X", (ii) mehr als 50 % der Importe der EU27 des Produkts "X" stammen aus China und (iii) Chinas weltweiter Exportmarktanteil für Produkt "X" übersteigt 50 %.
Allianz Trade ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und anerkannter Spezialist für Bürgschaften und Garantien, Inkasso sowie Schutz gegen Betrug oder politische Risiken. Allianz Trade verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an, um sie im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen.
Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert die Allianz Trade Gruppe täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 83 Millionen kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen. Insgesamt umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen.
Mit dieser Expertise macht die Allianz Trade Gruppe den Welthandel sicherer und gibt den weltweit über 70.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte und deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating von Standard & Poor's ist die Holding von Allianz Trade mit Sitz in Paris im Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite seiner Kunden.
Das Unternehmen ist in über 40 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 5.800 Mitarbeiter weltweit. 2024 erwirtschaftete die Allianz Trade Gruppe einen konsolidierten Umsatz von EUR 3,8 Milliarden und versicherte weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 1.400 Milliarden.
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