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ROUNDUP/Trotz KI Boom: Chipzulieferer Siltronic blickt vorsichtig auf 2026

Der Hersteller von Halbleiter-Wafern Siltronic rechnet nach einem tristen Jahr 2025 mit einem weiter schwierigen Geschäftsumfeld. So sorgt zwar der KI-Boom und die damit hohe Nachfrage nach schnellen Computer-Prozessoren sowie Speicherchips mit hoher Bandbreite (HBM) für eine rege Nachfrage nach größeren Silizium-Scheiben, aus denen dann Computer-Chips hergestellt werden. Dem gegenüber steht aber schon länger eine eher träge Nachfrage aus der breiten Industrie, der Autobranche sowie seitens Smartphone-Herstellern. Denn in diesen Bereichen sitzen viele Kunden von Siltronic sowie deren Kunden immer noch auf teils hohen Lagerbeständen, die sie erst einmal weiter abbauen.

Alles in allem werde 2026 von Preisdruck außerhalb von Langfristverträgen sowie von negativen Wechselkurseffekten geprägt sein, hieß es von Siltronic denn auch am Dienstag im Zuge der Veröffentlichung der vorläufigen Resultate für 2025. "Während die Endmärkte im 300-Millimeter-Bereich wachsen, steht der 200-Millimeter-Bereich auch in diesem Jahr wegen weiterhin erhöhter Lagerbestände noch unter Druck."

Zudem verwies das Unternehmen auf Lieferverschiebungen von Anfang 2026 ins Schlussquartal 2025 sowie auf die Schließung der Fertigung für bestimmte kleinere Wafer in Burghausen im vergangenen Jahr, deren Umsätze 2026 entsprechend wegfallen. Vor diesem Hintergrund traut sich die Beteiligung von Wacker Chemie noch keine detaillierte Prognose für das neue Jahr zu. Anleger müssen sich wohl bis zur Vorlage der endgültigen Jahreszahlen am 12. März gedulden.

Für Branchenexperte Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies ist der vorsichtige Ausblick keine Überraschung. Die Siltronic-Führung habe zuletzt immer wieder betont, dass die Perspektiven erst einmal schwierig blieben. Daher sollten die aktuellen Äußerungen auch Investoren kaum überraschen, wenngleich die durchschnittlichen Analystenschätzungen für 2026 immer noch zu hoch erschienen. Das dürfte sich nun aber ändern.

Die Siltronic-Aktie geriet im frühen Handel unter Druck und fiel um 2,5 Prozent auf 50,75 Euro. Seit dem Mehrjahrestief von 31,70 Euro vergangenen September hat sich der Kurs aber schon ein gutes Stück weit erholt. So schwankt der Siltronic-Aktienkurs ohnehin sehr stark mit dem - ebenfalls volatilen - Nachfragezyklus in der Branche. Im Boomjahr 2021 mussten etwa über weite Strecken mehr als 140 Euro je Papier gezahlt werden.

2025 lief es derweil am Ende besser als von Analysten im Durchschnitt befürchtet, was aber auch an den Lieferschiebungen ins Schlussquartal 2025 hinein liegen könnte. Der Umsatz des Chipzulieferers sank im Gesamtjahr im Vergleich zu 2024 um 4,7 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Davon blieben 23,5 Prozent als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) übrig; konkret sind das 317 Millionen Euro und damit ein Rückgang um rund 13 Prozent.

Damit erreichte das Unternehmen die eigenen Ziele, was auch an Kostensenkungen lag. "Nachfrageimpulse in vielen Teilen der Endmärkte - insbesondere KI-getrieben - wirkten unterstützend, während Preiseffekte und Produktmix das Umfeld weiterhin belasteten", sagte der Siltronic-Vorstandsvorsitzende Michael Heckmeier laut Mittelung zur Entwicklung im vergangenen Jahr. Ohne Schließung der SD-Linie in Burghausen und Wechselkurseffekte hätten der Umsatz operativ auf Vorjahresniveau gelegen.

Jefferies-Analyst Hesse hebt zudem den in seinen Augen soliden Netto-Finanzmittelfluss positiv hervor. So gibt das Unternehmen zwar weiterhin Geld im Zusammenhang mit einer noch neuen Fabrik in Singapur aus, doch sanken insgesamt die Investitionen etwa in Sachanlagen. Daher verbesserte sich der Netto-Cashflow 2025 im Vergleich zum Vorjahr von minus 297 Millionen Euro auf minus 85 Millionen Euro; im Schlussquartal war er gar positiv, es flossen dem Unternehmen also liquide Mittel zu./mis/lew/stk

 ISIN  DE000WCH8881  DE000WAF3001

AXC0086 2026-02-03/09:09

Relevante Links: Siltronic AG, WACKER CHEMIE AG

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