Gerichtsstreitigkeiten bescheren RBI in Russland Verluste / 2025 zwei Urteile zum Nachteil von Raiffeisen Russland - RBI baut Geschäft in dem Land weiter ab
Die Raiffeisen Bank International (RBI) ist eine der letzten westlichen Banken, die noch in Russland tätig sind. Ihr Geschäft in dem Land baut sie seit Kriegsbeginn ab. Unterm Strich schrieb die Bank 2025 in Russland einen Verlust von 86 Mio. Euro. Im Gesamtjahr 2024 hatte sie noch einen Gewinn von 873 Mio. Euro verbucht, das war noch ein beträchtlicher Anteil des Gesamtkonzerngewinns der RBI von rund 1,35 Mrd. Euro.
Geschuldet ist das Minus vor allem russischen Gerichtsstreitigkeiten zwischen Strabag und Rasperia Trading Limited. Denn im vergangen Jahr fielen in Russland zwei Urteile zuungunsten der Raiffeisen Russland aus. Aus dem ersten Urteil wurden bereits mehr als 2 Mrd. Euro ausgezahlt, rund um das zweite Urteil im Dezember wurden weitere 339 Mio. Euro zurückgestellt, auch hier könnte es zu einer Auszahlung kommen, wenn das Urteil auch in der zweiten Instanz gegen sie ausfällt.
Das Geld will sich Raiffeisen jedoch zurückholen. "Wir haben gute Chancen, das zurückzubekommen", sagte Bankchef Johann Strobl am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz. Eine Möglichkeit sieht er im Zuge des 20. Sanktionspakets der EU, das bereits in Arbeit ist. Bereits beim 19. Paket im Herbst hatte die Bank versucht, das Strabag-Aktienpaket als eine Ausnahme aus dem eingefrorenen Russland-Vermögen freigeben zu lassen, hatte allerdings kein Glück. Die österreichische Regierung setzte sich dafür ein, erhielt jedoch keine Unterstützung von anderen EU-Ländern. Strobl hat dafür kein Verständnis. "Ich verstehe nicht, warum das nicht gemacht wird", sagte der RBI-CEO. Er sei der Überzeugung, dass eine Freigabe des Vermögens die einfachste Lösung wäre. Die Raiffeisen sei zudem nicht das einzige Unternehmen, dass in Russland Schaden erlitten habe.
Sollte es auch beim 20. Sanktionspaket nicht klappen, gibt es aber noch eine andere Option: "Wenn die EU das Kapital nicht freigibt, werden wir in Österreich klagen", so Strobl. Bisher wurde die Klage aber noch nicht eingebracht. Die Entscheidung darüber dürfte letztlich wohl Stobls Nachfolger Michael Höllerer obliegen. Dieser übernimmt ab 1. Juli als RBI-Chef. Höllerer ist derzeit Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien und der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien.
Bank baut Russland-Geschäft weiter ab
In Russland baut die Bank ihr Geschäft weiter ab. Seit Kriegsbeginn sei das Kreditvolumen um 60 Prozent gesunken, die Kundeneinlagen seien seit Februar 2022 um 40 Prozent gesunken. Die Bank zahlt schon seit längerem keine Zinsen mehr an Einlagekunden aus. Das Kreditportfolio lässt sie abreifen, vorzeitige Rückzahlungen von Krediten sehe die Bank aber kaum, da in Russland Fixzinskredite vergeben werden und die Konditionen alter Kredite im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau sehr günstig für die Kunden seien.
Unterm Strich schrieb die Raiffeisen Russland einen Verlust von 86 Mio. Euro. Im Gesamtjahr 2024 hatte die Bank noch einen Gewinn von 873 Mio. Euro geschrieben, das war noch ein beträchtlicher Anteil des Gesamtkonzerngewinns der RBI von rund 1,35 Mrd. Euro.
In der Ukraine entwickelt sich das Geschäft indessen etwas besser. Der Gewinn nach Steuern legte von 97 Mio. Euro auf 229 Mio. Euro zu. Operativ konnte der Zinsüberschuss um 2,7 Prozent gesteigert werden, der Provisionsüberschuss sank dagegen um 3,0 Prozent. In der Ukraine hat die RBI etwas mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Russland sind es rund 8.500 Mitarbeiter.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0145-26, 88 x 90 mm) bel/ivn
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