Aktien Europa: Nervosität wegen US-Zollunsicherheit legt sich rasch
Am europäischen Aktienmarkt zeigen
sich die Anleger am Montag nicht verängstigt von der wieder
aufflammenden Zollunsicherheit. Der EuroStoxx 50
machte seine anfänglichen Verluste zuletzt mit 6.133 Punkten
komplett wett. Der Indexstand bedeutete im Vergleich zum Freitag ein
knappes Plus von 0,03 Prozent.
Außerhalb der Eurozone war das Bild ähnlich: Der britische Leitindex
FTSE 100 schaffte es mit 10.693 Zählern zuletzt auch
knapp ins Plus, genauso wie der Schweizer SMI mit
seinem Stand von 13.873 Punkten.
Die erste Nervosität der Anleger legte sich schnell, nachdem der
Oberste Gerichtshof der USA dem Präsidenten Donald Trump am Freitag
die rechtliche Grundlage für viele bisher verhängte Zölle entzogen
hatte. Trump reagiere prompt mit der Ankündigung neuer Zölle für
alle Länder. Schon in Asien hatten die geöffneten Börsen dies gut
weggesteckt, während die Futures an den US-Börsen bis zuletzt
nachgaben. Ob sich Trumps Vorhaben auf bestehende Absprachen zur
Zollobergrenze auf Importe aus der EU auswirken, bleibt offen.
Der EuroStoxx profitierte davon, dass es Gegengewichte gab zu den
Kursverlusten bei Schwergewichten wie SAP und ASML
, die den schwächeren Vorgaben für die US-Börse Nasdaq
folgten. Auf der Gewinnerseite standen vor allem die Finanzwerte,
die im Eurozonen-Leitindex stark vertreten sind.
Banken führten europaweit die Sektorwertung an, mitunter gestützt
auf die Titel der spanischen Santander und der
niederländischen ABN Amro , die mit Anstiegen um etwa
drei Prozent jeweils von positiven Analystenstimmen profitierten.
Santander wurde von RBC mit dem Argument einer attraktiven Bewertung
auf "Outperform" hochgestuft. ABN sprach die Bank of America aus
ähnlichen Gründen eine Kaufempfehlung aus.
Gut da stand auch der Energiesektor, der zuletzt wegen Italiens
Interventionsplänen unter fallenden Strompreisen gelitten hatte.
Enel konnte diese Sorgen nun mildern. Das operative
Gewinnziel für 2026 übertraf die Erwartungen. Die Italiener wollen
zudem mehr Dividende zahlen und Aktien zurückkaufen. Enel stand mit
5,6 Prozent Plus an der EuroStoxx-Spitze.
Negative Schlagzeilen machte vor allem Novo Nordisk
mit einem Kurseinbruch um fast 16 Prozent. Der ehemals für seine
Abnehmmittel von Anlegern gefeierte Pharmakonzern muss bei der
Entwicklung neuer Medikamente in diesem Bereich den nächsten
Rückschlag hinnehmen, indem das Mittel Cagrisema in einer Studie die
Erwartungen nicht erfüllen konnte. Die Aktien erreichten ihren
niedrigsten Stand seit 2021.
Ein großer Verlierer kam mit Forvia noch aus dem
Autosektor. Die Titel des Zulieferers verloren 6,5 Prozent an Wert
infolge der Resultate, die die Lichttechnik-Tochter Hella
vorgelegt hatte. Diese enttäuschte den Markt nach
Angaben des JPMorgan-Fachmanns Jose Asumendi mit ihrem vorläufigen
Margenziel. Der Scheinwerferhersteller selbst geht 2026 von
schwierigen Marktbedingungen aus.
In London sorgte außerdem noch Johnson Matthey für
Enttäuschung. Der Kurs des britischen Mischkonzerns brach um 16
Prozent ein wegen der Neuigkeit, dass man sich beim Verkauf des
Geschäftsbereichs Catalyst Technologies an den US-Konzern Honeywell
nur auf einen Unternehmenswert von gut 1,3 Milliarden
britische Pfund einigen konnte - deutlich weniger als die noch im
Mai 2025 vereinbarten 1,8 Milliarden./tih/jha/