WKÖ-Verbände Hotellerie und Gastronomie setzen KV-Verhandlungen aus / Zuständige Fachverbände fordern Entschuldigung von vida-Chef für kürzliche Aussagen bevor sie in für morgen angesetzte Gespräche gehen
Die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer (WKÖ) setzen die Kollektivvertragsverhandlungen aus, die eigentlich am morgigen Donnerstag hätten starten sollen. Als Grund dafür nennen sie scharfe Angriffe des Gewerkschafters Roman Hebenstreit im Vorfeld. Der Chef der zuständigen Gewerkschaft vida müsse zu einer "sachlichen Verhandlungskultur zurückkehren", seine "Entgleisungen korrigieren und sich dafür entschuldigen", hieß es aus der WKÖ zur APA.
Zudem wenden sich die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie, Georg Imlauer und Alois Rainer, via offenen Brief an vida-Vorsitzenden Hebenstreit. Darin kritisieren sie, dass der Gewerkschafter regelmäßig vor KV-Verhandlungen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber pauschal angreife. Zuletzt sei aber "eine rote Linie überschritten" worden, es sei versucht worden den ganzen Wirtschaftszweig zu "kriminalisieren und diskreditieren". Es gehe nicht um unerwünschte Kritik sondern darum, dass "pauschale Unterstellungen Vertrauen zerstören" und damit die "Basis der Sozialpartnerschaft".
"Grundlage für seriöse Verhandlungen fehlt" mit vida-Chef
"Solange von Ihrer Seite keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit erkennbar ist, fehlt die Grundlage für seriöse Verhandlungen", schreiben Imlauer und Rainer. Zum kürzlich bekanntgewordenen Nächtigungsrekord hatte Hebenstreit etwa in einer OTS am Montag geschrieben: "Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System, das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt ist. Hinter den Jubelmeldungen verbirgt sich eine Branche, die Rekordgewinne privatisiert, aber ihre Risiken zu 100 Prozent sozialisiert."
Über von der COFAG abgewickelte Coronahilfen hätten "Milliardenförderungen ohne Gegenleistung" bedeutet. "Es ist ein Skandal der Sonderklasse, dass Konzerne und Hotelketten riesige Beträge durch geschickte Standort-Splittung kassierten, während sie gleichzeitig Dividenden ausschütteten und Personal abbauten", verwies Hebenstreit etwa auf Starbucks. Und: "Während Beschäftigte im Tourismus jeden Euro zweimal umdrehen müssen, gilt für Konzerne offenbar das Wall Street-Gordon-Gekko-Prinzip: Gier ist gut - vor allem, wenn der Staat sie finanziert. Das nenne ich eine fette Rendite auf Kosten der Steuerzahler", so Hebenstreit. Dazu griff er die Branche auch wegen eines kürzlich aufgeflogenen Sozialbetrugs mit manipulierter Software von manchen Betrieben gesamtheitlich an, verwendete hier auch den Begriff "organisierte Kriminalität" wegen einer Zusammenarbeit von ITlern und Gastronomen.
phs
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